ey, kirsche!

wenn sich vor mir wieder der arbeitsberg aufhäuft, lasse ich es mir ganz besonders gerne gut gehen, damit die frustschwelle sich deutlich nach oben hebt. nun, der kühlschrank hatte nix mehr zu bieten, also stapfte wortfeile los in richtung eines ladens mit waren des täglichen bedarfs. kaum hatte sie das trott/el/oir des außerhäusigen lebens erreicht, wurde von zwei glatzköpfigen, sonnenbebrillten muckibudenhyperkonsumenten marke türsteher versucht, sie von hinten mit dem früchtchenlockruf ey, kirsche! zum umdrehen zu bewegen. da stelle ich mich gerne taubstumm. nur weil sommer ist, müßt ihr nicht durchdrehen. herr/je, bei jedem 7. eisprung klappts möglicherweise, aber nur bei anderen frauentypen.

unterwegs musterte ich das erste mal seit beginn der wm die morgendlich unbelebten kneipen eingehend. ein schildermeer mit deutschlanddevotionalien plärrte mich lautlos von allen seiten an. riesige flatscreens sind allüberall deponiert worden. dazu hinweistafeln auf denen die kreideschrift kreischt: hier gehts zur riesenleinwand! das ist nicht mein ziel. der optiker gegenüber fragt dann die vorbeigehenden zuschauer per ladenschild guggsdugud?, um davor noch eine modepuppe mit deutschlandfahne aufzustellen, bei der ich die große flatter kriege und mich frage, ob ich noch richtig sehe? mann, haben die einen schatten (im bild links).

dieses mal erwischte ich einen supermarkt, in dem die verkäufer keine deutschlandhütchen trugen. dafür roch ich recht schnell eine üble fahne, bebte mit den nasenflügeln, um zu orten und ach, mist: genau vor mir an der kasse. falsche schlange erwischt. ich sah einer frau auf den dauergewellt-überstrapazierten hinterkopf und hörte sie etwas zu dem verkäufer sagen: hallo! das klang wie eine mischung aus joe cocker und hazel o’connor in ihren späteren jahren nach dem comeback. dann guckte ich mir das krächzende reibeisen beim bezahlvorgang von vorne an. rot geäderte augen, das linke auge in einem veilchen mit schorf eingebettet. und würde sie darauf angespochen, hätte sie garantiert geantwortet, sie wäre NUR unglücklich gefallen. sie wirkte auf mich wie die inkarnation der beiden texte über alkoholismus und häusliche gewalt, die ich gerade gepostet hatte. das typische zittern der hände, und auch die unbewußte dreifache wiederholung des wortes danke nach dem abkassieren… alles zeichen der sauferei. auf dem band vor mir stand eine flasche meisterpils. der verkäufer fragte  sie mit blick auf ihren stoffbeutel und, na viele hammwer denn heute?. ja, sie kam öfter. und sie kaufte viel und regelmäßig hopfengesöff. und sie bezahlte nicht mit bargeld, sondern mit dem pfandflaschencoupon.

jetzt habe ich aber das glück, hier noch wunderschönes frühlingswetter zu haben und arbeiten zu müssdürfen. an solchen tagen wie heute, bin ich froh, mir meine zeit frei einteilen und die arbeit auch mit auf den balkon nehmen zu können. großer kniefall vor den schlepptop- und wlanerfindern. wie man auf dem oberen bild sehen kann, habe ich es mir mit diversen lasterleckerlis gemütlich gemacht, den drei großen k: käffchen, kippchen und kirschen. was für ein textkreislauf… 🙄

28 Antworten zu “ey, kirsche!

  1. Hallo, Kirschenfotos ohne direkt mögliche Zugreiffunktion müssten im Blog verboten sein. Zum Gl´ück hatte ich selbst gerad welche da!
    Schönes WE vür VEB wünscht Clara

    • verbotsschilder im blog? frau von der leyen? sie hier? unter dem pseudoynm clara himmelhoch? :mrgreen:

      ich konnte denen heute nicht widerstehen und sie sind köööstlich! habe ich ja glück, daß ich jetzt keine drohmail bekommen habe mit bka-würmchen als anhang ;-).

      das wünsche ich ebenfalls, liebe clara!

      • Ich sehe gerade, ich muss doch langsamer schreiben, die Tippfehler sind ja himmelschreiend bei Frau Himmelhoch.
        Du hättest mir ja noch schlimmere Frauen unterjubeln können – unsere Nationenmama geht ja noch.-

        Die Drohmails und die Würmer sind dann Stufe 7, wenn du das sechste Kirschenbild in Folge eingestellt hast. Für Kirschen könnte ich zur Sünderin werden.
        In meinem nächsten Kommentar soll es natürlich „unironisch“ heißen – ich kann ja mein eigenes Geschriebene nicht mehr verstehen.

        Ich habe keine Geschichte wie Du und Hilde, aber eine ähnlich bissige Sichtweise, weil ich manchmal über so viel himmelschreiende Dummheit aus der Haut fahren könnte.

        • liebe frau himmelhoch,

          über tippfehler bei kommentaren sehe ich großzügig hinweg. ich verdiene zwar einen teilbetrag meines lebensunterhalts mit korrekturen, möchte mich aber nicht als perfekt bezeichnen. passiert mir gerade im kommentarbereich auch andauernd.

          gut, es hätte dich schlimmer treffen können, aber der vergleich hinkt schon ;-). ich hätte im moment leider nur noch eine schale mit kirschkernen zu bieten. yammi, so schnell hat man ein paar kirschen verputzt. wären die nicht so preisintensiv, hätte ich mehr genommen. so kaufe ich mir morgen neue :mrgreen:. und dann kommt bild zwei ;-).

          ja, ich würde das bissige nicht alleine mit der geschichte erklären (daher rührt der galgenhumor), aber das hat den denkstil doch noch deutlicher zum vorschein treten lassen. das satirische war zwar vorher auch da, aber jetzt tendiere ich gelegentlich zum zynismus, weia. da freut sich nicht jeder drüber. gerade die, die so gerne austeilen und nichts einstecken können, kriegen das mit genuß zu spüren.

          deswegen lese ich doch so gern bei dir rum. habe gestern alle deine geschichten auf der seite „familie + ddr“ studiert und mich königlich amüsiert.

          ich muß jetzt wieder zurück an meine freiluftwerkbank, so lange die ballbellos noch nix zu tröten haben. laut hörspiel liegt deutschland ja nicht gerade vorne… ;-).

          • Danke für Lesen und Amüsement – kostet echt auch keine Vergnügungslesesteuer!

            • ich hatte letztes jahr so einen erinnerungsschub, als hier am 9. november das lichtfest zum 20 jahrestag gefeiert wurde. und du machst mit deinen texten manches präsent, was schon in den hintersten windungen verloren schien.

          • Weißt du, manchmal denke ich, wir müssen und wir passen uns freiwillig viel zu sehr an, weil natürlich vieles in der DDR nicht traumhaft war. Aber ist es denn jetzt traumhaftß Mitnichten! – Ich war bestimmt nicht supersystemfreundlich, was ja lesbar ist, doch wäre ich jünger, ich könnte jetzt eben so auf die Barrikaden gehen.
            Ich möchte nicht schmerzhaft erinnern, aber ich wollte und will einfach meine eigenen Erinnerungen aufschreiben.
            Jetzt kann ich noch – von Kopf und Hand her.

            • der anpassungsgrad ist individuell recht unterschiedlich ausgeprägt. herr krenz, der mit den kurzen beenen, taucht auch ganz gerne mal bei fragwürdigen veranstaltungen auf, wo die ehem. grenzer irgendwelche ddr-jubiläen feiern. dabei wird mir ja regelmäßig übel oder margot lilahaars auftritte – bähx. politische eisenbeißer, würde ich dazu sagen.

              aber so bist du nicht. und ich war noch jung, hätte den ganzen ddr-alltag als erwachsener noch vor mir gehabt. und so mußte ich 1990 das letzte ddr-abi absolvieren, das man sich tatsächlich, um an einer westdeutschen uni studieren zu können, umrechnen lassen muß. obwohl da eben nicht mal mehr stabinoten drauf waren…

              ich sehe es bei meiner mom, wie diese generation, obwohl die frau nie einer partei angehört hat, denoch die totale arschkarte gezogen hat. sie wurde als lehrerin nicht mehr verbeamtet, weil zu alt und lebt von einer minirente.

              ich gehe schon noch ab und zu auf die barrikaden. aber ich bin auch müde geworden und nachdem „unsere friedliche revolution“ sich für viele als so nachteilig erwiesen hat und weil ich merke, daß der egoismus inflationär um sich greift…

              ich bin jetzt erst mal unterwegs, ein bißchen kiezkunst knipsen. wir lesen uns bestimmt später!

  2. Bloß gut, dass du so vollkommen „unironsich“ schreibst und bei dem Wort „Satire“ sicher nicht weißt, ob da ein „e“ reingehört oder eher ein „y“ – köstlich zu lesen, aber schon ein wenig bissig über den Menschen als die Krone der Schöpfung berichtet!

    • ich nenne das gerne „g/l/osse“, weil ich es liebe, mit den unterschiedlichen sprachebenen zu spielen. wahrscheinlich hat mich beim schreiben ein dämon geritten – so viel zu „e“ und „y“ ;-). nun ja, wie hilde letzens sinngemäß meinte: bei uns liegt die manchmal bissige sichtweise auf die menschen an der eigenen geschichte.

  3. Könnte alles jetzt auch gebrauchen, Kirschen zuerst büdde. Auch ich danke dem großen Netzvater, dass das Ackern nun nahezu überall möglich ist. Jetzt kann ich auch länger und mehr arbeiten als vorher 😉
    Wozu sich Geschichten ausdenken, wenn das Leben uns doch so viele präsentiert? An jedem Tag auf’s Neue.

    • für die kirschen kommste nicht mal knapp zu spät. ich griff nach nicht mal einer stunde ins leere. von dem rest hätte ich noch einen gewissen vorrat zu hause ;-). ich bin eigentlich ganz froh, das angenehme mit dem unangenehmen verbinden zu können. schließlich handelte es sich nicht um überstunden oder gar urlaub, sondern um „heimarbeit“.

      ja, die geschichten fallen einen manchmal geradezu an. man muß eigentlich nur augen und ohren offen halten. hach! das prickelnde leben…

  4. Kirschen – lecker – schnapp – klau – 😀

    Warum gibt es noch kein Greifzuundschnappdir – Internet :mrgreen:

    Einen schönen Abend für Dich ♥

    • die sind allealleaaaaalle! nüscht mehr zum klauen da :grin:. das gibt es noch nicht, damit wir uns wenigstens vor dem futtern noch bewegen ;-).

      das wünsche ich dir auch, liebe marianne

  5. lecker, lecker, lecker!
    🙂

    Und schön fotografiert.
    Viele Grüße aus Chemnitz und ein schönes Wochenende!
    Heike.

    • leider hatte ich gestern noch vor lauter obstgier eine halbe wassermelone gekauft. und da die nicht schlecht werden kann, mußte ich heute auf kirschnachschub verzichten. montag wieder ;-).

      grüße aus leipzig von der wortfeile

  6. „mann, haben die einen schatten (im bild links).“ Danke für diesen und die vielen anderen Lacher! So gut! Auf Kirschen muss ich leider verzichten – bin allergisch…

    Viele Grüße von Ruthie

    • guten morgen ruthie und willkommen im blog,

      diesen kleinen nachschub, habe ich erst kurz vor dem veröffentlichen hinzugefügt, keine ahnung, woher die kleine idee kam. freut mich, wenn du beim lesen gelacht hast. so ist zwar nicht in jedem text, manche sind auch ernster oder gehen nicht so leicht aus dem kopf in die tasten. aber das kennst du bestimmt auch.

      ich war gestern abend mal bei dir illern (dein fotoprojekt war bei marianne verlinkt). ich abonniere mal einen feed und schaue mir dein blog in ruhe an, wenn die arbeit nicht ihren tribut fordert.

      einen schönen tag wünscht die wortfeile

      • Vielen Dank für die freundlichen Worte! Ich mag Wortkünstler wie Dich, aber selber liegt es mir nicht so – leider. Macht nix, wir können ja nicht alle gleich sein 😀

        Dir auch einen schönen Tag!

        • wortkünstler? nee, ich nicht. mir macht das nur spaß und ich will nur spielen. und das ist meine spielwiese. und wenn ihr mitspielt, freue ich mich :-). ja, aber deinen fotoblog finde ich seeehr schön. ich liebe blumen, kenne nur nicht jede beim namen. und du scheinst meinen lücken zu füllen. das ergänzt sich prima :-).

          einen schönen abend!

          • Ist doch wieder klasse, wenn man sich hier findet und ergänzt, oder? Danke Dir!

            • ja, ich bin gerade mächtig entzückt von der mich umgebenden netzgemeinde. hab gestern doch viel positiven rückhalt erlebt, nicht nur bei mir. das ist wirklich das allerschönste, von anderen menschen immer noch ein bißchen dazu lernen zu können.

          • Ich würde das „Gefüge“, in dem ich mich gerade – mit Ausnahmen 😉 – bewege, als besonders wertvoll bezeichnen. Ich fühle mich wohl, so wohl, dass ich sehen muss, dass ich am echten Leben noch genügend teilnehme 😀

            • ja, ich kenne das :-). aber ich muß auch regelmäßig raus. die wohnung ist zwar nicht winzig, aber weil ich oft und lange krank war, wird es mir manchmal „stickig“ in der bude. die gedanken kann ich dann draußen auffrischen. und wenn ich nur wieder im park war.

              du bist also nicht nur nacht-, sondern auch noch computereule ;-).

          • Hin und wieder, ja. Aber wenn hier jemand klopft oder klingelt, um mich zu besuchen oder mich zu einem Rundgang mitzunehmen, lass ich alles liegen und stehen. Und Haushalt und Garten hab ich auch noch (wobei Beides manchmal ein bisschen besser in Schuss sein könnte 😉 )

            • das liest sich doch nach einem guten lust-und-laune-prinzip. ich mag so ganz perfekte gärten, wohnungen und häuser auch nicht. so lange ein gewisse grundordnung besteht oder der garten eben ein wildgarten ist, stört mich das nicht. und wenn es mal wieder zeitlich geht, kommt dann oft der totalputzfimmel, den ich abends auch nicht bereue :-).

              mir klappen heute schon früh die augen zu. ich verabschiede mich für heute und wünsche eine katzenstörfreie nacht!

          • Du hast doch lange durchgehalten? Ich geh auch bald – morgen und am Mittwoch arbeite ich…

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