geräuschclown

"sei joy soundman" von tinka mo projektion - installation mit klangsteuerzentrale für geräusche beim start einer rakete. idee: anna mönnich, rakete/pult: mark klawikowski, sounds: andreas usenbenz, technische realisierung: klaus schmidtke. fotografiert beim hgb-rundgang 2010 in leipzig.

wirklich schade finde ich, daß sich geräusche so schlecht beschreiben lassen, genau wie es kaum möglich ist, gerüche adäquat zu schildern. gut, wir kennen alle die comicsprache aus den sprechblasen. und obwohl es comics in der ddr fast nur als tauschobjekte gab, muß mich das bei der ausprägung meines nonverbalen kommunikationsverhaltens stark beeinflußt haben. dabei imitiere ich die geräusche nie bewußt, sondern lasse sie ganz selbstverständlich in das gespräch einfließen, um etwas besser illustrieren zu können. einen großen anteil an diesem verhalten könnten auch die zahlreichen hörspiele haben, denen ich früher hingebungsvoll am radio gelauscht habe oder die ganzen zeichentrickfilme (allen voran: adolars phantastische abenteuer). irgendwann ist mir jedenfalls doch mal aufgegangen, daß ich im gespräch häufig gestikuliere und fratzen schneide. und erst letzte woche habe ich bemerkt, wie stark ich im gespräch an eine  human beatbox erinnern muß. heute dann schon wieder.

ich war also in meinem lieblingklamottenladen und die verkäuferin zeigte mir gestenreich, wie sie versucht hatte, sich in eine strechjeans der größe 36 zu pressen (ich schätze, sie trägt eigentlich eine 40). also jedenfalls, anziehen schien noch relativ einfach zu sein. aber raus war ein goßes problem. da waren die wurstbeinchen in der zu engen pelle gefangen. das ganze entkleiden ging nur in bodenlage und mit hilfe einer kollegin, die mitziehen mußte, während die so eingezwängte von oben schob. das bild will mir einfach nicht aus dem kopf… wird eigentlich noch die schuhlöffelvariante praktiziert? oder das anziehen von halbnassen jeans, die sich dann beim tragen dehnen?

ich steuerte eine anekdote vom anziehen meiner höchsteigenen strechjeans bei. es ist das einzige hosenmodell, bei dem ich eine art beklemmung empfinde und dennoch das enganliegende irgendwie mag, weil ja sonst eigentlich fast jede klamotte um mich herumschlabbert. das einsteigen in die hosenbeine und zuknöpfen untermalte ich eben mit geräuschen, die die verkäuferin in schallendes gelächter ausbrechen ließen. und während meines aufenthalts im laden, mußte sie das ohrenkabarett andauernd wiederholen. das hineinpressen in die beine klang in etwa wie eine mischung aus einem beim sex quietschenden französischen bett mit einem untergestell aus verrostetem metall und esel (lautsprachlich etwa so: iiiaaaiiieeeiiiaaaiiieee, das ganze dann leicht nasal vertont). das schließen des hosenknopfes wurde mit einer art urschrei, wehenpreßgeräusch bei gleichzeitigem anhalten der luft und einem anschließenden erleichterten ausatmen unterlegt. das kann ich hier gar nicht mit buchstaben wiedergeben, so komisch muß das geklungen haben.

bei der arbeit habe ich dann heute die werbung für dusch:das imitiert, die sonst selten so stark erotisch aufgeladen für das vorabendprogramm in den 80er jahren im fernsehen lief (ich durfte ja westfernsehen gucken, nur nichts davon erwähnen). da rennt eine frau mit einem weißen t-shirt in zeitlupe durch den warmen sommerregen. sie trägt keinen bh, man kann also auch die brustwarzen sehr deutlich sehen und aus dem off hechelt eine stimme, die vermutlich von der mitarbeiterin einer telefonsex-hotline stammte. wenn das abgehetzt vom rennen klingen sollte, heiße ich ab heute klaus maria. ich habe leider die deutsche version nicht als video gefunden, aber die hier ist sehr ähnlich. naja, jedenfalls haben mich nach der geräuschimitation acht tellegroße augen angeglotzt und vier münder laut losgelacht. ich bin wohl ein geräuschclown. manchmal ein trauriger. oder sollte das ein bisher verkanntes talent von mir sein? tsssssüüühhh! damit kann ich wohl auch kein geld verdienen, wo ich doch gerade wieder mal intensiver nach einer beruflichen alternative suche…

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25 Antworten zu “geräuschclown

  1. Hallo Klaus – Maria (ähhhm, mein Süßer heißt Klaus- ***** 😀 kannst Du keine hechelnde Frau imitieren ?

    Die Werbung ist doch klasse, die Frau hat eine tolle Figur und die Brustwarzen sehen doch klasse aus – oder hab ich durch Schnelllesen was falsch verstanden :mrgreen: egal, das Video klappt nicht so gut.

    Wünsche Dir einen schönen Abend und ….was suchst Du denn für eine Alternative ??

    • klar kann ich die hechelnde frau imitieren, aber das klang eher nach sexgeräuschen als dieses schnellere atmen beim joggen ;-).

      ich fand die werbung für damalige verhältnisse recht freizügig. und dieses hecheln blieb in meinem geräuschgedächtnis hängen. nie habe ich mich über die frau beschwert. ziemlich deutlich, daß die werbung für männer konzipiert wurde ;-).

      ich suche im moment einen job anstelle der zwei, für die ich mich im moment am besten zerteilen sollte. auf dauer muß ich im job ständig zwischen den beiden sehr unterschiedlichen aufgabenbereichen umdenken. und am besten sollte ich immer für alle da sein und alles sofort erledigen. aber es ist schwer, das in wenige worte zu kleiden. vielleicht mach ich mal einen text darüber.

      liebe grüße!

  2. Hallo, hier ist Geräuschclown Nummer 2 – dafür lieben mich alle meine vielen (Wunsch-)Enkel, weil ich vieles mit den unmöglichsten Grimassen und Geräuschen untermale, das finden die irre. – Wir könnten ja im Duett grunzen, fauchen, knirschen, (stöhnen), hecheln usw.
    LG von Clara

    • hah, ich würde den traurigen part gerne abgeben. aber ich nehme an, um die rolle reißt du dich auch nicht. ich glaube, vielen erwachsenen fällt das gar nicht auf, wenn jemand beim erzählen so rumwirbelt oder sie finden es einfach nur lächerlich bis lustig. ich quietsche ganz besonders gern, wahrscheinlich steckt doch noch viel kind in mir und dir. ich liebe solche verrücktheiten und hoffe, man interpretiert das nicht als überkandidelte extravaganz.

      einen schönen abend, liebe clara

  3. Auf was man so alles kommt …
    🙂
    Genial.

    Und Adolar hast du auch wieder rausgekramt? Ich mochte die Zeichentrickserie ja sehr. Danke fürs daran Erinnern!

    Hab einen schönen Tag,
    liebe Grüße.
    Heike.
    🙂

    • Übrigens: herzlichen Dank Frau W.! *g* Jetzt habe ich die ganzen 90 Minuten beim Waldspaziergang die Melodie gesungen. Super.
      🙂
      Und sieh mal hier:

      Ach, ich finde das sehr schön, dass du mich wieder darauf gebracht hast.
      Danke.

      • ich mochte die serie sehr gerne. die synchronisation ist wunderbar. ich wollte dich nicht mit dem virus infizieren, aber du scheinst das ja sehr zu genießen ;-).

        als außerirdische braucht man einen guten draht in den orbit :grin:!

    • ich wäre wohl nicht selbst drauf gekommen, wenn mich die verkäuferin nicht nachgeahmt hätte. es ist doch manchmal schwer, sich in allen facetten selbst zu reflektieren, gerade die unbewußten handlungen… ich habe mich nur ab und an gewundert, wenn menschen sagten, an mir sei ein komiker verloren gegangen. so komisch finde ich mich selbst gar nicht. nun ja, selbstwahrnehmung und fremdwahrnehmung weichen oft voneinander ab.

      von adolar muß ich mir glaube ich wirklich mal die dvd-serie ordern ;-).

      ich wünsch dir auch einen schönen urlaubstag!

  4. Das Gerät sieht ja wild aus und macht sicher herrlichen Krach! Wenn eure Band steht, bitte unbedingt bescheid geben. Ich komme! Egal wann, egal wo 😉

    Liebe Grüße, Emily

    • ich habe die performance leider verpaßt, aber man kann eben nicht alles sehen und hören und nicht auf jeder party tanzen. manchmal möchte ich mich zerteilen und würde dennoch nur einen bruchteil erleben ;-).

      wer weiß, ob es jemals zu einem gemeinsamen auftritt kommt ;-).

      gutgruß!

  5. Ein tolles Teil hast Du da fotografiert. Da könnte man den ganzen Tag rumgehen und würde laufend etwas Neues entdecken. Liebe Grüße aus Rheinland-Pfalz – moni

    • hallo moni und herzlich willkommen,

      ja, die rakete ist ein versatzstück aus anspielungen auf die popkultur. wahrscheinlich würdest du eher altes wiederentdecken ;-). ich komme später mal zu einem gegenbesuch. muß jetzt doch erst mal anfangen zu arbeiten :roll:.

      liebe grüße von frau wortfeile

  6. Was glaubst du wohl, was das für eine Schwerstarbeit gewesen ist – manchmal immer noch – nach der Rückkehr von meinem letzten Aufenthalt in Florida im November die Geräusche des Spaceshuttle’s „Atlantis“ zu veranschaulichen, dessen Start mein Freund und ich live gesehen, gehört und erlebt hatten! 😉

    • ach, noch so eine? ich merk schon, hier hat treffen wir uns alle zu einem großen, illustren geräuschkonzert. ich würde mir das ja gerne mal vorführen lassen, wie du die geräusch der atlantis nachahmst. hihi, das wird seeehr lustig :-)!

      • Kommst du zum Bloggertreffen am 23. 10. nach Berlin? Dann mache ich speziell für dich eine Live-Vorführung des Shuttlestarts der „Atlantis“ vom 16. Nov. 2009. 😉

        • sehr wahrscheinlich werde ich nicht kommen. das ist relativ kurz nach der frankfurter buchmesse. erfahrungsgemäß habe ich dann meistens viel zu tun und/oder eine messegrippe. ich kann das also nur spontan nach lage der dinge entscheiden. aber ich behalte die ohrenperformance natürlich im hinterkopf ;-).

  7. Oh – welche Erwartungshaltung wird hier denn geschürt?!? Genial! Ein Geräusch-Konzert beim Blogger-Treffen in berlin! Sozusagen von und für alle TeilnehmerInnen 😆 Hurra! Oh, ich freu mich so darauf!

    • Meine Damen und Herren, hier können Sie life erleben, wie ein Gerücht entsteht. Einzelne geben sich das Versprechen oder die Zusage, sich in einer stillen Ecke gegenseitig was vorzugrunzen … usw. und schon wird es zum Geräusch-Konzert! *siebenmalgrins“ – So kann es gehen!

      • sag ich doch. so machen es die medien und die an der salatbar auch gerne – aufbauschen, wo es um interna geht ;.). ich bin doch vermutlich nicht mal dabei in berlin :roll:.

    • aha, hier kommen schon die ersten fehlinterpretationen 😀 ich werde dort wahrscheinlich gar nicht dabeisein. also, reib dir mal nicht zu früh die hände in vorfreude auf einen auftritt der unfreiwilligen komikerinnen ;-).

  8. haha, das hätte ich gerne mitbekommen 😆

    apropos stretch-jeans: früher GAB es gar kein strecth, da musste man nass in die röhre rein, auf den boden legen, luft anhalten und mit der beißzange den reißverschluss zu!

    liebe grüße, katerwolf

    • stimmt ja, die dinger hießen einfach nur röhrenjeans. tja, und wenn die beine eben nicht in röhrenform waren, gab es die feuchte variante. autsch!

      einen schönen abend!

  9. Wie eine Rakete zieht die Kunst ihre eigenen Bahnen und entwickelt ein eigenes Leben. Schön, die Rakete wieder zu sehen! Damals hat Mark in 2 Nächten diese Rakete gebaut und wir suchten in ganz Ulm ein Auto das groß genug wäre um sie nach Hamburg zu bringen. Dann 2 Tage beim Dockville Festival, wo sich die Gäste köstlich (und in höchster Lautstärke) amüsierten. Seit Leipzig hatten wir die Rakete nicht mehr gesehen… bis jetzt! Mark hat sich sehr gefreut sie wieder zu sehen. Sehr schönes Foto, sagt er. Wir hoffen Du hast Dich hineingesetzt und sie bespielt!

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