initiatriefend

wir alle wissen, wie dünn das arbeitsplatzangebot ist. jene, die keine haben, rupfen sich manchmal noch die letzte feder aus, um wieder in lohn und brot zu kommen. die arbeitenden ersticken oft darin. gerade in kleinen firmen ist das pensum oft hoch und wird manchmal durch überflüssige anfragen zur qual. da trudeln partyangebote ein, eine metzgerei bietet dem büro per fax als meterlange papierwurst ihre fleischwaren feil und ist auch nicht zu erreichen, um das endlich mal zu stoppen, marktforschungsinstitute würden gerne etwas zum umsatz erfahren undundund.

mein ein-drittel-persönchen-büro leidet vor allem unter einer vielzahl von hilfsgesuchen, die mit der verlagsbranche so gaaar nichts zu tun haben. stipendien für diverse studiengänge möchten die weniger beflissenen abiturienten beantragen, obwohl es dafür eigene einrichtungen gibt.  weniger beflissen deshalb, weil man mit nur einigen klicks auf der homepage durchaus herausfinden könnte, wen oder was wir eigentlich fördern. aber versuchen kann man es ja trotzdem. stiftung = geldquelle, wen interessierts da schon, daß es zweckgebunden verwendet wird? es ist schon schauderlich, wie wenig einsatz manche menschen darauf verwenden, das jeweils zutreffende zu finden. nicht mal beim ankreuzen eines fragebogens klappts.

ähnlich eigenartig verhält es sich mit den angeblichen initiativbewerbungen. die triefen größtenteils nur so vor mangelndem, geistigem tiefgang oder lassen eine auseinandersetzung mit dem unternehmen gar vollständig vermissen. das personalangebot reicht von der sekretärin, die keine zwei sätze fehlerfrei schreiben kann, über messevertreter, die aus der wirtschaftsbranche kommen und unser waaahnsinnig großes budget verschleudern zu gedenken, bis hin zum korrektor mit mangelhafter zeichensetzung, der sich doch als so wissend und weitsichtig rühmt. ach, habe ich doch beinahe übersehen: er schränkte sein können zu einer art bereitschaft ein. allen gemein ist, daß sie es geschafft haben, immerhin die mailadresse korrekt einzugeben. am liebsten lese ich dann die anrede sehr geehrte damen und herren. huch?! ich bin also viele? und für ein geschlecht kann sich der postulant auch nicht entscheiden? ich fühle mich dann immer irgendwie so multipliziert,  wodurch unser verhältnis von beginn an leicht gestört wird. dann weiß ich genau, daß sie nur die adresse kopiert haben. von zeile eins bis zeile fünf zu lesen, haben sie irgendwie nicht mehr auf die reihe bekommen. dort hätten sie dann nämlich nuuur meinen namen gefunden. weniger bereitwillig verschicke ich elendiger querulant dann absagen. ich kann dabei leider nicht so im blindflug flattern wie die mehrheit der kandidaten.

hier kann man sich passend zu meiner unwissentlichen vervielfältigung noch das wundervolle chanson zehn frauen (text: erich kästner) von georgette dee & terry truck anhören.

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8 Antworten zu “initiatriefend

  1. Dann bist du aber so was von hochanständig, wenn du auf solche Bewerbungen, die ich schlichtweg für einen schlechten Witz halte, auch noch Absagen schreibst.
    „Wer lesen kann, ist echt im Vorteil“ – und das sollten solche Leute schon können.
    Schönen Abend wünscht Clara

    • nee, also auf die letzte des herrn korrektors habe ich nicht geantwortet. denn der sollte verstehendes lesen wirklich beherrschen. aber mit denen davor hatte ich irgendwie noch mitleid :roll:.

      es kostet alle zeit und nerven, wenn blindbewerbungen geschrieben werden. beide seiten, empfänger und absender, erwarten ja auch nichts :grin:.

      liebe grüße,
      wortfeile

  2. Als ich vom Arbeitsamt zu diesen dusseligen Bewerbungstrainings verdonnert wurde, bekamen wir auch den Auftrag, Blindbewerbungen zu schreiben – ich fand das schon immer rausgeschmissene Zeit und -nes Geld.
    „Bewerbungen schreiben “ hätte ich echt zum Hobby machen können – und dabei lagen die Ablehnungen sicher nicht in fehlender Ahnung, sondern in zu vielen Jahren auf dem Buckel. – Vorbei!!
    Gute Nacht sagt Clara

    • ach, meine heißgeliebte behörde und ihre vorschriften :roll:. blindbewerbungen will wirklich niemand. aber unter initiative verstehe ich dann doch deutlich mehr. ein bekannter von mir ist noch keine 40 und hat sich notgedrungen nach fast einem jahr selbständig gemacht. so wird die statistik geschönt und vielleicht wieder jemand in die insolvenz getrieben, weil das konzept nicht aufgeht, wenn die förderung ausläuft.

      als ein paar autohersteller in sachsen plötzlich nach älteren arbeitnehmern gesucht haben, um deren sachkenntnis und lebenserfahrung profitabel einzusetzen (denn das funktioniert), wollte das zunächst keiner glauben. erst nach medialem „trommelfeuer“ gingen die bewerbungen endlich ein. wenn ich aber das allgemeine arbeitgebergebaren näher beäuge, will ich gar nicht über 40 werden. das ist heute schon beinahe unmöglich, in dem alter was neues zu finden. wie viele jahre hast du dich vor der rente mit den behörden rumplagen müssen?

      und jetzt wünsche ich auch erst mal angenehme träume.

      • Ich bin 1999 das erste Mal arbeitslos geworden nch 10jähriger „Westtätigkeit“. Dann hatte ich noch 3 kurze Stellen, die alle nur die Förderung vom Arbeitsamt abfassen wollten und seit 2004 bin ich richtig arbeitslos und das mit der IV. – Dann habe ich aber sofort mit Kinderbetreuung angefangen, so dass mich – Gott sei Dank – die Decke nicht erschlagen hat.

        • dabei solltest du wirklich in einem kreativen beruf arbeiten. deine texte lesen sich richtig gut. aber das schreiben oder berichten oder lektorieren ist auch eine ellenbogenbranche. und ich selbst möchte mich auch keiner chefmeinung unterordnen müssen, was den inhalt angeht.

          aber ich finde es bewundernswert, daß du dich nach einer nische umgesehen hast, mit der du die wohnungsdecke vor dem abstürzen bewahrst.

  3. mitmirkeinstereo

    Erneut diesen Blog mit Gewinn gelesen, diesmal mit Gewinn an Erkenntnis. Ich weiß gar nicht wie lange ich die Dee schon höre und umsomehr mag, das könnten durchaus an die 10-15 Jahre sein. Selbstredend kenne ich ähnlich lange die Zehn Frauen, musste sie gar in weit unangenehmeren Interpretationen ertragen. Aber dass uns das der olle Kästnr schrieb, das wusste ich nicht. Oder hab ich’s schlicht vergessen, so kurz vor der 40…

    • ich höre die dee (lautsprachlich auch schön doppelt gemoppelt) bestimmt auch schon seit 92 oder 93. jedenfalls sehr früh auf einer autofahrt von weimar nach berlin kennen- und liebengelernt. wie sagte klaus wagenbach im zeitinterview letztens so schön (sinngemäß): wenn ich noch 100 jahre leben würde, würde ich immer neue, unbekannte seiten an den frauen entdecken. kästner wußte das offenbar auch genauso gut ;-).

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