aufs dach gestiegen

bevor frau wortfeile gestern diesen überblick erhielt, hatte sie gegen einige ihrer phobien anzurudern. der nachmittag sollte uns wässrige erfrischung bescheren, weshalb wir zum costa cospuda reisten. der cospudener see war einstmals eine braunkohlengrube, deren flutung vor zehn jahren abgeschlossen wurde. er ist die großbadewanne leipzigs, wenn die hitze dich in der betonwüste einfach nur noch anbrüllt. dementsprechend mickrig zeigen sich die damals angepflanzte bäumchen als schattespender. wir konnten wählen zwischen praller sonne und praller sonne und entschieden uns für… pralle sonne. der sand war so heiß, daß ich nach glühendem erstkontakt schleunigst wieder in die flip flops zurückflutschte. glühende kohlen an einem ehem. braunkohleabbaugebiet – wen verwundert das? ab ins wasser, fußsohlen kühlen und den rest gleich mit. ähm, naja, lauwarmes bad, dafür dieses unendlich schöne gefühl der schwerelosigkeit und des gleitens im wasser. nichts schränkt mich ein, nur die begrenzte kondition. ein gefühl von freiheit und leichtigkeit, ein winden und drehen. eine tote frau an der wasseroberfläche, die nur mit ihren sanften armbewegungen sich oben hält und versonnen in den strahlend blauen himmel glotzt. unter mir die unergründliche tiefe. uaaahhh. schnell wieder in ufernähe zurückschwimmen.

am strand ereigneten sich wie immer mehrere bemerkenswerte schau- und hörspiele. im nahen umfeld meinte eine frau, ihre haut im sand schwabbeln zu sehen. sie meinte nur ihr schattenbild, dabei war es doch wohl augenscheinlich nicht nur der schatten. in ufernähe tuckerte eine knallgelbes motorboot entlang. der motor gemahnte an einen milchschäumer mit schwachen batterien. und aus irgendeinem elektrogerät an bord tönte alle paar meter der fußballschlachtruf „oleee oleoleoleee“, blechern. damit macht man sich inneralb weniger minunten zahlreiche fans. wir selbst sorgten mit einem panierten stück melone für aufsehen. es schmeckte doch recht sandig, zungenpeeling muß schon auch ab und an mal sein. nein, natürlich verfrachteten wir untröstlichen es in eine mülltüte.

nach viermaligen planschübungen trieb uns der leere magen zurück in die heiße stadt. während die jungs das essen zubereiteten, verzog sich frau wortfeile nach zubereitung des nachtischs auf das dach. nicht ohne zittern und zagen. eine äußerst wacklige leiter führte vom stickig-heißen dachboden zum dach. laaange beäugte frau wortfeile das kletterdingens, ehe sie mut faßte. höhenangst und fallangst galt es auszutricksen. oben angekommen, lehnte sie sich an den schornstein und kam langsam wieder zur besinnung. sie blickte auf das häusermeer und wurde mit einem sonnenuntergang in pastelltönen entschädigt. nur an den irgendwann notwendigen abstieg hatte sie nicht gedacht. mit zitternden knien und zwei helfenden händen erreicht sie endlich festen dachboden unter den füßen. viel huuuuuhhh, uuuuaaahhh und o-oh war zwischenzeitlich zu hören. nun ja, die schrecksekunden hielten nicht lange vor. beim essen waren sie längst gegessen.

rettung in sicht!

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30 Antworten zu “aufs dach gestiegen

  1. Eine wunderschöne Beschreibung, Frau W., lebendig und nachvollziehbar.

    Der Himmel sah klasse aus, eine schöne Aufnahme, um diese Zeit habe ich wohl längst geschlafen, jedenfalls kann ich mich nicht mehr an die Zeit erinnern, in der ich einen pastellfarbenen Himmel sah.
    Baden gehen wäre schön, allerdings ist es mir selbst dazu zu heiß.
    Und so sitze ich hier im Sturm meines Ventilators, und hoffe auf Abkühlung.

    Ich wünsche einen schönen Sommertag, herzliche Grüße!
    🙂

    • liebe heike,

      ich bin gegen neun auf dem dach gewesen. ist das schon deine bettzeit oder eher die ich-schreib-noch-schnell-einen-kommentar-zeit ;-)? es war gegen mitternacht noch so warm, das ich im dünnsten oberteil, das mein kleiderschrank hergibt, ohne frösteln nach hause laufen konnte. und das heißt bei mir heeiiiiiiß. ich muß gleich nochmal raus :roll:. kein ventilator, sondern heißluft.

      ich liebe auch die glutroten sonnenuntergänge und hoffe sehr, daß ich im urlaub den einen oder anderen auf dem flachland sehen und fotografieren kann. du hast doch bald urlaub. vielleicht klappt das dann bei dir auch mal, bevor die augen zufallen.

      ich wünsch dir viel erfrischendes!

  2. Was du für gefährliche Abenteuer auf dich nimmst, um uns diesen schönen Sonnenuntergang zeigen zu können! Vielen lieben Dank dafür! 😀
    Zungenpeeling würde ich nicht empfehlen, das tut schon arg weh und vermiest für die folgenden Tage jegliche kulinarischen Genüsse… 😉
    So lange nur der Schatten schwabbelt, geht’s ja noch. Bedenklich wird’s, wenn man aus dem Wasser will und die Leute von Greenpeace kommen, um einen in die Fluten zurück zu schieben. 😉
    Liebe Grüße!

    • nee, ich muß das ab und zu trainieren, meine angst zu überwinden, auch wenn ich dann komische laute von mir gebe. 5. etage ist dann aber doch schon ziemlich weit oben ;-).

      zungenpeeling stelle ich mir so unangenehm wie eine verbrannte zunge vor, weil man nicht pusten wollte, sondern die gier gegen vernunft siegte :grin:.

      :mrgreen:, damit hast du schon mal wieder für den ersten brüller des tages gesorgt *gröl*.

  3. Schön! Ich lese deine Berichte so gerne!

  4. Danke für die wagemutige Kletteraktion, die Bilder sind echt sehenswert 🙂 Gut, wenn es rettende Hände gibt, die ihren Aufgaben nachkommen.

    • :grin:. ich habe mir meine freunde so ausgewählt, daß ich mich im notfall auf sie verlassen kann. eigentlich wollte man mich nur zum essen rufen. die angst in meiner stimme war vermutlich nicht zu überhören, als ich fragte: „und wie komme ich wieder runter, wenn ich doch am liebsten die augen zumachen würde?“…

  5. Alles in allem hört sich das nach einem sehr gelungenen Tag an – so schön berichtet und die panierte melone… zum Weinen, wo ich doch so gerne Melone esse!

    • ja, ein tag, der bis zur letzten minute wunderschön war. ich muß jetzt rauuuuuhhhuuus, melone kaufen und eis. ich kann bei der hitze auch gar nicht an warmes essen denken. bei mir gibts nun salat in allen variationen.

  6. Hach, schöne Bilder, die einen Teilzeit-Melancholiker wie mich, immer beeindrucken 😉 Und der Kopf des rettenden Helden als Silhouttte. Gut gemacht, liebe Wortfeile!

    • tja, soweit kann selbst eine angstbehaftete wortfeile noch denken, daß sie ihre lieben freunde nur als silhouette zeigt. naja, er hat die nummer mit den liebesbriefen auch nicht nötig :mrgreen:. danke dir, lieber tom.

      • er hat die nummer mit den liebesbriefen auch nicht nötig

        Das ist der Vorteil, wenn man Heldenstatus genießt 😉 Bitte, Bitte sehr gerne geschehen 🙂

        • nee, das ist ein ganz lieber. der braucht nur mal mit seinen wimpern zu klimpern und die frauen schieben ihm zettel zu. für mich leider eine nummer zuuu jung und auch schon vergeben ;-).

  7. Früher gab es nur Kulkwitz oder den Kanal, inzwischen wird die Leipziger Umgebung ja zur Seenplatte. Im Grunde sehr schön, wenn es nicht zu überlaufen ist.
    Abends im Sommer aufs Dach zu klettern und dort ein par Stunden zu verbringen, erinnert an die arabischen Lebensgewohnheiten. Dort sind die Häuser entsprechend gebaut und man beobachtet die Sterne in halbwegs kühler Abendluft bei entspannten Gesprächen. Genissen wir es – der nächste Winter kommt bestimmt (hier im Rheinland gewittert es gerade massiv!)

    • ja, das stimmt. am kulki war ich noch nie, weil ich da durch die halbe stadt gondeln müßte. in den süden kann ich durch den kühlen auwald radeln. es gibt immer ein paar stellen am cospudener oder am markkleeberger see, wo man nicht wie in der fischbüchse liegt ;-). heute verkneife ich es mir wahrscheinlich.

      es ist ein tolles gefühl, wenn man einmal oben ist und nicht ans runterklettern denkt. erst geht die sonne unter, dann überall nach und nach die lichter an. von den sternen ist ja nicht viel zu sehen, wegen der lichtverschmutzung. da muß man schon weit entfernt von einer stadt sein, um den sternenhimmel noch richtig sehen zu können. aber abends ist es einfach herrlich… die gewitter kommen hier nur noch selten an, seit es die ganzen seen gibt, regnet es sich meistens dort ab. irgendwie ist jede jahreszeit auszuhalten. wir müssen uns nur anpassen… einen schönen sommertag, wenn das gewitter abgezogen ist.

  8. Mutige Frauen werden belohnt 😀 Super geschrieben und es hat sich alles gelohnt, ein wundervoller Anblick 😉

  9. Ein toller Tag, scheinbar.
    Du hast es so beschrieben, dass wir dabei sein konnten.
    Ich habe es genossen. Danke.

  10. zwei wunderschöne Fotos und ein text, in dem ich mir jede szene bildlich vorstellen konnte. Aber sag mal, deine yogaübungen sind nicht so weit gediehen, dass du übrer glühende kohlen laufen und auf einem nagelbrett schlafen kannst? irgendwer macht da was falsch!

    • vielen dank, liebe clara. ich bin kein yogi. ich hab das einmal probiert und fand es einschläfernd. das entspricht nicht meinem schnellen bewegungsdrang. nagelbrett? auaaaaaa!

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