impressionen feldberger seenlandschaft (teil I): auf der flucht vor vampiren

aus einem viiiel kurzen, einwöchigen savannenurlaub in der feldberger seenlandschaft zurückzukehren, hat schon was düsteres. auf der hälfte der strecke fährt man durch berliner tunnel und weiß: vorbei die schöne zeit im arbeits-, ähm ferienlager, ähm, ach nein, ganz falsche ecke: uuurlaaaub. zu kurz die nächte, zu kurz die zeit, zu kurz das badevergnügen, zu kurz die allnachmittägliche siesta, zu kurz die zeit, um 2000 qm grundstück am bauernhaus wieder ansehnlich zu gestalten, zu weit weg mit der kleinen knipse von den majestätischen tieren. das herz eine endmoräne. draußen keine eiszeit. aber das hirn will nur eins: erfrischung. immer wieder. die sonne kracht aufs mobile glasblechgehäuse bei der fahrt in richtung süden. wohlgemerkt der von mitteldeutschland. innerhalb einer woche drei tropfen regen beim frühstück, die man galant ignoriert und nicht mal unter den sonnenschirm wechselt, die einfach auf der heißen haut trocknen.

da sieht man dann im auto schon mal aus wie eine mischung aus rennfahrerin, strandjunkie und yvonne jensen von der olsenbande. gesucht wird… blitzerfeindliche fahrerin. was der mitteleuropäer sich eben alles so einfallen läßt, um irgendwie mit der wärme und dem schweiß klarzukommen und dabei diese stimmung entwickelt: ist mir doch vollkommen egal, was die anderen denken, wie scheiße oder lustig das aussieht. hauptsache kühler und trockener, wenn auch nur minimal, aber… das ist jede mühe wert.

frau wortfeile lümmelt auf der couch rum und erholt sich von dem wechsel aus strapaziöser gartenarbeit (hab lange nicht mehr so vie unkraut gesehen und gezupft, natürlich alles in bücklingsposition oder kniend). und nun kühlt sie entweder ihr geschwollenes, rechtes knie oder aber die unzähligen mückenstiche, die sie sich am dienstag bei einem alleingang zugezogen hat. sie mußte dem gruppenzwang, ääähm der familienidylle kurzzeitig entfliehen, um nicht griesgrämig zu werden, denn manche menschen ändern sich einfach nicht mehr, sie werden nur älter. das internetkästchen verkündete bei kachelmann kühlere 26 grad  (die hübsch nach unten frisierten temperaturvoraussagen kann man hinter gittern auch schlecht korrigieren) und so stiefelte frau wortfeile gen wald. natüüürlich großstädtisch und nur halb vorbereitet und leicht orientierungslos trotz detailkarte. den ersten waldweg ignorierte sie, weil der so zugewachsen aussah. sie ging viel zu weit, ehe es ihr dämmerte, daß der erste weg, der richtige gewesen wäre und kehrte um.

und lief in den finsteren buchenwald mit den moorlöchern, wo die kraniche und fischadler nisten, die frau wortfeile aber dort nicht ausmachen konnte, weil sie so scheu sind, daß sie fernab von jedem weg und gut versteckt brüten. ein paar rehe flüchteten. eine schmeißfliege begleitete sie seit betreten des waldes. und bis zu ihrer rückkehr. roch frau wortfeile nun gut oder eher doch nicht? hmmm… die schmeißfliege fands offenbar lecker.

am boden sah sie unheimlich große, grüne, bemooste füße. na, der riese hatte sich aber laaange nicht mehr bewegt. uaaah, so alleine sieht man ja plötzlich komische sachen. und irgendwie bekommt man eine leise ahnung davon, was den grundstein für die märchenwelt gelegt haben könnte.

sobald die wortfeile stehenblieb, um ein foto zu schießen, kamen aber die kleinen blutsauger, ließen sich gaaanz gemächlich auf den unbedeckten hautstellen nieder und schlürften genüßlich meinen lebenssaft. irgendwie muß ich für die tiere ausgesehen haben, wie eine völlig degenerierte abart der walker, die mit ihren armen während des laufens um sich wedelt, statt stöckchen in den waldboden zu rammen und deren beine das tempo einer gejagten geherin beim rekordversuch vorgaben. endlich kam sie an der ruine der rothen kirche an.

frau wortfeile kletterte also unbedarft in den trümmern der kirchenruine herum, als sie durch diese große öffnung mit müden äuglein auf ein schild blickte, das ihr bewußt machte, in welcher leicht mißlichen lage sie sich befand.

das gestein über ihr und unter ihr könnte ohne jede vorwarnung ins rutschen geraten. oder geradewegs durch mein touristengetrampel ausgelöst werden. husch, stolperte ich zurück, nicht ohne durch brennesseln zu hüpfen, also weniger vor freude, sondern… ach, ihr wißt schon! nur um dann auch noch auf dem fluchtweg von hinterlistigen bestachelten brombeerzweigen in bodennähe zum stolpern gebracht zu werden *hmpf*.

hier sehen sie mein mitteleuropäisches, unpräpariertes bein nach einem besuch im wald inmitten des hochsommers. nach 27 stichen an einem bein vom fuß bis zum knie habe ich aufgehört zu zählen. warum werden beine eigentlich so schlecht braun, sondern kriegen stattdessen im sommenr rötlich-violette stichstellen, die ein bißchen an dalmatinerbeine erinnern?

im moment juckt mir so das fell, daß ich meine nägel wohl bald verbinden muß, um nicht bis aufs blut zu kratzen. das arme pferd, das ich in den letzten sieben tagen zunächst vorsichtig gefüttert und dann sogar einmal gestreichet habe, hat sich vor lauter fliegen- und bremsenpein sogar im sand gewälzt oder am baum gerieben. ein prächtiges pferd. egal, was es tut und wie es steht, liegt, galoppiert oder wie das alles in der reitersprache heißt. alldieweil es hier immer noch  dröge 30 grad sind und ich hundemüde bin, weil ich die heutige siesta mit kleider- und körperwäsche eingetauscht und  sofort vermißt habe, werde ich die blogrunden heute wohl nur kurz halten und auf morgen hoffen. lesen sie demnächst in dieser reihe: tiere auf der flucht oder pflanzen, deren namen ich noch nie wußte oder mir einfach nicht merken kann.

Advertisements

24 Antworten zu “impressionen feldberger seenlandschaft (teil I): auf der flucht vor vampiren

  1. Super Fotos! Schöne Beschreibung!
    Willkommen zurück!
    🙂

    Und juckt es noch immer? Möchtest du einen Geheimtipp?
    Eine brennende Zigarette auf die Stiche halten, also nicht richtig auf die Haut, sondern nur bis kurz davor, bis es kurz zwickt. Danach jucken die garantiert nicht mehr.

    Hab einen schönen Abend, schön, dass du wieder da bist.
    Liebe Grüße
    Heike.

    • ich habe deine geburt zwar knapp verpaßt, sende aber dennoch die besten wünsche für das leben von valentina. klar, abends und morgens juckts am meisten. und mir kribbelt es in den fingern. aber ich finde, die haut sieht jetzt schon aus wie nach einem branding, ganz ohne deinen heißen tip ;-). und heiß ist mir auch *maul*. ich bin grad neidisch auf deinen neuen miefquirl :roll:.

      du schlummerst wahrscheinlich schon. also dann gute träume!

  2. Huch! So ist das, falscher Account. Jetzt hat doch glatt die kleine Valentina hier gepostet.
    *g*
    Kannst du aber dennoch freischalten, wenn du magst, ich möchte das jetzt nicht alles nochmal Wort für Wort erneut wiedergeben.
    🙂

    Nur das hier:
    Willkommen zurück! Schön, dass du wieder da bist.
    LG
    Heike

    • liebe heike,

      uuups, da bin ich doch gleich mal illern gegangen, wer valentina ist. und schon passierts, daß die identitäten sich mischen ;-). aber das wird schon besser mit der zeit!

      ach, über einen doppelt netten empfang in der bloggerheimat freu ich mich auch zweimal :-).

      lg von frau w.

      • Ja, liebe Frau W., das muss ich echt erst noch lernen. Ist gar nicht so einfach.
        🙂

        Schön, dass du dich dennoch freust und ich wünsche einen Guten Morgen!
        (Also ich jetzt.) *g*

        • liebe heike und mutter der valentina,

          du wirst dich in die rollen schon schnell einfitzen, da bin ich mir vollkommen sicher! und wenn nicht, dann gibt es auch häufig anlaß für viel spaß. und das kann schon mal gar keinem mißfallen :grin:. außerdem bin ich mir sowieso nicht sicher, ob unsere virtuellen identitäten immer so 100 % wir selbst sind. wir beherrschen einerseits die kunst des weglassens ganz gut, andererseits aber auch die des hinzudichtens und dramatisierens.

          also frau w. wünscht auch einen schönen, kühleren tag :-).

  3. Mich erinnert dein Trip so ein klein wenig an Pan’s Labyrinth. Eine extrem Abenteuertour in der Wildnis! Wenn du dort jetzt auch noch ein Zelt aufgezogen hättest …

    Das Bild mit dem Baum in dem Tümpel sieht schon sehr verwegen aus!

    Schön, dass du wieder da bist!

    Liebe Grüße, fröhliches Wäschewaschen und ein herzliches Heimkommen!

    Emily

    • wenn ich dort ein zelt aufgebaut hätte, wäre ich nicht nur wahrscheinlich bis an die ohrenspitzen im morast versunken, sondern auch noch vom förster mit einer fetten geldbuße belegt worden. zelten im naturschutzgebiet, wo ich doch schon drei stunden freiwillig aufs rauchen verzichtet habe ;-). du kommst auf ideen *tststs*. es ist eine wunderschöne, sanfte landschaft. und die entengrütze gibt dem gewässer das gewisse etwas ;-). ich habe vergessen zu erwähnen, daß ständig kleine frösche neben mir über den weg floppten. das war hindernislauf und natur pur :grin:.

      ja, ick freu mir och wie bolle, wieder im eigenen bett zu schlafen. da kenne ich die flöhe alle persönlich. graf ferdinand kriecht gerade zu den milben im kopfkissen. der erst wieder :roll:!

      liebe grüße von frau wortfeile!

      • Drei Stunden? Hut ab! Das mit dem Zelt war natürlich ein Spässken. Ich liebe die Natur auch sehr, aber zelten? Neee, die Zeiten sind vorbei.

        Ich hoffe, du hast gut genächtigt!

        • ich stand leider auch unter zeitdruck, weil um sechs die abfahrt zum see geplant war. deswegen habe ich dann auch deutlich an tempo zulegen müssen. ich war vor zwei jahren zum letzten mal beim melt! das möchte ich auch nicht noch mal. zu laut, zu kurze nächte, zu viel schmutz und schlamm und überhaupt.

          auch heute war die nacht irgendwie zu kurz. aber vielleicht kann ich die tradition der siesta heute nochmal reanimieren! schönen samstaf, meine liebe!

  4. Du hast zumindest einen beträchtlichen Teil bei der Grundsteinlegung zur Märchenwelt beigetragen! – Gute Kühlung für alle zerstochenen Körperregionen.
    LG Clara

    • höh, ich hab doch gaaarnienie ein märchen erzählt :grin:. dass bein ist echt und meins und erst heute nachmittag fotografiert. ich würde kühlung insgesamt auch gerne nehmen. nur ein bißchen! büdde!

      schlaf schön, liebe clara!

      • Ach, warum versteht denn keiner meine Komplimente und Lobe – du hast es so schön erzählt wie im Märchen, so dass ich es gern gelesen habe. Hast du mich jetzt verstanden? – Es ging um die Stelle mit dem Riesen und seinen grünbemoosten Füßen. Jetzt sage mir bloß, dass das auch die reine Wahrhit und nichts als die Wahrheit ist!

        • ich hab dich schon gut verstanden, aber ein bißchen gefoppt und geblinzelt! klar ist der riese echt. und der teich mit der entengrütze – das ist seine zunge :mrgreen:. es ist dennoch merkwürdig, daß diese leichte unheimlichkeit, wenn man alleine im wald ist, dazu beiträgt, die wüstesten phantasien zu entwickeln und die komischsten sachen zu sehen, an denen man sonst wohl vorbeigetappt wäre.

  5. Und was du nicht alles für Strapazen auf dich genommen hast, um uns diese märchenhaften Eindrücke verschaffen zu können! Hast dich in Lebensgefahr begeben und dich von Blutsaugern halb ausleeren lassen. Bin stolz auf dich! 🙂
    Herzliche Grüße!

    • die strapazen hatte ich absolut gaaar nicht im blick, als ich mal eben einen entspannenden waldspaziergang zum kopf-frei-pusten plante. ich wollte ein bißchen meine ruhe? und was bekam ich? diesen fiesen, hohen mückenton *sssssssss als ich zurückkam, war ich völlig ausgepowert, aber für ein bad im see haben die kräfte dennoch gereicht. ich liebe solche tag, an denen man völlig unverhofft ding tut, die ganz anders ausgehen als angedacht.

      liebe grüße!

  6. Was kannst Du schön schreiben, aber nützt alles nix, die Mücken haben dich entstellt und sie kommen wieder, denn sie nehmen nur gutes Blut für ihre Brut und da in dem Märchenwald, da hilft Dir keiner, da mußte durch 😉

    Ich freu mich auch, daß Du wieder da bist und träumst jetzt gewiß etwas schönes und sag nochmals DANKE 😆

    • blöderweise kann meine mutter nicht mehr so gut laufen. im garten hatte ich nämlich relative ruhe vor den biestern, weil alle über sie hergefallen sind. im wald war ich aber so ziemlich das einzige menschliche opfer. also, ich weiß nicht, ob jemand hinter den bäumen stand und mich beobachtet hat. aber der hätte eigentlich laut loslachen müssen, wenn er mir beim mückenquirlen zugesehen hätte. ja, die beine sind im moment nicht vorzeigbar :-(. gut, daß es heute kühler ist. aber eine woche wird es wohl noch dauern. auf den ein oder anderen stich reagiert meine haut nämlich mit allergischen reaktionen, manchmal sogar mit zeitverzögerungen. heute sehen die erst mal richtig fotogen aus ;-).

      wußte ich doch, daß ich dir mit einer karte, mit der du nicht gerechnet hast, eine kleine freude machen kann ;-). mach ich doch mit großer freude!

  7. Schön, dass die Bloggerwelt dich zurück hat, wenn auch nicht ganz unbeschadet 😉
    Ich habe bei solcherart von Erkundungstouren meist meinen Mückenfänger mit dabei. Aus mir völlig unklaren Gründen knabber die Biester meinen Liebsten eher an und lassen mich meist in Ruhe.
    Ansonsten geh ich nur mückenspraypräpariert auf die gefährliche Piste.
    Wunderschöne Bilder hast Du uns mitgebracht, einen Duft von Wald und Tümpel mit einer Note Pferdeappel 🙂

    • guten morgen liebe tonari,

      es hätte mich auch ärger treffen können. manche kommen nie zurück. was sind so ein paar läppische stiche dagegen ;-)? ich hatte ja leider kein menschliches schutzschild dabei. leider hatte das insektenspray vom morgen doch schneller in seiner wirkung nachgelassen, als ich dachte… das passiert mir so schnell nicht noch mal.

      in dem wald hat es sogar nach pilzen gerochen. aber ich durfte ja keine mitnehmen. nur einer einzigen walderdbeere konnte ich einfach nicht widerstehen. sie wanderte auf nimmer wiedersehen in meinen magen. *yammi*. der tümpel hat gar nicht mal so gemüffelt. und auch die pferdekoppel lag in optimaler windrichtung. oder ich habe mich einfach schnell dran gewöhnt ;-).

  8. Die „Grüns“ sind genial, dein Bein sieht sehr AUA aus. Ich hoffe, es ist alles wieder gut???

    Schöner Bericht. Und gebissen bzw. gestochen wird man auch bei mir im Garten…

    • die mückenstiche sind längst weg, aber leider auch der erholungseffekt schon fast. was bleibt, sind die bilder und die schöne zeit dort.

      ja, du hattest da ja auch mal eine riesige beule am arm. ist das inzwische abgheilt?

      • Der Arm weist nur noch kleine Verletzungen von den aktuellen Gartenarbeiten auf. Eine Zecke hab ich mir gestern am Bauch eingehandelt 😦 , und einen neuen Kriebelmückenbiss am Unterschenkel hab ich auch. Aber so ist das halt, wenn die Viecher meinen, man würde schmecken 😉

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s