griff ins sprachklo

sich nach der buchmesse in eine überfüllte tram zu quetschen, das war des arbeitsausklangs letzte anstrengung. körper an körper, ohr an ohr, unfreiwillig. dazu das unvermögen mancher menschen, die gesprächslautstärke auf ein erträgliches maß zu regulieren. leise unterhielt sich eine gruppe asiaten mit einem europäer, bis eine frau mit wein- und redselig rot glühenden apfelbäckchen sich in das gemurmel aus uns unverständlichen lauten mischte.

frau: sachen ’se ma, junger mann, welche sprache sprechen ’se denn?

student: chinesisch.

frau: und wo hamse das so gut gelernt?

student: in peking und an der uni.

frau: na mensch, das könnse aber gut.

student: geht so.

frau: das is aber nich einfach.

chinesin: das kann man bei uns lernen, wir geben sprachunterricht in kleinen gruppen.

frau: sin se och jeden tach auf der buchmesse? ich bin jeden tach da, außer sonntag. (*zum ersten*)

chinesin: wir stehen in halle 3, stand…

frau: vielleicht kommsch ma vorbei.

chinesin: ja, gerne.

frau: deutsche sprache – schwere sprache.

chinesin: ja, chinesisch ist auch nicht einfach.

frau: hmm, ja, deutsche sprache – schwere sprache.

chinesin: sie können bei uns in der abendschule auch chinesisch lernen.

frau: ach näääh, dafür binsch schonn zu ald. aber ich bin jeden tach auf der messe. (*zum zweiten*)

chinesin: ach nein, dafür ist niemand zu alt.

frau zu dem studenten: studiernse hier chinesisch?

student: ja, an der uni.

frau: ich bin jeden tach auf der messe, außer sonntag. (*zum dritten, denn hier werden nichtssagende inhalte wie wertgegenstände versteigert*)

student: ja, kommen sie gerne mal bei uns am stand vorbei.

frau: na glar, das machsch doch glatt. und falls wer uns doch nisch mehr sähn, wünsch’ch schon ma toi, toi.

kann man jetzt schon sanitärfirmen wünschen? während sich die scheinbar recht unbelesene, ältere messebesucherin sonst recht ausgeprägt in wiederholungen ergoß, hätte ich an dieser stelle doch gerne noch ein drittes toi gehört. oder war das dadaistische improvisationskunst?

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4 Antworten zu “griff ins sprachklo

  1. Pingback: TOMS WOCHENSCHAU

    • lieber tom,

      das frage ich mich auch andauernd. man nennt es in der psychologie logorrhoe oder sprechdurchfall. ich habe es aber auch schon als schreibdurchfall oder telefondurchfall erleben müssen. es ist ein wahrlich krankhafter mitteilungszwang, der häufig bei menschen mit psychosen auftritt. manchmal holen solche menschen so selten luft, daß man als taktvoller zeitgenossse nur schwer gelegenheit findet, sich zu verabschieden. sehr treffend von dir formuliert, det janze :lol:.

      bei der buchmesse mußte ich für meine verhältnisse ungewöhnlich viel reden. ich bin daran so wenig gewöhnt, daß ich zwei tage lang heißer war…

      gutgruß

  2. Das war aber nur ein Auszug aus meinem Trackback, liebe Wortfeile, Du hast mich zu einem kurzen Text inspiriert, der drüben bei mir noch weiter geht, komm doch mal ‚rüber, der Kaffee ist noch heiß 😉

    Interessant, dass wir beide eine ähnliche Theorie haben,… 🙂

    Gruß

    tom

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