bergeweise

sollte mein lebenspendel mal langsamer ausschlagen, die kurven weicher verlaufen, so wie an der feldberger seenplatte, mir die sanfte hügellandschaft also eine verschnaufpause gönnen, dann tauchen garantiert am horizont dunkle wolken auf. und dann dauert es meistens auch nicht lange, bis ich in einem morastloch feststecke und nur noch mit einem traktor herausgezogen werden kann. äußerst vertraut ist mir die mittelgebirgslandschaft mit ihrem auf und ab, deren talfahrten und aussichtspunkte ich genieße, während der anstieg vor allem ausdauer erfordert. es zehrt an den kräften, wirkt aber nicht unrealisierbar. ich atme schneller und tief durch, bis ich am höchsten punkt angekommen bin, dann fällt alles ab. jetzt hat mich mein leben einfach in eine andere geographische umgebung gejagt, die sich massiv vor mir aufbaut. steil, wie die hochgebirgswände vor mir liegen, soll ich auch noch freiklettern. huaaa! nur nicht nach unten schauen. die luft wird dünner, das tempo steigt, das herz rast, die lunge pumpt, der kopf schwindelt, gaukelt mir hinterhältig vor, es wäre nicht mehr weit. klimmen im akkord, das metronom klopft pausenlos achtel, in mir will sich alles fallen lassen, endlich feierabend und wochenende haben. aber wenn man da nun schon mitten an der wand hängt, will man auch nicht noch einmal ganz unten anfangen. und so ist mein leben eines im wettlauf gegen die zeit, aber die zeit gewinnt im moment unverhältnismäßig häufig.

nur heute vormittag habe ich einmal ganz knapp triumphiert. gemessen habe ich mich mit der waschmaschine. während sie also ihre wasserrunden drehte, ließ ich sie schändlich alleine in der wohnung zurück, denn auslauf – liebe versicherung – gab es in meiner wahrnehmung nur für mich. ich sollte doppeltes glück haben. während die weiße ware schwarzes wusch und wüste verwünschungen brummend herumschleuderte, brachte ich es mit dem versand von über 300 infobriefen fertig, in der postfiliale eine veritable warteschlange zu erzeugen. dann tauschte ich meine flüstertüte gegen ein leihhandy aus (sic! bin wieder fernmündlich hörbar), schoß ein paar fotos, blinzelte in die sonne, kaufte waren des täglichen bedarfs, buckelte mein fahrrad wieder zurück in den keller, schleppte das gesamte geraffel an eßwaren zu meiner wohnung, schloß auf und hörte gerade beim betreten der wohnung das finale ächzen in den letzten windungen nach dem schleudertrauma. uff! und jetzt hänge ich in den seilen und klammere mich an die tasten, um nicht im tiefschlaf zu versacken.

denn die hügellandschaft meiner normalen wohnumgebung hat sich in den letzten beiden wochen doch auch arg verändert. es türmen sich unsortierte wäscheberge, quittungen, briefe auf sämtlichen freiflächen. mit schiebung ist bei dieser ausgewachsenen floordrobe kein platz mehr zu gewinnen, sondern allenfalls kippt das aufgetürmte um. heinzelmännchen, wo seid ihr? keiner da? na gut, dann eben kaffee und viel überwindung und ich.

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