höhenträume

was eltern bewegt, muß kinderlose noch lange nicht tangieren. nachdem ich in der vergangenen woche eine halbe stunde lang während des mittagessens  in der kantine dem monothematischen gespräch vergleichender entwicklungsstand unserer babys von zwei relativ frischen müttern (also nicht altersmäßig) tonlos folgte, war mir einerseits der appetit recht schnell vergangen, andererseits mußte ich die mitdenkpause mit material füllen. also schaufelte ich essen in den mund, fragte mich,  warum das nun nuppi (nuckel) heißt, warum windel nicht gleich windel ist und warum deren unappetitliche, nächtliche füllung ausgerechnet jetzt von mund zu munde kreiste und leidvoll mein ohr streifte. schweigsam wurde ich kaiserin im wettessen, verschränkte meine arme und lehnte mich unentspannt zurück. bis den beiden damen dann auffiel, daß da noch jemand unbeteiligt am tisch sitzt, dauerte es noch eine weile. auf die frage, ob ich auch kinder hätte, antwortete ich mit einem einsilbigen nö! und widmete mich weiter der beobachtung von mitessern, weil mögliche redebeiträge meinerseits gewiß jede relevanz entbehrten. ich fühlte mich dem dualen mütteraustauschwerk nicht wirklich zugehörig, nicht mal perpektivisch. ich bewunderte nur still die maternale leidenschaft und leidensfähigkeit. allerdings fragte ich mich insgeheim abschweifend, ob man nicht manchen erwachsenen einen gummisauger in den mund stecken könnte, damit sie zufrieden von dannen ziehen und sich mit ihren eigenen spielsachen beschäftigen, anstatt mir beide ohren abzukauen.

nichtsdestotrotz habe ich noch einige ziemlich klare erinnerungen an meine kindheit, vor allem an den beständigen wunsch, endlich groß zu sein, nicht mehr auf hocker, stühle und bänke klettern zu müssen, um an dinge zu kommen, die vorsorglich außer reichweite gelagert wurden; auf den zehenspitzen herumtänzeln zu müssen, um einfach nur das licht einzuschalten oder auf mauern zu balancieren, um mal zu sehen, wie es sich von da oben so auf andere elternabhängige herabschaut. der aufstieg vom kackstuhl zum stuhl mit polsterkissen, um über die tischkante zu lugen, dauerte mir entschieden zu lang, wie auch der abnabelungsprozeß und die anerkennung der eigenständigkeit insgesamt. aber das hier hätte meine perspektive natürlich vollkommen geändert:

das ist keine hinterlassenschaft von zensursula, obwohl das auffällige muster ein bißchen an die stopschilder für internetsperren erinnert. zugegeben kannte ich bis heute nur donnerbalken oder pornobalken, wobei ich schon wieder das thema der moral streife oder aber auch nur das haarige oberlippenbekenntnis mancher frauenvergrauler. das ist auch kein schild für eine milchbartzone, sondern nur eine trittstufe für winzige süßmäuler vor einem crêpes-imbiß in der karli; eine kinderfreundliche kleinigkeit, damit kleinstlebewesen nicht ewig von augenhöhe träumen müssen.

Advertisements

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s