das unveröffentlichte

alfa romeo spider mit dem kennzeichen "li-tour1"

auf der leipziger buchmesse schlappten so einige menschen an mit vorbei: schülergruppen, buchhändler, bibliothekare, leseratten, journalisten, prominente aller klassen, bekannte autoren. eine besondere rolle übernehmen die noch un- bzw. verkannten autoren, die ritter und prinzessinnen von der traurigen gestalt, wozu ich wohl letzten endes auch irgendwie gehöre (aber dazu später). sie schleichen mehr oder weniger auffällig um die messestände herum, um einen ruhigen moment abzupassen, in dem sie dich ins gespräch verwickeln können und packen, ohne daß du überhaupt erklären kannst, daß du nicht selbst im verlag arbeitest, ihre manuskripte auf den tisch oder bitten um druckkostenzuschüsse, die du dir ebenfalls nicht aus den rippchen schnippeln kannst.  sie besitzen eine bewundernswert hohe schwelle der duldung von absagen, nur manchmal zeigen sie ihre verbitterung. die meisten autoren wissen überhaupt nicht, wie sie sich und ihre texte vermarkten können, haben keine vorstellung davon, wie unpassend der zeitpunkt einer buchmesse ist, um solche verhandlungen  mal eben so nebenbei aufzunehmen. sie vereinbaren also vorher keinen termin mit dem lektorat, sondern stürzen sich blind ins getümmel. auf der anderen seite sind die kalender der meisten verleger auch randvoll. irgendwie beißt sich das. ein ausdruck von enttäuschung huscht über die gesichter mancher autoren. ich staune immer wieder, wie sie es schaffen, diesen wieder abzulegen, wenn sie am nächsten stand vorstellig werden. ich sehe ausdauer und vergeblichkeit. ein  mensch, bekleidet mit einem roten t-shirt mit der aufschreischrift „autorin sucht verlag“, sprang mehrmals durch mein blickfeld. das schien sich nicht zum verkaufsschlager zu mausern.

in der buchbranche existiert wie in allen lebensbereichen ein beziehungsgeflecht, von dem einige stark, andere gar nicht profitieren. und obwohl ich über die notwendigen kontakte verfüge, ebenso empfehlungsschreiben habe, die ich in der heutigen zeit für wertlos und antiquiert halte, bringe ich es nicht über mich, diese vorteile auszunutzen. mir fehlen dafür gleich mehrere komponenten: unverzagtheit, unbeirrbarkeit, anbiederungsgene und abgebrühtheit. der text gammelt zwar in zwei büros seit über einem jahr in einem stapel vor sich hin, ob oben oder unten ist dabei schwer zu sagen, aber ihn darüber hinaus anzupreisen? jede buchmesse ist ein weiterer dämpfer, jeder weitere suchende autor eine bremse, noch mehr das wissen um die 100.000 neuerscheinungen pro jahr. will ich wirklich ein buch veröffentlichen, das nach einem jahr geschreddert wird, weil sich gerade mal zwei leser finden, abgesehen von den belegexemplaren, die man an freunde verschenkt? vielleicht warte ich im innersten ja nur darauf, daß eine zerschossene festplatte das problem von alleine erledigt? denn dann heißt es weiterhin: das unveröffentlichte – mit dem zusatz „durch computertechnik in tateinheit mit dummheit zerstört“. und ich könnte endlich eine herzensangelegenheit zu grabe tragen und mich anderen hoffnungen hingeben. schließlich schickt mir mein laptop schon botschaften wie diese:

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4 Antworten zu “das unveröffentlichte

  1. Ach, das hast du so herz-anrührend geschrieben. Ich kann deinen inneren Zwiespalt verstehen – anbiedern könnte ich gar nicht, betteln auch nicht und schleimen oder sonstwas, igitt, da wird mir schon beim drüber Nachdenken übel.
    In der Buchbranche wie über- überall: Überproduktion. Es wird überall mehr hergestellt, als die Menschen verbrauchen oder kaufen können.
    Ich überlege – falls ich mal mehr Geld im Überfluss hätte als jetzt – bei „Books on demand“ oder sonstwo paar Exemplare zu drucken, um ein individuelles Geschenk zu haben. Dann muss ich aber gut Verschenk-Liste führen, nicht dass die gleiche Person 2 bekommt und denkt, dass ich es ja „bitter nötig haben muss“, für mein Buch Reklame zu machen.
    Fühle mich hier wohl – ist alles vertrauter als anderswo.
    Clara

    • wenn man weiß, mit welchen finanziellen problemen die kleinen, guten verlage zu kämpfen haben, dann möchte man ihnen auch nicht noch etwas schwer verkäufliches aufschwatzen. leerstehende verlags- und druckereigebäude gibt es in leipzig viel zu viele. und doch gärt der wunsch in mir, mal leise, mal laut brodelnd. ich will in frankfurt bei der buchmesse ein gespräch fortführen, das von irgendeinem messebesucher unterbrochen wurde. vielleicht komme ich weiter, vielleicht nicht. noch habe ich nicht ganz damit abgeschlossen.

      onlinedruck wäre bei mir vertane liebesmüh. es ist ein wissenschaftliches thema, das durchaus bei kulturgeschichtlich interessierten feingeistern anklang findet. die treffe ich überwiegend in meinem weiteren bekanntenkreis als im freundeskreis. und ganz billig ist der papierspaß auch nicht. ich bin ein buchfan, sonst könnte ich mich evtl. auch mit dem gedanken anfreunden nur eine e-book-version zu erstellen…

      naja, ist noch nicht zu spät ;-).

      das freut mich, daß du dich hier so wohl fühlst. ich werde dich im laufe des tages mal mit in meine blogroll einfügen, wenns genehm ist…

      herzlich grüßt die wortfeile

      • Danke – und wenn es die Gelenkigkeit denn zuließe – Verbeugung bis fast auf Fußboden.
        Clara grüßt Wortfeile – das Wort ruft bei mir irgendwie Assoziationen an den UTP = Unterrichtstag in der Produktion hervor, obwohl wir ja nicht an Worten, sondern an sinnlosen Metallstücken gefeilt haben.
        Aber ein wenig hat es meiner handwerklichen Begabung doch geholfen.

        • ach quatsch, wir sind doch hier nicht am hofe ;-). sehr gern!

          bei uns hieß das pa (praktische arbeit) oder wpa (wissenschaftlich praktische arbeit), die meistens darin bestand, auf teile zu warten. für mich ist das feilen an worten auch eine art handwerk oder besser mundwerk :???:.

          aber jetzt liegen hier ganz viele textteile rum, die mal von mir geprüft werden müssen. also die werkbank ruft…

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