unheimliche begegnung der dritten art (II)

wenn es dunkel wird, wenn mein sehsinn an seiner vollen funktionsfähigkeit gehindert wird (ich bin so gut wie völlig nachtblind), dann übernehmen die andere sinne das regiment. es sind die sinne, die vorwiegend die phantasie anregen, wenn keine optischen vergleiche mehr möglich sind. ich spitze die ohren, und wenn ich sie in verschiedene richtungen drehen könnte, würde ich es gerne tun. wieder klingt es so, als würde ich schritte hören. über mir scheint ein flugobjekt zu kreisen. sagt der verstand – die kommen jetzt noch nicht. dafür ist es noch zu früh. das müssen flugzeuge sein, die entweder den flughafen leipzig/halle anfliegen oder dort gestartet sind. die düsen dröhnen. ich rieche. ich schnüffele. ich wittere. und was sagt mein geruchssinn? …rauch. na, nun rennt ja meine phantasie im schweinsgalopp. die werden doch nicht direkt über mir landen wollen? das dach sieht nicht so aus, als würde es die landung eines ufos verkraften. rauchgeruch. feuer? aber wer würde denn hier zündeln? an einigen stellen entdecke ich verkohltes holz, verschmorte elektrogeräte. oh no! und mit einem gedankensrpung, einem satz, sitze ich auf dem scheuenden gaul der angst. er lautet: heilige scheiße, wie mögen die oder das wohl aussehen? und schon startet der bildgenerator in meinem kopf.

ist es eine formlose masse, die mich verschlingen will?

puuuh, glück gehabt. bei näherer betrachtung könnte es auch ein pilz sein. ich sollte doch schneller scharf stellen. mensch, augen, ihr seid aber schon manchmal sehr unzuverlässig!

oder sind es vielleicht doch die berühmten, kleinen, grünen männchen??? ich kann ihr gesicht nicht sehen. sollten sie gar gesichtslos sein?

oha, antennen haben sie auch. und bewaffnet sind sie obendrein. was sich wohl in der kapsel verbirgt?

heute scheint mein glückstag zu sein. denn… tataaa: es ist doch nur eine jungfer im grünen. wäre da dieses summen der bienen nicht gewesen, hätte ich mich optisch nicht mit einem zweiten blick rückversichert. ufff! mein herz wummert.

und was ist, wenn es ein bißchen so aussieht wie die bürsten in der autowaschstraße, mich mit tausenden lappen von meinem menschengeruch reinigt und mich mit einem strahl ins raumschiff katalpultiert?

sind das etwa farbdüsen? werde ich jetzt bunt angespritzt? mir war heute gar nicht so nach body painting zumute. also nicht an so einem verlassenen ort und auch nicht unbedingt öffentlicher natur. also so rein gaaar nicht!

ja, manchmal muß man die dinge einfach mit großem abstand betrachten, um sich nicht vor angst in die hose zu pinkeln. *angstschweiß abtupf*. nur ein mammutblatt. aber riesig, fast doppelt so groß wie ich. da darf doch wohl ein bißchen demut vor der natur angebracht sein.

langsam beschleicht mich dennoch das gefühl, aus allen ecken angestarrt zu werden. wo habt ihr euch versteckt? warum zeigt ihr euch nicht? ich bin alleine! nur mit der kamera bewaffnet. die kann nicht viel ausrichten. meine selbstverteidigungskurse sind auch schon… ähm, sehrsehrsehrsehrsehr laaaaaange her. furchtbar. könnt ich mir schon wieder selbst tadel eintragen dafür! überall augen. ich spüre sie genau. vor allem im nacken, da wo sich die kleinen haare aufgerichtet haben und die haut drum herum unauffällige hügellandschaften bildet. jetzt hört doch mal auf, mich so anzustarren!

würde rick jetzt zu mir sagen: schau mir in die augen, kleines!, ich wüßte ja nicht mal in welches. zu hilfe! das sind ja alles-im-blick-augen. kann ich mich überhaupt irgendwo verstecken? ein schild taucht vor meinem fluchtwege suchenden blick auf, und mein hirn gerät ins stottern: actaea pachypoda. häääh?!!! wie meinen? ach so, steht noch etwas kleiner für mich als botanikdepp drunter: weißfrüchtiges christophskraut. na christoph, du könntest aber ruhig ein paar augen zudrücken… ich würde mich wesentlich besser fühlen, du früchtchen!

und heute nacht träume ich bestimmt nicht gut. ich träume dann von dem verfallenen ringlokschuppen, wo mir so wirres zeug durch den kopf spukte. wir werden uns den ufo-landeplatz morgen vormittag zunächst mal vorsichtig von außen und bei tageslicht anschauen, am abend werde ich der späher sein und in das bauwerk hineinschlüpfen und schauen, wer und was mir noch so alles begegnet.

ist es ein formlose masse, die auf mich zuglibbert und mich verschlingen will? oh, nur ein pilz.
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22 Antworten zu “unheimliche begegnung der dritten art (II)

  1. … das sind wieder ganz tolle Bilder. Besonders das korallenartige Farbdüsending macht mords was her. :-).

  2. dein Eintrag heut hat mir ein schmunzeln entlockt. Du hast das so schoen plastisch erzaehlt, dass es Riesenspass macht und auch noch so schoene Bilder dazu, das war so richtig gut nach dem anstrenden Tag von heut

    • liebe vivi,

      es freut mich sehr, wenn du heute nach deinem stressigen tag noch ein bißchen über meine kleine verhohnepiepelung der schöngeistigen naturbetrachtung lächeln konntest. mir hat es beim schreiben auch spaß gemacht.

  3. Sehr schöne Geschichte – da könnte man eine nicht ganz ernste Variante eines Horrorfilms draus machen. Drehbuch schreiben und bei der Filmförderung einreichen 😉

    • hach, erinnere mich bloß nicht ans drehbuchschreiben :roll:. ich hab schon mal eins für einen kurzfilm verfaßt, daß mir dann hinterher in der luft zerrissen wurde – von menschen, die in der filmbranche arbeiten. vielleicht war es nicht der stoff, den die welt gerne sieht, er kreiste nämlich um dein heutiges blogthema „häusliche gewalt“.

      obwol mir das jetzt hier bei dem thema leichter fiel und großen spaß gemacht hat, sorge ich mich darum, keinen spielfilm mit meinen ideen füllen zu können. eine idee – auf eis gelegt. lange schon.

  4. Das ist ja ein Superartikel mit Spitzenfotos, besonders die „Waschbürste“ hat es mir angetan! Deine Phantasie schlägt im Dunklen ja wirklich Purzelbaum!

    • wenn ich angst habe, dann rennt sie. es muß nicht dunkel sein. also vielleicht haben mich die bilder der letzten tage, die ich hier ja auch munter als eine geschichte vermische, schon irgendwie stark beeinflußt. in dem ringlokschuppen hatte ich wirklich angst, und es war eher schummriges licht. am nächsten tag dann diese verrückten blumen im botanischen garten. und dann beim bilder sichten ist die idee für die geschichte entstanden.

  5. wirklich ganz klasse Fotos! Tolle Geschichte dazu!

  6. Guten Abend meine Liebe! Warst du eventuell auf einem anderen Planeten? Alles nur ein Traum? Ich las zuerst deine Geschichte und dachte „Himmel, was passiert jetzt?!“ Die Aufnahmen wirken wie Gäste aus einem fremden Land. Zauberhaft und fast unwirklich.

  7. Genial! Genial! Genial!!
    Ich bin begeistert, liebe Frau W.! Das nenne ich mal fantasievoll!
    Ich bin begeistert! Und die Fotos sind der Hammer!
    So. Jetzt sage ich nix mehr, sondern schicke meine Fantasie auch auf Wanderschaft.
    🙂

    Liebe Grüße,
    H.

    • liebe heike,

      ich hatte ein bißchen gehofft, daß ihr euch drauf einlaßt. und nun bin ich überrascht über die reaktionen. ich hoffe, daß mich das nicht gleich wieder im ideenfluß ausbremst, weil ich mich selbst unter erwartungsdruck setze. das ist immer der gefährliche part daran: man beginnt etwas neues, es stößt auf interesse und dann wird alles doch nicht so gut, weil der geist die freiheit nicht mehr findet, seine gedanken schweben zu lassen.

      wir werden sehen ;-).

      liebe grüße von frau w.

  8. Die grünen Männchen mit ihren Antennen sind ja mal super! (Ich musste laut lachen.)
    Die Augen, die Augen. Wenn der mal eins zudrückt, bekommst es gar nicht mit 🙂

    Du hast ein sagenhaftes Erzähltalent. Es macht solch ein Freude, das zu lesen. Danke dir ♥

    Viele liebe Grüsse

    • das bringt alles die natur hervor. wir müssen nur die eigenen augen offen genug halten, um das nicht zu übersehen. denn die sind schon recht klein und man könnte achtlos dran vorbeilaufen und immer nur den gesamteindruck betrachten wollen. dennoch sind für mich die kleinigkeiten auch das ganze.

      stimmt, da müßte ich ja auch so einen rundumblick haben. bin ja froh, daß ich die ein bißchen verdrehen kann :-).

      ich übe, liebe bärbel. ich übe und hoffe auf kritik, gute und welche, die mich besser werden läßt.

      liebe grüße und einen wunderschönen freitag dir!

  9. Boh, ist das toll! Was du alles gesehen hast! Und deine Fanasie macht ‚Bocksprünge‘. Herrlich. Besonders das kleine grüne Männchen gefällt mir (zum Knuddeln) und der bunte ‚Wedel‘. Was ist das bloß??

    • im botanischen garten gibt es wirklich pflanzen, die so vollkommen anders aussehen als das gewohnte. obwohl – das kleine grüne männchen gibt es in recht vielen gärten. der bunte wedel ist der blütenstand vom mammutblatt. sieht aus, als würde es nicht ganz zusammen passen. um so erstaunter ist man dann, wenn man mal zwischen die blätter in bodennähe schaut :-).

  10. Ich sag’s seit Jahrzehnten schon immer und immer wieder: die Außerirdischen sind längst unter uns! 😀
    Klasse!
    Herzliche Grüße!

    • ja, die haben sich einfach als blumen und bäume, türen und balken getarnt und studieren uns. das ist irgendwie beunruhigend ;-).

      liebe grüße und schönen freitag abend!

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