wut im bauch

gestern war ich endlich zum beratungsgespräch bei der endometriose-vereinigung, die – wie verwunderlich – bundesweit über die krankheit aufklärt, und ganz zufällig ihren sitz in leipzig hat. einige erinnern sich vielleicht an meinen bericht über meinen krankenhausaufenthalt und über die schmerzen, die ich weiterhin habe. die krankheit ist chronisch, selten kommt es zu spontanheilungen und manchmal verschwindet die krankheit auch nicht nach den wechseljahren oder nach einer totaloperation. im moment habe ich mir sozusagen eine hormontherapie mit dem einzigen endometriose-medikament, das derzeit auf dem markt ist, selbst verordnet, da meine frauenärztin so überhaupt keine ahnung von der behandlung und von dem krankheitsbild hat.  ich mußte ihr eine therapie vorschlagen! ich mußte um schmerzmedikamente bitten, dabei konnte ich vor bauchschmerzen kaum laufen! ihre ahnungslosigkeit wird dadurch untermauert, daß sie eventuell nach der schilderung meiner symptome auch mal früher auf die idee hätte kommen können, ein ultraschallgerät zur untersuchung zu verwenden. vermutlich wurde ich jahrelang völlig falsch wegen pms behandelt, das ich nie hatte. völlig entsetzt hat mich aber ihre aussage ich weiß gar nicht, was ich mit ihnen machen soll.

zu der inkompetenz gesellt sich in meinen augen eine form von habgier. und nicht nur bei ihr, sondern auch in dem krankenhaus, in dem ich stümperhaft operiert wurde. denn, wie sich gestern herausstellte, gibt es in leipzig immerhin sechs ärzte, die sich auf diese völlig verkannte krankheit spezialisiert haben. viele ärzte und krankenhäuser arbeiten nicht zusammen oder nur zu ihren eigenen gunsten. man muß das gesundheitswesen einfach als kapitalistische, profitorientierte strukturen und mit starkem konkurrenzgebaren betrachten. oder warum hat mich die frauenärztin nicht an einen ihrer kompetenten kollegen überwiesen? oder warum hat der frauenarzt im krankenhaus mir nicht die entscheidenden fragen zur feinddiagnostik gestellt? warum hat mir das krankenhaus den rat gegeben, mich künstlich in die wechseljahre versetzen zu lassen, wenn es doch im umkreis von 100 km einen spezialisten gibt, der die endometrioseherde operativ entfernen kann und dann medikamentöse behandlung verordnet? warum? weil sie angst hatten, ein bett weniger zu belegen! weil sie angst hatten, einen patienten weniger abrechnen zu können. und nun verlieren sie mich als patienten genau durch diese verantwortungslosigkeit.

seit jahren tigere ich wegen diverser krankheiten, die sich nun gestern als korrelierend herauskristallisierten, von pontius zu pilatus. die schulmediziner betrachteten mich teilchenweise, vermuteten aber keinerlei zusammenhang. und dann sprichst du mit einer betroffenen, die seit acht jahren frauen berät, die tausende schilderungen, tausende solcher odysseen gehört hat, und dir fallen die schuppen von den augen. das gefühl der ohnmacht weicht, dafür breitet sich das gefühl unbändiger wut in meinem bauch aus, die sich wie ein heißes eisen zu dem bauchschmerz gesellt, der sich gerade wieder hochschaukelt, täglich zunimmt und irgendwann wieder schwächer wird. ein auf und ab, ein kommen und gehen. ein ende ist noch nicht in sicht. aber ich bin auf dem weg. ich kämpfe um meine rechte. ich kämpfe um gute medizinische versorgung. ich will von einem arzt behandelt werden, der sein fach beherrscht. und ich will einen von diesen deutschlandweit lächerlichen 300 reha-plätzen ergattern (bei 40.000 neuerkrankungen pro jahr!!!). ich will mich nicht mehr wie ein wurm vor schmerzen winden müssen. ich will nicht mehr wie ein fisch im sand nach luft japsen. ich will meine schwäche zeigen können, ohne von aasgeiern zerhackt zu werden. ich will nicht schweigen, wo seit jahrtausenden tabuisiert wird, wo von generation zu generation der irrglaube vermittelt wird, regelschmerzen wären normal. nein, das sind sie nicht. und kommt mir jetzt bloß nicht damit, daß ihr eure tampons in einem extra unauffälligen tampontäschchen bei euch tragt. seit jahrhunderten wird das normale als abnormal stigmatisiert. iiihhh, wie eklig! nein, vollkommen natürlich! aber nein, die ach so  nach gleichberechtigung schreienden frauen unterwerfen sich dem diktat der hochnotpeinlichkeit. wir sind alle sooo aufgeklärt seit den 68ern, daß wir vor verklemmung den mund nicht aufkriegen. das schweigen aber, unser speziell weibliches schweigen bewegt weder ärzte dazu, sich fortzubilden, noch die pharmaindustrie medikamente zu entwickeln, noch die krankenkassen, kosten für wirksame alternative schmerztherapien zu übernehmen. hab dich nicht so?

nur ein guter seemann sticht auch ins rote meer.

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18 Antworten zu “wut im bauch

  1. Ach Mensch, ich habe nicht alles gelesen, aber was ich gelesen habe, ist von „lustig“ Lichtjahre entfernt. – Ich kenne eine Frau mit Endometriose, die sieht aus wie schwanger, aber Schmerzen hat sie kaum. – Besser und sicherer ist es, man absolviert selbst ein Medizinstudium, bevor man sich behandeln lässt – da kann man wenigstens gut kontern.
    Ich drück dir die Daumen, das was Anständiges gemacht wird, damit es dir besser geht.
    LG Clara

    • liebe clara,

      das doofe ist, daß man in den ganzen internetforen erst recht bekloppt wird, weil eben jede andere tips hat und jede andere symptome. mein bauch ist noch flach. und ich hoffe, er wird es bleiben. gegen ein bißchen hüftgold hätte ich gar nix einzuwenden. es ist frustrierend, wie sich ärzte hier aufführen. sie schneiden, ohne ahnung zu haben, an dir rum. irgendjemand hat mich zum freiwild erklärt, weil ich in narkose bin. und nur, wenn du dir selbst einen weg durch diese medizinerwüste zu den koryphäen bahnst, hast du eine chance auf besserung. und ehe du da einen termin kriegst, bist du vielleicht schon kurz vorm durchdrehen. ein kampf gegen dumme dickköpfe und bürohengste beginnt. und dabei kann ich jetzt schon keine ärzte mehr sehn :roll:.

      ich überlege ernsthaft, meine ehem. freundin marie*hu*anna als schmerzmittel zu konsultieren ;-).

      • Wenn es wirklich hilft, das Zeug, dann nur zu – nur ist das nicht noch teurer als die Pharmaindustrie?

        • kann ich nicht genau sagen. deswegen möchte ich gern die reha machen. da kann man alles ausprobieren und das finden, was im moment am wirksamsten ist. und das hormonpräparat, das ich gerade nehme, ist auch teuer. es existieren keine langzeitstudien (nur 15 monate) zu nebenwirkungen.

      • Ich kann nicht beurteilen, ob das eine gute Lösung wäre, aber ich wünsche Dir sehr, dass Dir schnell und effektiv geholfen wird!

        Wünsch Dir alles Gute bzw. nur das Beste!

        • ich weiß es auch alles noch nicht. es gibt viele möglichkeiten, die nicht bei jedem funktionieren oder nur für ein paar monate/jahre besserung bringen. deswegen muß ich unbedingt zu einem arzt, der mehr erfahrung mit der erkrankung hat.

          danke für deine besserungswünsche, kann ich gut gebrauchen. der schmerz wird sich aber noch ein paar tage steigern und erst dann wieder nachlassen. in der zwischenzeit versuche ich das dumpf zu ertragen.

  2. Das Bild ist übrigens cool!

  3. Liebe Wortfeile,

    ich bekomme ebenfalls Wut wenn ich all das hier lese. Abgesehen davon, tut es mir sehr leid, dass du derartig leiden musst. Damit meine ich die Schmerzen und die Willkür. Zu diesem Gesundheitssystem muss ich nicht mehr viel sagen. Zu dem Umgang mit Menschen auch nicht. Da macht jeder seine eigenen grauenvollen Erfahrungen. Leider zu Hauf. Was zählt ist wie immer und überall der Mammon.

    Tipps hast du sicher schon ausreichend erhalten und selbst recherchiert. Dennoch eine Idee: Chinesische Medizin. Könnte das eine Alternative sein? Ich überlege oft, ob eine medizinische Ausrichtung die um so vieles älter ist als die unsrige, nicht eine vernünftige Lösung sein kann.

    Liebe Grüße dir!!

    • liebe emily,

      im vergleich zu den ddr-zeiten hat sich das wenigstens im krankenhaus deutlich gebessert. als kind lag ich in einem zimmer mit vergitterten fenstern und es gab jeden tag spinat mit hackfleisch. medizinische versorgung ist in großen krankenhäusern massenabfertigung. und gestern nacht ist mir eingefallen, daß meine erste zyste schon vor über zehn jahren in berlin diagnostiziert wurde. auskunft: es ist normal, daß das schlanken frauen wehtut… :roll:.

      tcm wurde mir auch empfohlen. es gibt da vieles. ich habe es schon in einem anderen kommentar heute früh beantwortet. ich würde die reha gerne machen, um für mich das passende zu finden (muskeletspannung, hypnose oder akupunktur). am liebsten ohne schmerzmittel. mir erscheint es wichtiger, damit zu leben und damit umgehen zu können, als mich mit tabletten vollzupumpen, die nur wieder irgendwelche anderen nebenwirkungen haben.

  4. Eine Freundin von mir leidet auch darunter, nimmt ebenfalls Hormone und kommt jetzt gut damit klar.
    Was ich gar nicht verstehe ist die Unwissenheit der Ärztin, da doch diese Krankheit weit verbreitet ist und hier bei uns gibt es schon kompetente Ärzte.
    Eine Zyste hatte ich auch, die schmerzte wirklich sehr, da ich auch sehr schlank war, aber durch eine OP, die unumgänglich war, wurde mir alles entfernt. (Hysterektomie)
    Such Dir lieber einen anderen Arzt, denn ich glaube, daß Dir geholfen werden kann.

    Gute Besserung wünsche ich Dir !

    • ich habe mir dummerweise eine ärztin ausgesucht, bei der man nicht drei monate auf den termin und dann noch mal drei stunden bis zur untersuchung wartet. jetzt weiß ich auch, warum das so ist. die tabletten nehme ich schon über 20 tage, noch tut sich nichts, außer daß sie den schmerz um zwei tage hinausgezögert haben. aber der schub ist noch nicht vorrüber. es dauert auch eine weile, bis sich die hormone eingepegelt habe. damit deckele ich aber auch nur sie symptome. ich wäre froh, wenn ich nicht wieder 14 tage lang bauchschmerzen undundund habe.

      den guten arzt suche ich mir. hole heute meinen befund ab, der geht an die beratungsstelle und dann wird die arztwahl auf mein individuelles krankheitsbild abgestimmt. ich hoffe weiter :-).

      danke für deine besserungswünsche. es wird sich ein weg finden.

  5. Das wollte ich übrigens auch vorschlagen, dass Du Dir einen anderen Arzt suchst. Bei uns ist das auch weit verbreitet!

    • soweit ich sehe, hat das etwa jede zehnte frau. nur die ärzte scheinen das noch nicht kapiert zu haben, daß es sich um eine häufige krankheit handelt. ich bin auf der suche ;-).

  6. Oh je.
    😦

    Ich wünsche dir alles Gute! Hoffentlich wird das mit dieser blöden Krankheit bald besser!
    !!

    • ich gebe den tabletten noch ein bißchen zeit. so ein hormonhaushalt will ja auch erst mal jahrelange arztschulden begleichen ;-). wenigstens habe ich eine gute allgemeinärztin, die mich bei meinem reha-gesuch unterstützen will *uff*

  7. Ich kann deinen Artikel nur unterschreiben. Ich habe auch massive Endometriose. Ich musste alles selbst in Erfahrung bringen. Bin mittlerweile spezialisierter als alle FA im Umkreis von mind. 50 km.

    Liebe Grüße
    Daniela

    http://ibizasunset.wordpress.com/

    • das ist sehr schade, daß du mir zustimmen mußt. ich wünschte, die ärzte wären da weiter. ich komm ein anderes mal bei dir vorbei. ich brauche erst mal eine auszeit.

      liebe grüße von frau wortfeile

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