gedankenfadenspiel

'twine' von david o'kane wurde 2009 bei einem rundgang in der baumwollspinnerei in leipzig ausgestellt.

als kind habe ich mich oft stundenlang mit fadenspielen beschäftigt, die dem hier dargestellten so gar nicht ähneln. weder waren meine augen verbunden, noch endeten die fäden in der zuschauerperspektive, sondern an meinem handgelenk in verschiedenen figuren. zwar scheint auch hier eine gewisse fingerfertigkeit notwendig, aber mein gehirn verknotet sich immer wieder an einer deutung. nicht nur weil es  ein bißchen wie ein standbild aus einem alten schwarzweißfilm aussieht, aus einer anderen zeit zu kommen scheint, die ihre fäden bis ins jetzt spinnt und an denen ich nur ziehen müßte, um die spannung noch weiter zu erhöhen, die ich abschneiden könnte, aber dann wäre die verbindung zwischen uns gekappt, und ich hätte den roten faden verloren. die beiden kinder mit den augenbinden haben etwas von einem medium, einem mittler, während mich das mädchen links im bild einfach direkt anschaut, als ob es mich stumm dazu auffordern wollte, dem netzwerk eine neue komponente hinzuzufügen. urteile können fallstricke sein. darum versuche ich sie nach allen seiten offen zu halten, ohne jedoch den standpunkt zu wechseln wie ein chamäleon seine farben. offen und abweisend zugleich.

bin ich blind, wenn ich meine fühler in die außenwelt ausstrecke? größtenteils sehschwach, weil ich die folgen des kontaktknüpfens mit dem fremden nur graduell beeinflussen kann. die länge meines lebensfadens ist mir unbekannt. er ist unsichtbar. so bin ich für begrenzte zeit ein mitspieler, manchmal mit gezinkten karten, manchmal verlierer, manchmal gewinner, manchmal einfach nur dabei. so lange ich mich in gesellschaft bewege, habe ich bindungen, lose und feste, lockere und enge, kurze und lange,  bin also weberin. und auch zu hause sitze ich im netz, im netz meiner rituale, im netz meiner bequemlichkeit, im netz meiner hoffnungen, im netz meiner änsgte, im netz der zeit, breite mich im internet aus – so wie jetzt. fesseln, grenzen, abschnürungen, aber auch erweiterungen. ich bin der geborene weberknecht in menschengestalt.

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