menschmaschine

irgendwie sind alle in ferienstimmung. brütende hitze im büro, zwecks kühlender zugluft viele offene türen, die man nicht mal  mehr einrennen muß. selbst google hatte heute irgendwann keine lust mehr, sich anzustrengen. ich bombardierte je nach unterlassener information in den fernsehbeiträgen, die ich archivieren sollte, google mit suchanfragen. alleine an obiger fehlermeldung kann man ermessen, wie oft ich heute recherchieren durfte. die captcha-seite taucht nämlich nur dann auf, wenn eine extrem starke zunahme der zugriffe auf google.de eruiert wurde. irgendwann arbeitet selbst die datenkrake google am limit und kann nicht mehr zwischen individuum und automatisierten anfragen von robots unterscheiden. um das system vor dem crash zu bewahren, darf ich mein menschsein dann der suchmaschine mit der eingabe einer buchstabenkombinantion beweisen und genüßlich den button ich bin ein mensch drücken. es ist nämlich gar nicht gewünscht, viel zu suchen. google begrenzt also scheinbar seit neuestem die suchanfragen (und damit den wissenfluß, so viel zum thema informationszeitalter) pro ip und tag, um eine systemüberlastung zu verhindern. die suchmaschine mit dem slogan don’t be evil wittert hinter dem hart arbeitenden menschen eine maschine, denn das kennt sie wahrscheinlich nur aus wenigen büros. das schreit geradezu nach faulem zauber und nicht nach arbeitseifer. langsam werde ich den eindruck nicht los, daß es zwischen mensch und maschine nicht mehr nur unentschieden steht, denn maschinen und software führen unabhängig vom menschen einen unsichtbaren informationskrieg. und dann entschuldigen die sich auch noch für eventuelle entstandene unannehmlichkeiten. solch wertvolle informationen fressen einfach nur zeit. arbeitserleichterung sieht anders aus.

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8 Antworten zu “menschmaschine

  1. In unserer Gesellschaft habe ich schon längst das Gefühl, dass zwischen Mensch und Maschine in der Arbeitswelt kaum unterschieden wird. Wir rechnen doch längst in Zahlen aus was es kostet einen Menschen oder eine Maschine zu „unterhalten“. Alles geht, die Welt ist ein Dorf. Menschen haben zu funktionieren, ähnlich wie Maschinen. Wie lange arbeitet man schon an voll automatischen Kassensystemen? Vielleicht bringt es eine Maschine, die eine Maske trägt 😉 Anders im Alltag der Konsumwelt und des (Halb)Wissens. Haben wir eines Tages nur noch zu akzeptieren was man dem Menschen vorgibt? „Dein Wissendurst ist nun befriedigt. Mehr können wir nicht zulassen.“

    Gut, dass es Menschen gibt, die kritisch fragen und eigenständig denken 😉

    Gute Nachruhe meine Liebe!

    • ist das nicht sogar manchmal im privatleben so? paßt ein teil nicht, geht gar nix? also die maschinen und „das internet“ haben die mentalität vieler menschen doch irgendwie rigoros verändert… wenn man also beispielsweise die automatisierung und technisierung und den roboterkult in japan beobachtet, dann läuft mir manchmal ein eisiger schauer über die haut. der mensch wird entmenschlicht und von maschinen unterhalten, was wir auch gerade praktizieren, wenn wir so kommunizieren. und dennoch suchen wir nach dem ausgleich, nach heilung in der natur, harmonie.

      der mensch wird zwischen den mühlrädern der maschinenwelt zerrieben, beispielhaft in fritz langs „metropolis“ vorgeführt.

      das wissen ist unendlich, der gedanke an eine begrenzung erscheint mir irgendwie fremd. und doch gibt es versuche in dieser richtung, regulierung, drosselung, verdummung. und sollte es einmal so sein, daß der gedankeninhalt vollkommen gleichgeschaltet werden kann, dann möchte ich nicht mehr leben. horror der einöde.

      hach, emily, ich könnte manchmal aus der haut fahren und nicht wieder zurück ;-).

      schlaf schön und tief und gut mit angenehmen träumen!

      • Wenn ich nach Japan schaue, wird mir auch ganz schlecht.

        „und dennoch suchen wir nach dem ausgleich, nach heilung ind er natur, harmonie.“ Alles andere ist wider der menschlichen Natur. Nach und nach bekommt der Mensch die Quittung für seine Effizienz. Der Schrei wird lauter nach Entspannung auf Knopfdruck, wie 90 Minuten im Spa – zurück wie Neu!

        Ich sehe kaum noch fern. Wirklich nur noch sehr selektiv. Wenn ich sehe was dort Tag für Tag über die Flimmerkiste läuft wird mir auch übel. Nicht darüber nachzudenken, wie viele diese vermeintliche Realität anschmachten.

        Bleib noch ein bisschen in deiner Haut. Die Welt braucht Menschen die kritisch denken und fragen!

        Einen schönen Tag wünsche ich dir,

        liebe Grüße, Emily

        • ehrlich gesagt, es ist mein körper, der dem druck nicht dauerhaft gewachsen ist. ich habe mich drei jahre lang selbst ausgebeutet, tw. 70 h stunden pro woche geknufft, weil ich die schulden eines gewissen herrn zahlen mußte. und als ich damit fertig war, klappte ich regelrecht zusammen. jetzt habe ich alles stark zurückgefahren. und schnell wird mir manches zuviel und ich muß dann umorganisieren. meine leistungsgrenze hat sich deutlichnach unten verschoben. das liegt an den hohen anforderungen, bei gleichzeitig schlechter bezahlung und schlechter zuarbeit. mit 90 minuten päuschen ist da bei mir nichts mehr zu wollen. sport steigert zwar meine kondition, erhöht aber dennoch nicht die konzentrationsfähigkeit in den 24-h-bereich, so wie es der ein oder ander depp erwartet. ich sehe das alles nicht mehr ein. die sozialpolitik und arbeitgeberpflichten sind zum kotzen und werden vermutlich noch stärker zu unseren ungunsten ausfallen. was will der mensch mehr, als für die arbeit zu sterben?

          leben… einfach nur leben.

          einen fernseher hab ich nicht mehr. ich gucke ab und an mal was aus der arte-mediathek. das reicht mir.

          leider bin ich keine schlange und so muß ich wohl oder übel noch eine weile die alte haut tragen.

          ich wünsche dir eine schöne reise mit wundervollen erlebnissen,

          gehab dich wohl!

          • 70 Stunden habe ich nicht geschafft, aber ein Hamsterrad ebenfalls auf dem Rücken gehabt. Mein Körper hat sich vor 4 Jahren dafür bedankt. Das heißt, da habe ich es erst realisieren wollen. Lange Geschichte. Aber ich kenne es gut, dass man heute seine Grenzen schnell erreicht. Dann bin ich nicht mehr ganz so „effizient“ 😉 Und der Hamster ist immer noch in mir und wird es auch immer bleiben. Ich muss auf den kleinen Kerl halt aufpassen. Wer so etwas nicht selbst erlebt hat, kann das oft nicht nachvollziehen.

            Ich danke dir für die lieben Reisewünsche und hoffe, du hast bis dahin eine angenehme – schmerzarme – Zeit.

            Liebe Grüße dir,
            Deine Emily

            • liebe emily,

              och, das sind aber keine schönen gemeinsamkeiten. nein-sagen gehört nicht unbedingt zu meinen spezialitäten. aber ich muß es doch immer öfter tun. und es macht mir auch nichts mehr aus, wenn mich manche leute dann für ein faultier halten. warum vermehren sich hamster eigentlich so rasant, dafür meine belastbarkeit nicht?

              ich kann es mit tabletten schaffen, einen acht-h-tag auszuhalten. aber jetzt bin ich platt.

              bis bald, meine liebe

  2. Austauschmentalität macht sich aller Orten breit – bei den Maschinen, in der Arbeitswelt, natürlich auch im Zwischenmenschlichen. Passt ein Partner nicht, entspricht er nicht meinen Erwartungen, gibt es nach dem großen Liebesrausch die erste Ernüchterung, die ersten Problemchen, die ersten Macken, Ecken und Kanten, dann wird ausgetauscht. Hätte man in früheren Zeiten derart verfahren, wären höchstwahrscheinlich viele von uns gar nicht auf dieser irgendwie doch schönen Welt…
    … Nachdem mein Schlepptop heute morgen mich wieder einmal dazu aufgefordert hatte, eine weder ihm noch mir bekannte Software zu installieren, und ich dies wie üblich ignorierte, hatte er mir übrigens – ich nehme an aus Rache! – den Druckertreiber de-installiert. Fies, nicht wahr?
    Liebe Grüße!

    • dein begriff der austauschmentalität trifft den ist-zustand präzise. es ist aber gut, daß es doch einige ausnahmen gibt. ohne internet könnten wir jetzt nicht bloggen, uns nicht austauschen. nein, wir hätten vermutlich nie voneienander erfahren. und das ist dann wieder der positive nebeneffekt, den die technik auch mit sich bringt. und manches hat konstanz, wächst, gedeiht, blüht. ich muß nur immer aufpassen, das ich zwischendurch die gezielte entschleunigung nicht verpasse und meine träume auslebe oder ausmale, hoffnungen, nicht zu große, aber doch hoffnungen habe.

      merkwürdig, wie ein eigentlich kurioser text auf einem button, doch so viel nachdenklichkeit und bewußtwerdung auslöst.

      dein schlepptop braucht wahrscheinlich das, was meiner auch braucht. alles plattmachen und komplett neuinstallieren. wenn die computerpflege nicht auch noch so viel arbeit mit sich bringen würde… du solltest deinem kleinen biest die leviten lesen 0 und 1 wird es doch noch verstehen 😀

      ich wünsche dir eine gute nacht und sende liebe grüße zurück!

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