k/lecker/n und k/leben

gestern abend war es mal wieder soweit. frau wortfeile in aktion. will nur noch gaaanz schnell den hollerblütensirup ein bißchen mit zitronensaft ansäuern, durchsieben, abkochen und abfüllen. ich habe mir umgehend nach beginn der hausfraulichen aktivitäten vier hände (paarweise) gewünscht. und was geschieht stattdessen? na?! richtig! zwei linke hände treiben mich an den rand des wahnsinns. zunächst begann alles harmlos mit der zitronenpresse. gut, die arbeit hätte ich mir mit dem kauf von zitronensäure erleichtern können… aber nein, es mußten frisch gepreßte, unbehandelte zitrusglibberlinge sein. als nächste zeithürde entpuppte sich der internettip mit dem abseihen durch kaffeefilter. während der sirup tröpfchenweise durch den filter tropfte, hätte ich alles mögliche erledigen können. hätte! denn immer wieder erforderte das kleine gefäß meinen kontrollblick, um ein überlaufen zu verhindern. ich stieg von der müßigen methode auf muttis trick mit dem geschirrtuch um. schon viiiiel besser! allerdings hatte ich NICHT damit gerechnet, daß man den halbvollen 10-liter-topf NICHT einfach so umstülpen kann und dann NICHT alles dahin plätschert, wo es aufgefangen wird. neiiin! es ergossen sich mehrfach rinnsale daneben, hinterließen klebrige lachen auf dem boden,  es floß über die arbeitsplatte am schrank runter, verdunkelte teile meiner klamotten.

ich wischte und wischte und wischte wieder. schließlich ist der zuckeranteil bei sirup sehr hoch. die verlustmenge durch tattrigkeit hätte ausgereicht,  damit bei einem punkkonzert die irokesen aller anwesenden zu steifen strahlenkränzen aufzurichten. irgendwann kam ich kaum noch hinterher mit dem lappen. die socken begannen an den bodenfliesen zu kleben. ausziehen. dann hatte ich plötzlich an den bloßen füßen das gefühl, in noch nicht gehärteten straßenbelag eingetaucht zu sein oder verglich mich partiell mit einer fliege, die vergeblich in einem harztropfen zappelt und die man jahrtausende später als bernstein mit inklusen am strand aufsammelt. gegen das abseihen war das abfüllen in flaschen ja regelrecht ein klacks. und da funkionierte meine intuitive abfüllmenge wieder, obwohl ich beim eingießen nicht viel von den flaschen sah. sag jetzt noch einer, bei mir könnte man nicht vom boden essen… paaah! das stimmt ja schon mal gar nicht. na gut, bis zum nächsten küchenkleckermassaker à la wortfeile. ein zuckersüßer abend…

aber der sirup schmeckt seeehr lecker und wird bestimmt nicht alt.

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16 Antworten zu “k/lecker/n und k/leben

  1. *lach*, sensationell. Da sind meine „Herd-Manöver“ bei denen ständig alles überkocht ja ein Spaziergang dagegen. Du Arme, so hast Du Dir Deinen Feierabend bestimmt nicht vorgestellt. Aber wenigstens hast doch noch soweit alles retten können. Ich Feigling verschiebe das Holunderblütensirup machen immer von Jahr zu Jahr. Aber nächstes Jahr bin fällig, da gibt es keine Ausreden mehr ;-). LG :-).

    • ich hätte mich gerne selbst gesehen dabei. kam mir vor wie ein jongleur mit zwei eingegipsten armen ;-). für mich war das eine premiere. nächstes jahr wird alles anders :grin:. ääähm, naja, ich muß mir wohl noch einen küchenplan machen. noch könntest du mir in die welt der zuckersüßen versuchung folgen. also hier blüht der holunder noch ganz prächtig. wenn ich mehr flaschen mit schraubverschluß hättem würde ich ja glatt nochmal… oder ach nee, ich vergeß lieber all die guten vorsätze in dem einen jahr :mrgreen:.

  2. Kam da überhaupt noch etwas in die Flaschen? 😉
    Richtig gemacht, ist das wirklich was leckeres – machst Du auch ein paar Tropfen Zitronensaft dran?

    • ja, verdammt viel. der muß sich im topf vermehrt haben ;-). habe 3,5 l einfüllen können… der rest, du weißt schon ;-). ich habe an den sirup nicht zu viel rohrzucker gemixt und gleich mal 20 zitronen und 3 limetten. der ist genau richtig, wenn man süße limos nicht mag…

  3. So etwas habe ich noch nie selbst gemacht, nur Marmelade und das klebt auch schrecklich, wenn man nicht gleich die gefüllten Gläser mit Wasser abwischt 😉

    Danke für den Tipp, der war außerordenlich hilfreich und ich habe wirklich noch nichts besseres gefunden.
    Könnte sein, daß er es wird 😆

    Ich habe momentan so viel um die Ohren, daß ich nicht alle Blogbesuche schaffe, bekomme Deinen per Mail, da kann ich schon mal vorab lesen, also bitte ich um Nachsicht, werde bald wieder auf dem Laufenden sein.

    GLG Marianne ♥ 😀

    • marmelade werde ich wohl im urlaub auf dem land auch anrühren und vorher johannisbeeren ernten… das wird wieder ein spaß ;-).

      welchen rechner meinst du jetzt? ich fand alle drei ganz passabel. ich tendiere aber immer mehr zum testen im laden. weil die tastaturen manchmal recht schwer gängig sind. und man will ja nicht fingerhacken, sondern geschmeidig tippen.

      ach, das ist doch wirklich eine kür. du solltest kommen, wenn du lust und zeit hast, nicht wenn dich das den letzten nerv kostet…

      schöne nacht, und reiß dir kein bein raus, gell?

  4. Heute muss ich aber mal lachen. Du Arme! Stelle mir gerade vor, wie du mit deinen Socken an den Fliesen festklebst oder mit klebrigen Händen durch die Haare streichst *grins* Neee, wie fies. Aber es gibt nichts über das gute Selbstgemachte oder? Wenn mich Freunde besuchen und sie bringen mir ein (oder zwei) Gläschen ihrer selbstgemachten Mamelade mit freue mich mich mehr, als wenn jemand Blumen mitbringt.

    Wünsche dir einen schönen Tag und viel Spaß mit deiner glänzenden Küche 🙂

    • früher, als ich noch depeche mode toll fand und die kurzen haare in die luft standen, hätte mir das ja nix ausgemacht :lol:. das waren vor allem solche flauschsocken, bei denen man mit jeder einzelnen masche kleben bleibt und sich dementsprechend vorsichtig wieder vom boden lösen muß. so etwas wie puschen und kittelschürze kommen mir ja nicht in die wohnung :-). in dem ganzen selbstgemachten kram steckt so viel zeit und arbeit drin, aber auch irgendwie spaß. und vor allem weiß man auch, was drin ist und muß sich nicht mit den inhaltsangaben plagen oder findet gar scherben oder fliegenbeine im glas ;-).

      der glanz läßt schon wieder nach. hohe feinstaubbelastung und immer wieder auftauchende pappelflusen…

      dir auch einen schönen tag

  5. VEB versteinert in einem großen Siruptropfen. Man sieht sie drin hocken und verzweifelt an die Innenwände klopfen. So ist sie dort in dem Tropfen erstarrt und wird hunderte Jahre später gefunden.
    Und alle fragen sich: Was haben die da für merkwürdige Spiele gespielt, im Jahr 2010??

    Küchenklebemassaker — ein tolles Wort.
    Was bin ich froh, dass ich weder auf Sirup, noch Marmelade, noch Gelee stehe.

    • das spiel hieß: ich bin kein star, holt ihr mich bittebittebitte trotzdem wieder raus ;-)? es gibt zwar bernsteine mit lufteinschlüssen, aber wie ich mich kenne, hätte ich mir DEN freiraum nicht gelassen. also nüscht mit klopfen…

      küchenklebemassaker ist natürlich in feindlicher anlehnung an die schlagzeilen gewisser schundblätter kreiert worden.

      ich mochte sirup früher auch nicht, bis ich mal bei meiner schwester nippte und dann am liebsten um ’ne ganze flasche hollerblütensirup gebettelt hätte, was ich aus anstand unterließ. so mußte ich eben selbst im süßen zuckersaft waten :roll:.

  6. Ach du Schreck! Du machst mich fertig heute 😀

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