blinder aktionismus

lebensbauleiter müßte man sein. dann könnte man ständig unangenehme aufgaben an untergebene delegieren. manche freunde verhalten sich ähnlich. sie halten sich einen großen bekanntenkreis zum verschleißen kostenloser arbeitskräfte. sie rufen aus heiterem himmel an, nur um ganz dringend hilfe bei diesem oder jenem alleine unmöglich ausführbaren projekt zu ordern. noch ein bißchen kokettieren mit der femininen unbeholfenheit und wenige minuten später stehst du bereitwillig auf der matte. wenn du dann etwa denkst, daß sich das am telefon geschilderte problem gar nicht so zeitintensiv anhörte, weil eine art plan existiere, wirst du innerhalb von sekundenbruchteilen vom gegenteil überzeugt. zunächst bedarf das mit zwei linken händen und einigen nicht kompatiblen gehirnwindungen geborene etwas nämlich erstmal einer ausführlichen beratung. währenddessen fällt dir einige male diese im krankenhaus und bei paaren äußerst verbreitete verwendung der wir-form auf, die am ende meistens auf ein du hinausläuft. das ahnungslose menschenkind hat aber auch immer noch eine nicht praktikable alternative parat.

dann muß irgendwann eine entscheidung her. der kaffee ist in der zwischenzeit kalt und dein mund fusslig. du nimmst einen schluck, und im nächsten moment bricht erneut der ideenkoller los. könnten wir das nicht so…? wie wäre es, wenn wir das dort…? statt des heißen kaffeewassers gerätst du nun innerlich zum brodeln. ruhe bewahren und ausprobieren. zwei leute halten die bilderrahmen und das unentschlossene dingens dirigiert: links noch ein stückchen höher. ach, nein! doch lieber dahin. tiefer. noch ein stückchen. weiter rechts… nach 50 minuten ist dann endlich der richtige platz gefunden. perfekte symmetrie!, tönt es auf dem hinterkopf und dein nacken bedankt sich mit leichter entspannung, nur um sekunden später zu spüren, wie sich alle härchen einzeln aufstellen, als nämlich die passiven, aber von leid erfüllten worte fallen: jetzt müssen wir nur noch überlegen, welches motiv wir in die rahmen machen. entsetzt wendest du den blick von dem mit einem stift markierten punkt für das bohrloch ab, blickst dich im zimmer um und siehst auf dem tisch einen stapel bildmaterial, der dich an deine nie enden wollende aktenplage für die steuererklärung erinnert. arrrg. manchmal möchte ich wirklich köpfe mit nägeln machen und nicht umgekehrt.

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