na, altes haus?!

Diese Diashow benötigt JavaScript.

es ist noch nicht allzu lange her, da konnte ich legal das lange leerstehende pöge-haus in leipzig in der hedwigstraße besichtigen. natürlich im rahmen einer kunstakion, aber besser so als gar nicht. viele bilder davon habe ich noch gar nicht gezeigt. denn es war für mich nicht nur geruchlich eine reise in die vergangenheit – es roch nach altem linoleumbelag, nach alten lösungsmitteln und neuen, nach der vermoderten tapete, nach jahrelang ungelüftetem wohnraum. die treppen knarrten, die dielenbretter auch. an den wänden klebten teilweise die tapetenmuster aus der ddr. in einigen räumen fanden sich fundsücke aus der ruine als ausstellungsstücke wieder. wenn wir unsere erinnerungen in einen karton packen und ihn zuschnüren und ihn auf den dachboden oder in den keller bringen würden, kehrten sie nicht als diffuse teilchen und unerwartet wieder in unseren kopf zurück? kennen erinnerungen so etwas wie ruhezeiten? können sie zu einem anderen zeitpunkt nicht wie ein schnell geschnittener film vor uns aufflackern? könnten wir doch manchmal einfach nur play drücken oder pause, schneller oder langsamer zurückspulen… und doch haben wir kein steuer für unsere erinnerungen in der hand. sie sind scheinbar willkürlich da oder verschwunden. und ich weiß nicht, wo sie sich gerade aufhalten, ob im vorzimmer oder im oberstübchen, im souterrain oder auf dem balkon.

in diesem gebäude wurde mir die damalige ddr-mangelwirtschaft mal wieder so richtig bewußt. ich stand in den schmalen fluren und erblickte die laienhaft eingezogenen zwischenböden an den wänden, die aus allem möglichen material zusammengebastelt wurden. manchmal aus türen zurecht gesägt, manchmal aus brettern, manchmal aus alten möbelstücken. alles wurde irgendwie weiterverwertet. nachhaltigkeit aus mangel an rohstoffen. nun sind die rohstoffe der welt noch genauso endlich, aber auch immer noch ungleichmäßig verteilt. gerade deswegen finde ich es schön, wenn alte dinge aussortiert werden, die einfach überflüssig sind, diese aber nicht einfach weggeworfen werden, sondern verschenkt oder für einen symbolischen wert an einen neuen liebhaber verkauft werden. heute finden wir das bei fudelchen, vor kurzem hat paradalis ihre taschensammlung teilaufgelöst. dieser virtuelle flohmarkt ist ein anfang und ein beitrag dazu. noch besser wäre es allerdings, wenn wir unseren konsum stärker auf das wirklich notwendige beschränkten. dabei muß ich nicht mal den zeigefinger ausstrecken. ich kann gleich mal bei mir anfangen. irgendwann zwischen den jahren wird es bei mir auch wieder so weit sein. das aussortieren und neusortieren und umordnen am jahreswechsel ist mein ritual. ob ich meinen kopf auch ein bißchen umräume? es stände ihm bestimmt gut zu gesicht. und bis zum jahreswechsel kann ich dieses mal nicht ausharren. manchmal ist das leben eines menschen wie ein altes haus. es muß gelegentlich saniert oder ausgebessert werden. einiges muß komplett herausgerissen werden, manches darf bleiben, wie es ist, anderes wird neu angemalt. und nun mache ich mich mal an die arbeit.

Advertisements

16 Antworten zu “na, altes haus?!

  1. Das sind wunderbare Aufnahmen, liebe Frau W., und es sind nachdenkenswerte Worte.
    Obwohl ich natürlich immer noch von allem viel zu viel habe, versuche ich mich mit dem Kaufen zurückzunehmen. Unnütze Dinge erwerbe ich schon lange nicht mehr.
    Kleidung bspw. kaufe ich dann eher mal etwas teurer ein, dafür ist es ewig haltbar. Da der Stil eher zeitlos ist, kommt es auch nie aus der Mode (es war ja auch nie drin *g*) und so trage ich gerade auch Jacken oft jahrelang. Sortiere ich Kleidung aus, gebe ich sie meinem Pa mit nach Rumänien. Er fährt ja als Spediteur schon zwanzig Jahre in dieses Land und die Familien, bei denen er die Kleidersäcke lässt, die freuen sich immer riesig. Mittlerweile geben auch die Nachbarn (und Verwandte sowieso) sämtliche Kleidung meinem Vater mit.

    Aber dennoch.
    Mit manchen Dingen könnte ich sparsamer sein.

    Danke für den Denkanstoß, die wunderbaren Fotos und ich wünsche dir einen schönen Abend.
    Liebe Grüße
    Heike.

    • ja, ich konsumiere ähnlich. weniger, dafür haltbarer und eher klassisch. ich repariere auch noch viel und habe einige klamotten mit flicken, die ich in meiner freizeit noch weiter runterschlumpere. und wenn dein papa das nächste mal nach rumänien fährt, kannst du mir mal rechtzeitig ein zeichen geben? ich würde da auch gerne was mitgeben, bevor ich es in eine kleidertonne werfe… ich könnte das natürlich auch in eine kleiderkammer bringen, denke aber, daß in rumänien die armut noch stärker als bei uns ist.

      ich denke da bei mir auch eher an solche dinge wie essen. ich finde es unglaublich schwer, für eine person einzukaufen, weil es oft nur solche megapackungen gibt, die man unmöglich schafft. mittlerweile habe ich eine tiefkühltruhe, wo ich auch was einfrieren kann. aber ich kaufe die familienpackungen nicht mehr, weil die hälfte vorm verzehren schlecht wird. also lieber kleinere mengen und aus dem kleinen laden. am ende habe ich auch nicht mehr ausgegeben, obwohl die preise höher sind.

      ich wünsche dir auch noch einen schönen abend, liebe heike!

      • Ja, Nahrungsmittel fielen mir auch ein, damit habe ich aber kein Problem, weil ich kaum koche.
        🙂
        Das ist auch ungesund und macht fett, wenn man eben, sobald man Hunger hat, zum Bäcker rennt, ein Stück Kuchen kauft oder schlimmer noch: Nougatstangen vertilgt.
        Wenn ich koche, dann nur, wenn Besuch da ist und da wird meistens alles aufgegessen.

        An das Zeichen denke ich, eigentlich gibt es da keinen Zeitpunkt, außer „immer“. 🙂 Er fährt ja ständig und wenn nicht er, dann die anderen beiden Fahrer auf ihren LkW´s.

        Danke und bis bald, liebe Grüße!
        🙂

        • ich koche ja auch für mich alleine, wenigstens am wochenende muß die zeit sein. aber wenn ich sehe, was so in den biomülltonnen landet… was lebensmittel angeht, sind wir wohl beide eher sparsam aufgezogen worden. mich macht zwar so schnell nix fett, aber dafür kann ich auch nicht unmassen in mich stopfen. mir wird dann schlecht und das dementsprechende nahrungsmittel ist mit für immer vergällt.

          vielleicht schaffe ich es im herbst nach der buchmesse mal, hier ein bißchen auszusortieren. dann melde ich mich außenrum wegen der koordinaten.

          machs gut!

  2. Deine Bilder sind beeindruckend. Ich frage mich immer, was hätte das Möbelstück, die Wände, der Boden wohl zu berichten, wenn sie zu uns sprechen könnten? Oder, tun sie es nicht sogar? Nachdem meine Großeltern verstorben waren, musste die alte Wohnung ebenfalls wieder hergerichtet werden. Auch die Tapeten mussten runter, bis auf das Gemäuer. Dort kamen ebenfalls alte Zeitungszeiten zum Vorschein, leider konnte man nichts mehr erkennen. Aber der Charme einer solchen Wohnung ist ungebrochen.

    Manchmal ist es an der Zeit zu entrümpeln. Damit ist es auch immer mit einem leichten Schmerz verbunden. Sich von Altem zu trennen ist manchmal leicht, manchmal schwer, weil das Gewohnte eben auch mit Sicherheit zu tun hat. Habe ich genug Kraft? Wie wird das Neue sein? Was wird alles auf mich zukommen? Was wird sich verändern? Dann ist es irgendwann vollbracht und man steht in seinem neuen Zuhause. Zufrieden, weil man es wieder einmal geschafft hat. Bis bald, auf ein Neues.

    Liebe Grüße,
    Emily

    • ich würde auch immer einen altbau bevorzugen, allein wegen der hohen räume und wegen der geschichte, die in den alten gemäuern klebt und nun noch meine dazu. meine alte wohnung in berlin hatte nur propagandameldungen über den mauerbau zu vermelden (ostteil der stadt, deswegen zensiertes neues deutschland). aber mit einem gewissen abstand sieht man das eben als historisches dokument an.

      und so ist das mit der lebensentrümpelung auch. es gibt zeiten, die wir nur schwer vergessen können, weil sie so wunderbar oder so schrecklich waren. anderes berührt uns für einen augenblick und ist dann für immer verloren. ich bin jedenfalls gespannt, was alles passiert und wie es sich verändert, ob es äußerlich bleibt oder sich auch auf das innere auswirkt. aber meistens besteht da ja eine wechselwirkung. sicherheit ist nur ein vages versprechen. in meinen augen existiert sie höchst selten. ich bin startklar, lieber heute als morgen.

      hab einen guten abend, liebe emily!

  3. Eigentlich ist das mit Ausräumen und Aufräumen gar nicht so leicht. man muß sich wirklich dazu aufraffen und dann wirst Du feststellen, daß wenn Du ausgeräumt hast und ein halbwegs normales Aufräumziel erreicht ist, daß auch in Deinem Kopf eine gewisse Ordnung herrscht.
    Das ist tatsächlich so.

    Wünsche Dir noch einen wundervollen Kuschelabend mit Galotta 😉

    • ich weiß, denn ab und an mache ich das auch. das letzte mal richtig gründlich vor meinem umzug vor über zwei jahren. ich glaube, so was grundsätzliches muß jetzt hier auch noch mal geschehen.

      galotti ist gerade zu schabernack aufgelegt. ich werd mal ein bißchen spielen gehen…

      dir einen schönen abend!

  4. Da ist einmal die Faszination alter Häuser, auch wenn sie heruntergekommen sind. Was das nur ist? Die Menschen, die darin mal wohnten? Die Zeitgeschichte, die sich darin manifestiert? Mich zieht so was auch magisch an.

    Zum anderen das Auräumen und Ausmisten. Man würde mich wahrscheinlich für zeimlich ordentlich halten, aber ich finde immer noch, dass ich zuviel besitze. Ich will kein Asket werden, aber ich z.b. habe im Laufe der stressigen Berufsjahre zu viel angehäuft, was ich nicht wirklich brauche. Ich bin schon seit Jahren dabei, mich langsam von immer mehr zu trennen. Wenn nun noch der zweie Sohn aus dem Haus ist, gibt es keine Ausrede mehr.

    Zu viel Besitz ist tatsächlich Ballast, der einen beschwert und von den Leichtigkeiten des Lebens abhält. So empfinde ich das. Fudelchen hat ja auch oben geschrieben, wie viel besser man sich danach fühlt.
    Liebe Grüße,
    Ingrid

    • ein bißchen sind wir wohl immer auch auf der suche nach vergangenem, uns fremden leben. sonst würden uns diese plätze und friedhöfe, museen und oldies nicht interessieren. ich schaue aber auch gerne abends in beleuchtet fenster und versuche mir vorzustellen, wie man dort lebt und was man gerade macht.

      ich habe im vergangenen jahr mal freunden dabei geholfen, ihre wohnung, die sie während des auslandsjahrs untervermietet haben, zu „entlüften“. an jedem stück kleben erinnerungen. und dann war es gut, daß ich dort radikal nachhakte. so wurde der „brauch ich nicht berg“ langsam größer, sonst wäre wahrscheinlich nahezu alles einfach in eine garage ausgelagert worden. wahrscheinlich brauche ich auch mal den fremden blick auf die dinge, die ich eigentlich nicht benötige ;-). das könnte ich irgendwann mal noch gebrauchen, ist eine hervorragende ausrede, sich nicht von dingen trennen zu müssen.

      als ich bei meiner schwester im bauernhaus war, so fand ich es dort sehr spartanisch eingerichtet. aber es gab alle notwendigkeiten und keinen überfluß. das hat mir sehr imponiert und sah sogar gemütlich aus. ich werde es angehen…

      eine gute nacht, liebe ingrid!

  5. Ich denke an dich, will dir aber nicht so viel Antwortstress bereiten, da du ja arbeiten möchtest! Clara

    • nee, im moment habe ich freizeit. außerdem ist mir prinzipiell meine freizeit wichtiger. das wäre sicher anders, wenn mein hobby mein beruf wäre. du bist zucker! gute nacht!

  6. Manchmal muss man sich innerlich entrümpeln. Dann gleichen Seele und Wesen einem überladenen Wohnmobil, welches so schwer auf die Achsen drückt, dass es an der nächsten Biegung umzustürzen droht… 😉
    Meine Familie und ich haben sehr lange Jahre in einem beinahe 200 Jahre alten Schulhaus gelebt. Als Kind und Jugendliche hatte ich stets den Eindruck, dass jedes Mauerwerk, jedes Zimmer, jede Treppe übervoll sind mit Erinnerungen, kleinen und großen Geschichten. Manchmal vermeinte ich sogar, das Wispern längst verstummter Stimmen zu hören…

    • ich merke jedenfalls, wie sich gerade alles bis fast unter die decke gestapelt hat. ich sollte jedenfalls lieber nicht unten ziehen, sondern oben anfangen.

      das kann ich mir lebhaft vorstellen. und ich einer schule passiert ja immer viel, von streichen bis streben. ich hoffe, es war nur der wind ;-).

  7. bei uns wird ja vor Ostern immer alles mehr oder weniger in die Hand genommen und da wird dann einiges entruempelt. Vor einigen Jahren, als wie die grosse Einwanderung der Leute aus Russland hatten, da wurde von uns auch sehr viel weitergegeben, von Geschirr bis Betten. Fuer Bekleidung gibt es bei uns extra „Geschaefte“, d.h. in aermeren Gegenden gibt es dann ein 1 Shekel Geschaeft. Da kommt dann unsere Bekleidung hin, die wir nicht mehr tragen. Und trotz allem ist immer noch viel zu viel daheim.

    • ja, das entrümpeln ist nicht einfach. an vielen dingen hängen erinnerungen. ich erledige das entweder zwischen den jahren oder manchmal auch beim frühjahrsputz. kommt immer drauf an, wann mal wieder das chaos erreicht ist und ich mehr ordnung haben will. bei uns gibt es zwar auch die kleidertonnen, aber ich werde wohl dem vater von paradalis was mit nach rumänien schicken. das erscheint mir irgendwie noch sinnvoller.

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s