blinder alarm

frau wortfeile mag es nach dem aufstehen gemütlich. sie braucht wenigstens zwei stunden, um den kreislauf mit käffchen und kippchen zu puschen, die augen mehr als einen spalt breit zu öffnen, liest derweil blogs, kommentiert hie und da, wird langsam wacher, frühstückt und springt schließlich unter den reinigenden strahl, damit der äußerliche glanz und die akzeptierte duftnote wieder hergestellt werden. am liebsten wacht sie ohne störgeräusche und vor dem wecker auf. heute war alles anders. gestern abend ein bißchen zu lange (NUR bis 2 uhr) mit photoshop rumgespielt, dann findet sie noch den weg zum bett, wo ihr durch den kopf schießt: mist, du hast doch morgen „früh“ (10.50 uhr) einen massagetermin. sie mogelt sich die schlafspanne zurecht, indem sie den wecker auf 9.30 uhr stellt und schnippt mit dem klingeln völlig desorientiert aus den federn.

verkürztes morgenprogramm ohne frühstrück (*grummel, rumor, knurr*), husch unter die dusche, schnell ein handtuch geschnappt, um dann mit einem blick und suchenden griffen in die verwahrloste handtasche festzustellen: scheiße, wo ist mein portemonnaie??? noch vier minuten bis zur massage. frau wortfeile rast durch alle zimmer, nix! rast nochmals durch die bude, wieder nix. sie nimmt den schlüssel, verläßt die wohnung total gestreßt, hektikt zur praxis und bittet darum, heute ausnahmsweise anschreiben zu dürfen. sie ist der festen überzeugung, ihre zwiebelhülle beim chinesischen obsthändler liegen gelassen zu haben. die physiotherapeutin bietet an, den termin zu verschieben, weil sooo kann sich ja kein mensch entspannen. nein, kann auch eine wortfeile nicht!!! ein wortfeile liegt auf der pritsche und geht im geiste alle anrufe und wege durch, die sie in den nächsten stunden von ihrem eigentlichen pensum an der wortwerkbank abhalten werden. sie hofft im stillen auf einen ehrlichen finder. als die physiotherapeutin fertig ist, ist wortfeile es auch (nervlich). mit auf den weg bekommt sie den guten rat, doch noch mal in aller ruhe zu hause zu schauen.

RUHE?! wortfeile kramt in der küche, wirft einen blick in den kühlschrank und in den mülleimer, weil dort hat sie auch schon den ein oder anderen löffel wiedergefunden, der anstelle der unverdaulichen essensreste dort gaaanz versehentlich gelandet war. nichts! frau wortfeile kramt im leicht verkrampften oberstübchen. totaaale konzentration auf das ritual der heimkehr nach einem arbeitstag. sie tippelt in den flur, wo als taschenhaken ein altes hirschgeweih hängt. dort baumelt nur die braune ledertasche. sie schaut genauer hin. auf der braunen ledertasche liegt das gleichfarbige portemonnaie, das wohl am vorabend nicht in der roten handtasche gelandet war, sondern daneben rutschte, aber nicht auf den boden fiel, weil etwas taschiges die schwerkraft behindert hatte. kann ich bitte mal einen neuen kopf haben, der nicht so gedankenverloren ist :roll:? schnurstracks beglich die wortfeilmüde ihre schulden und probiert es schon den restlichen tag über mit gemütlichkeit. so ganz will es ihr noch nicht wieder gelingen. dabei würde es sie doch vor unbedachtheit schützen…

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31 Antworten zu “blinder alarm

  1. Sehr schön unterhaltsam geschrieben, liebe Frau W.
    🙂
    Kann ich sehr gut nachvollziehen.
    Ich wünsche einen ruhigen, angenehmen Abend.
    Liebe Grüße
    Heike.

    • liebe heike,

      freut mich sehr, wenn es die mundwinkel etwas nach oben zieht. der tag ist vollkommen chaotisch verlaufen. jetzt pegelt es sich langsam ein ;-).

      das wünsche ich dir aber auch!

  2. Ach wie ärgerlich, wenn man sich so den Tag halbwegs versaut. Jedenfalls bis zu dem Moment, wenn das Teil wieder auftaucht. Ende gut, alles gut.

    Mist, ich muss (will) noch für Donnas Schreibprojekt eine Geschichte schreiben. Samstag ist deadline. Kennst du dieses Projekt auch?? Du würdest da auch gut reinpassen.

  3. Ach wie schön, ich entdecke immer mehr Gemeinsamkeiten :-). „Dat Lebensumbau“ suchte vor kurzem einen Suppenteller *ähem*. Nun sollte man meinen, dass dieser leichter zu finden ist, da er ja größer ist als eine Geldbörse. Nö, Fehlanzeige. Der Teller wurde nach 6 Tagen gefunden, in der Küche stehend mit Obst gefüllt (wie ich vergessen konnte ihn dahin gestellt zu haben ist mir ein Rätsel). Dieser Form der „Jugend-Demenz“ erliege ich in letzter Zeit häufiger. :-).

    • das hätte mir auch passieren können. so mittig vor der nase platziert ist es allerdings die krönung der schussligkeit ;-). und dabei sollen frauen angeblich so multitaskingfähig sein. mir geht das ja völlig auf den keks, wenn ich alles gleichzeitig machen soll. kann ich auch gar nicht oder nur schlecht. ich bin manchmal einfach viel zu sehr in gedanken schon ganz woanders. einfach verpeilt :grin:. hinterher lacht man sich krumm.

  4. Jaja, sowas kommt in den besten Familien vor! Is ja gut, wenn sich alles wieder auflöst…

  5. Schön, dass man für die eigenen „Schrullen“ immer Mitkämpfer findet. Dieses oben beschriebene Szenario spielt sich bei mir ca. 1 x in der Woche ab. Vielleicht liegts auch am Alter?

    • ein mal pro woche? na, du machst mir ja wieder mut :lol:. ich würde nur noch blut und wasser schwitzen. wie stehst du das durch? ich habe an die anschaffung einer geldbörse in neonfarben gedacht :grin:.

      • Das könnte helfen!

        • du meinst: nicht hübsch, aber praktisch :grin:? reicht es nicht schon, daß ich keine absatzschuhe trage, weil ich sonst an jeder zweiten ecke stürzen würde :-)?

          • Naja, so lange Du nicht Dein Schlüsselmäppchen, Deinen Terminkalender, Dein Handytäschchen usw. usf. auch in Neonfarben kaufst und dann nicht mehr durchblickst, was was ist… 😉

            • ich bin nicht so die alles einem farblich harmonierenden se-käuferin. da würde ich vermutlich ganz kirre. gut, daß du mich an meinen kabelsalat für computer, handy und co erinnerst :grin:.

              hab ich jetzt eckige augen. mußte bis eben noch korrektur lesen :roll:.

      • Ja, dann findet sie der Dieb besser in deiner Tasche. Falls du Lut und Zeit hast, kannst du ja mal meine „Diebesstory“ lesen.
        http://chh150845.wordpress.com/2010/01/22/die-liebe-der-diebe/
        Ich bin wirklich über Gebühr schusselig, habe schon den Wohnungsschlüssel über Nacht außen an der Tür gelassen und viele andere Sachen. Und manches bleibt einfach verschwunden – unerklärlich.
        Schönen Abend oder besser vielleicht gute Nacht für dich vo Clara

        • habe ich gerade gemacht und freilich meinen senf dazu geschmiert ;-).

          ich habe schon mehrere irrfahrten hinter mir, weil ich mir eine falsche hausnummer gemerkt hatte. hier im blog vemutlich abgelegt unter der rubrik „gedächtnis“. du bist nicht allein schüsslig (sic)!

          ich kriech jetzt mal in die heia.

          gute nahaaacht!

  6. Wer suchet , der findet … auch wenn es mal länger dauert. Kenne ich mich mit dieser Problematik bestens aus.

    Ich hoffe, dein heutiger Tagesbeginn war – wie üblich – entspannter ?!

    Liebe Grüße,
    Emily

    • manchmal erlebt er zwar eine schreckstunde, aber das überlebt man hoffenlich auch :grin:.

      ich bin auf jeden fall noch nicht lange im wachland. es bis jetzt läuft alles ganz ruhig;-).

      ich wünsche dir ein schönes wochenende!

      • Ach, sicher überlebt man das! Ich hoffe, dein Tag ist nett entspannt 🙂

        Dir auch einen schönen Start ins Wochenende!

        • leider ist es hier gerade gaaanz dunkel, gewitterfront (nur am himmel). aber ich muß ja sowieso noch korrekturlesen, von daher paßt es.

          ich habe mir nichts vorgenommen (außer bloggen) und will alle anderen vertrösten. ich brauche mal zwei tage für mich. das wird schööön!

          • Oh ja! Das hört sich nach einem guten Plan an! Ich habe heute einen „freien“ Abend, dann steht Programm an: Kindergeburtstag! Uff…

            • ist nicht wirklich ein plan, sondern geplante planlosigkeit :grin:. also für einen kindergeburtstag wäre ich im moment nicht zu gewinnen. die bauchschmerzen zerreiben mir die nervenstricke. wärmflasche, film und bett…

  7. portemonnaie im mülleimer? das ist auch nicht verkehrt. als ich es samt einkauf fein säuberlich im kühlschrank verstaute, habe ich arg an mir gezweifelt. da hilft auch nicht, dass es rot ist.

  8. hah, das rot als versagende signalfarbe enttäuscht mich jetzt aber. dabei hatten wir doch schon die neonfarben ins auge gefaßt ;-). also liegt es definitiv nicht an der farbe, sondern doch nur an kurzzeitigen fehlverknüpfungen mit verheerenden folgen :roll:.

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