die klaviatur von schuld und sühne

zur illustration bemühe ich noch einmal die sprüche auf den plakaten von studenten der bauhausuni weimar: "fallen sind nicht auf den kopf gefallen. fallen stellen eine frage. was fällt ist eine falle."; "fallen gehen nicht, sie bleiben im versteck und spielen dort gefallen."; "tausche schwarzes schaf gegen weiße weste."; "der mond springt nicht über deinen schatten."; "ein paar falsche schuhe, und das leben geht an dir vorbei."...

es gibt so momente im leben, da geht mir niels freverts lied ich möchte mich gern von mir trennen (im original von hildegard knef) nicht aus der birne, bis das matschige ins innerste gedrungen ist und die rückkehr zur normalität folgt. dann möchte ich mich wie eine schlange häuten, ein bißchen zischen und für andere unsichtbar im unterholz verschwinden. vorher war ich meistens dererlei verstimmt, daß dies in die überflüssige kunst der selbstzerfleischung zu münden drohte. ich zwinge mich dann, den arm mit dem hackebeil zurückzuhalten und widme mich gekonnt der mentalen sezierung von innereien. kurz bevor das in eine autopsie übergeht, stoppe ich oder werde gestoppt. ich richte mich auf, schüttele heftig über mich selbst den kopf oder wie der phönix das gefieder, ziehe eine augenbraue hoch und denke: du und deine hausgemachten probleme!

mitnichten sind die auslöser irgendwelche lappalien. nein, sie haben dem ersten augenschein nach das potenzial, sich zur persönlichen katastrophe auszuweiten. zwangsläufig schaltet der kopf auf autopilot, panik und alarm um. wie in diesen schlechten filmen, bei denen ich immer die augen zugekniffen habe, während von der seite der trockene kommentar kam: unsere gewinnen immer. in der realität taucht aber leider meistens kein rettender held auf, der die katastrophe in letzter sekunde abwendet. in der realität sieht’s so aus, daß man sich nicht mal ein blinzeln leisten kann, um dem gegner nur ja keine angriffsfläche zu bieten.

in diesem fall heißt der gegner expo guide, brät sich seine eier in mexiko in der sonne und freut sich zu früh dumm und dusslig, daß wieder jemand auf seine beschissene betrugsmasche reingefallen zu sein scheint. geschickt wurde ein harmlos wirkender korrekturbogen mit einem freiumschlag, aus dem als absender die prager buchmesse hervorging. zurück bekam ich eine gefakte fotokopie des korrektureintrags mit auftragsbestätigung aus mexiko für die schaltung einer werbeanzeige über drei jahre, nicht gerade eben kostengünstig. ohje, wie also sage ich das bloß dem chef? und nun kommen wir zum springenden punkt: anstatt auf die arglistige täuschung der miesen mexikanischen pestbeulen sauer zu sein, habe ich erst mal die komplette  klaviatur von schuld  und sühne heruntergeorgelt und schön gleichmäßig über alle hirnwindungen verteilt, im internet recherchiert, tellergroße augen bekommen, erleichternde gerichtsurteile gelesen, eine kurze nacht lang schlecht geschlafen, weiter mit mir gerungen und mich dann durchgerungen, meinen chef um hilfe zu bitten, da dies ohnehin meine kompetenzen übersteigt. irritiert registrierte ich, daß er mir keinerlei vorwürfe machte, sondern im gegenteil offenbar sofort gewußt hat, wie mich meine selbstpein bereits zernagt hatte und was zu tun ist. so ein jurastudium, auch wenn er es nur den eltern zuliebe abschloß, hat doch auch manchmal seine vorteile. jetzt muß ich mich nur noch neu konditionieren. herr pawlow, darf ich bitten? oh, schon tot. na dann… muß ich wohl selber ran.

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