gaffaffen

man schlendert da zu zweit mit einer kollegin über das firmengelände zur kantine, spricht über den urlaub und die katze, denkt sich nichts dabei, fühlt sich ganz normal, kommt den tischen im freien näher. und plötzlich drehen sich wie auf kommando alle köpfe an einem tisch um. und du fühlst, wie sich zahlreiche augenpaare auf dich bzw. uns richten. für die so einhellig begafften (also wir, die objekte) ist das äußerst unangenehm. man weiß nicht, ob man sich falsch gekleidet haben soll, ob man zu dick oder zu dünn wirkt, ob die haare nicht gut liegen, ob die schminke verwischt sein könnte, ob man irgendwo einen fleck auf der kleidung hat, den man selbst noch nicht entdeckte oder ob ein pickel sich leuchtend und im zentrum erhebt. aber eines weiß man doch genau: irgendetwas läuft hier falsch.

man kennt die menschen nicht persönlich und wird dennoch betratscht. man unterliegt einem aus/musterungsprozeß, einer selektion, die irgendwie befremdlich und vor allem peinlich wirkt. ich schalte in solchen situationen auf tunnelblick um. alles ausblenden, nur nicht unsicher an mir runtergucken, jetzt nicht an den eigenen gang denken, weil sonst mein eigenes körpergefühl verunsichert wird. noch viel unangenehmer aber finde ich diese gaffaffen, die auf ein kommando, eine abfällige, eine kuriose, eine dubiose, eine gerüchte verbreitende, eine neidvolle bemerkung hin oder eine bewundernde (kann man ja vielleicht auch nicht 100-prozentig ausschließen) alle gleichzeitg ihre sichtfenster auf uns richten. wenn man schon so neugierig ist, kann man dann nicht wenigstens etwas diskreter vorgehen? hätte ich die auffälligkeit zu meinem berufs- oder lebensinhalt erklärt, wäre ich wohl zur rampensau geworden, hätte mich am theater zu verdingen gesucht. doch mein lebensweg sieht anders aus. ich lebe hinter den kulissen. und ich mag es überhaupt gar nicht, wenn mich menschen grundlos anstarren bzw. ich über deren motive nur mutmaßen kann. ich würde es vorziehen, von solchen menschen einfach weniger beachtet zu werden. denn mein inneres wesen kennen sie nicht, also können sie nur über das äußere oder das irgendwo mal gehörte kommuniziert haben. garantiert kein wohlfühlfaktor! glotzt doch nicht so blöde, denn euer herdenzwang ist einfach unausstehlich.

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16 Antworten zu “gaffaffen

  1. Oh je, liebe Frau W., das kenne ich auch und mag es überhaupt nicht.
    Manchmal gehe ich dann zum „Angriff“ über und frage: „Kann ich Ihnen behilflich sein?“, aber das ergibt dann oft eine endlos lange Diskussion. Deshalb ist diese Methode selten geworden.

    Ich wünsche dir einen schönen Dienstag, herzliche Grüße
    Heike.
    🙂

    • den angriff spare ich mir auch. irgendwie möchte ich manchmal einfach den stinkefinger ziehen, wenn mir so etwas passiert. aber dafür bin ich dann wieder zu gut erzogen :roll:. man wünscht sich dann oft eine bodenklappe, und dort unten einen raum mit spiegel, wo man sich nochmals in ruhe betrachten kann…

      dir auch einen schhönen tag, liebe heike!

  2. ich mag so etwas auch nicht. Ist dann wirklich oft das Gefuehl, irgendetwas an dir ist nciht in Ordnung. Das sind ganz einfach schlechte Manieren.

    • man kommt sich vor wie auf dem unfreiwilligen laufsteg. dabei hatte ich doch gar keinen castingtermin… ich schaue mir menschen auch gerne an, versuche das aber dezent. das ist die hohe kunst dabei. die augen sind ja zum sehen da, aber ich bin heilfroh, daß ich keine gedanken lesen kann.

  3. Das kenne ich und ich kann es nicht ausstehen! Eine Freundin von mir geht damit offensiv um und fragt direkt nach. Ich kann das nicht und ich will es auch nicht. In mir entsteht ein schreckliches Gefühl der Unsicherheit. Da kann die Fassade noch so sicher erscheinen, innerlich bin ich ein Wackelpudding.

    Hab einen schönen Tag meine Liebe! Laß‘ dich davon bloß nicht beeindrucken!

    Emily

    • man kann die fremdwahrnehmung ja auch schlecht bzw. gar nicht beeinflussen, so sehr man sich um ein gutes auftreten bemüht. zum wackelpudding werde ich nicht, aber mein blut kocht und ich tendiere zur gesichtsverfärbung. dabei sollten doch eigentlich die rot werden, die dich mit den augen strafen, wofür auch immer.

      das wünsche ich dir natürlich auch!

      liebe grüße!

  4. Wo bleibt denn Dein Selbstbewußtsein 🙄
    Bist eine kluge und taffe Frau, dann kann auch der Stinkefinger raus oder zum Gegenagriff, das kann sogar lustig werden – habe das mal bei meiner Tochter erlebt. Die ist auch gut erzogen, aber so etwas zaubert ihr ein Grollen ins Gesicht, da schnappt sie sich ein „Männchen“, schaut im tief in die Augen und fragt : „Was willst Du ?“ Danach dreht sich auf dem Absatz um. Das war bühnenreif :mrgreen:

    • nun, die menschen sind unterschiedlich. ich mag zwar nach außen hin so wirken, aber im inneren sieht es einfach anders aus. ich werde nie so sein. aber das macht nichts.

  5. Ich habe dafür oder für ähnliche Situationen das Wort „Fleischbeschau“ gewählt. Als ich noch zu Tanzveranstaltungen ging und dann allein über das leere Parkett musste oder so ähnlich – da glotzten sie alle wie Angestellte des Fleischerhandwerks: „Oh, Frischfleisch!“
    Ich wünsche dir wenige solcher Situationen!

  6. Ich bin mittlerweile so frei und gaffe ungeniert zurück, unterziehe den oder die Gaffenden meinerseits einer äußerst peniblen Musterung von den Zehen- bis zu den Haarspitzen. Das hat sehr oft zur Folge, dass der/die Gaffer sehr schnell mit den Blicken von einem ablassen.

  7. Lass sie gaffen, die Affen!

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