alleskönner

apostroph im überfluß, wahrlich mangelhaft.

erste begegnungen sind nicht immer erfreulich. mitunter haben sie den abstoßenden beigeschmack des ungelernten kantinenkochs, der alle gerichte gleichzeitig anrührt, von denen dann aber keines schmeckt, weil er die gewürze lediglich nach der anordnung im regal hinzufügt und speisen ohne jede gustatorische vorstellungskraft abschmeckt. der debütantenball mit einem alleskönner endet oft mit platt getreteten zehen, zerbissenen lippen, vom haare raufen zerzauster frisur und dem gefühl geistiger umnachtung anstelle eines glorienscheins, den er so gerne zum leuchten bringen würde. das versucht er mit einer schier endlosen kette von wundertaten, einer prahlhanserischen auflistung der vip-bekanntschaften, zahlreichen schilderungen von reisen  zu den entlegensten orten. er plaudert in aller bescheidenheit aus dem best-of-nähkästchen, setzt seine atempausen mit großem hang zur dramatik und wird nicht müde, einen nimbus zu beschwören, der ihn mitnichten charakterisiert. denn der generalist beherrscht eigentlich nur ein fachgebiet – die egomanische selbstdarstellung. deshalb ist es ihm unmöglich, bei seinem gegenüber zeichen wachsender skepsis zu erkennen, die sich zunächst in hochgezogenen augenbrauen ausdrücken, dann in einer sinkenden zahl von zwischenfragen und schließlich in gelangweiltem gähnen enden. der abend ist gelaufen, ein gespräch unerwünscht, nach luft schnappend lauscht der so geblendete dem langatmigen monolog und spart seine kräfte für den schmerzfreien abschied.

neid kann gar nicht erst aufkommen, weil mit jeder übertrumpfung des vorher gesagten die unwahrscheinlichkeit wahrscheinlicher wird. denn ein allrounder vergeudet vor allem viel energie, indem er sich alles aneignen möchte, wozu er nicht das geringste talent besitzt. seine begabungen begräbt er unter der konfusion einer nicht zu bewältigenden menge von möglichkeiten, die er alle noch vor seinem ableben unbedingt ausprobieren muß, lustlos, unter der knute der zwanghaftigkeit. dieses alles-können-müssen treibt ihn gar häufig zur weißglut, da er weder  über die passenden mittel verfügt, noch den richtigen ablauf kennt, seine pläne also meistens zum scheitern verurteilt sind. und so verlassen wir den allwissenden theoretisierer mit den worten: du hast alles versucht, alles probiert, halbgarer hecht. toll! ein bißchen zu viel heißluftgebläse für einen schmelzkäse, der schleimig vom teller trieft.

aber ja doch, das unzeitgemäße nichtkönnen kann ich ganz besonders gut. ich bin nicht mehr als der konzentrierte pausenclown. und aus dem laissez-faire könnte auch etwas mehr werden als aus dem exzessiven. gelassen gehe ich weg, während ich hinter mir das enge hemd der eitelkeit über der stolz geschwellten brust in lauter lächerlichkeit und genanter vorzeigefreudigkeit zerreißen höre. der erste wohlklang des öden abends in meinen ohren. ein abschied ohne bedauern und ohne wehmütiges zurückblicken.

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2 Antworten zu “alleskönner

  1. Sehr treffend geschrieben, auch wenn mit „satire“ beschlagwortet, steckt viel Wahrheit drin. „MrWichtig“ ist mir auch schon oft begegnet, meistens hat er sich als Universaldilettant entpuppt.

    • ja, realsatire wie sie nur das leben bieten kann. meine tägliche überdosis gib mir heute… ich habe nichts gegen leute, die vielseitig interessiert sind, das entspricht auch meiner neugier. aber meine steuererklärung macht dann doch jemand, der gut mit zahlen jonglieren kann. wenn der „universaldilettant“, wie du ihn treffend nennst, in der beraterbranche arbeitet, endet das oft katastrophal.

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