frisch gebabelfischt

es soll ja substanzen geben, die uns unwillkürlich tränen in die augen treiben, ob nun beim zwiebelschneiden ohne direkten kontakt oder wenn wir mit ungewaschenen griffeln nach dem schneiden von chilischoten unsere weltsichtfenster reiben. das, was dann salzig über das gesicht kullert, sind beileibe keine filmtränen. es brennt und rinnt und flennt auch jenseits der trauer. china balsam gehört jedenfalls auch nicht wirklich ins auge geschmiert. daß es dort ohne jeglichen chemischen reiz tränenfluß auslösen kann, war mir bis gestern eher schleierhaft. ich wollte ganz banal via google erfahren, ob man china balm auch bei muskelverspannungen äußerlich anwenden kann (yep!), fand aber den international handelnden webshop conua mit sitz im amerikanischen wilmington, der für seine produkte mehrsprachig zu werben versucht. die betonung liegt auf versucht! denn die offensichtlich mittels einer maschinellen übersetzung erstellte seite, wimmelt von eher abschreckenden wirkungen der naturmittelchen und kuriosen übersetzungsfehlern. und manchmal gelingt es dem muttersprachler sogar zu verstehen, was gemein(t) sein könnte.

china balm etwa verwandelt sich in eine haselnuß (aschenblödel reloaded), mit der man die akupunkturpunkte einreiben soll:

einfach benutzt hat, eine haselnuß von „china balm“ erlaubt eine lange massage auf der stelle, die ihnen oder zu den akupunkturpunkten leiden läßt, um sie zu entspannen und ihre übel zu erleichtern. (quelle)

aha… es wäre schön, wenn das mittel mich nicht noch mehr leiden lassen würde. weiter heißt es dort über die anwendungsgebiete:

um die unangenehmen gefühle der kleinen täglichen schmerzen zu erleichtern, die oberfläche ihrer haut delikat zu reiben.

die delikaten hautstellen sollte man wohl lieber auslassen, wenn man nicht zum sadomasochismus neigt. aber im onlineshop können sie genauso dinge für ihren herzenschlag kaufen. sucht man nach kälteschutzmitteln, muß man die kälte in diesem laden aber erst mal verteidigen. also ehrlich mal, immer nur nörgeln! nie kann das wetter richtig sein. schutz liegt ihnen wohl fern?

und was erst ginkgo biloba alles können sollen müßte, und wenn ich nur und verstünde, wovon die rede ist… hah, schon klar: wäre herr schäuble noch innenminister, würde er das naturheilmittel wohl unbedingt einsetzen wollen. und es gäbe nach ein bißchen hexenzauber auf der ganzen welt keinen terrorismus mehr.

er begünstigt die gefangennahme der freien radikalen auf dem anspruchsvollen und netzhautniveau.

mit der kraft der fächerblätter scheint sogar retina-scan möglich, wenn papi schäuble nur hinlänglich seiner muttinatur vertrauen würde und wenn er nur seine scheuschablonen ablegen könnte, um uns auf das absolut natürliche erfolgsrezept einzuschwören. zurück von der (bewußten) fehlinterpretation zur medikation. gegärte oder auch gegarte papaya wird als ein hick-, ähm hack-, nein teufelsbraten sondergleichen angepriesen. lesen sie selbst:

gegärte papaya ist der beschützer, sie hilft das syndrom des oxydierenden streß bekämpfen (ausstellung, die in der sonne verlängert ist, dem tabak, dem alkohol, umweltverschmutzung, dem intellektuellen streß), besitze eine antioxidierende tätigkeit (mehr als 20 male vorgesetzte in vitamin e), eine bemerkenswerte kapazität immunostimulante (sie verstärkt die natürlichen verteidigungen).

brauchen wir galerien zur gesundheitserziehung? reicht eine überdosis vitamin e gegen sozialfeindliche chefs? soll ich meine gegner mit papayas bewerfen oder ein loch durch die frucht bohren und an einer kette als talisman bei mir tragen? ist die papaya gar der neue popeye-spinat? der erlöser von allen irdischen problemen? wer jetzt noch keine minderwertigkeitskomplexe hat, weil er nur bahnhof versteht, der kann sich in frieden einkapseln, nein kaspeln für den frieden schlucken und komplexe ruhe finden. sérénité (eigentlich die ausgeglichenheit) bringt dir frieden oder möglicherweise ruhe in frieden (mein vertrauen in den pillenhändler konnte gar nicht erst organisch erwachsen). die wirkung der friedlichen zutaten lesen sich eher wie die auszüge aus einem treatment für den nächsten horrorfilm. hagedorn bspw. pflegt die verwirrung des schlafes. ich halte alptraumphasen ja für weniger erholsam. und die passionsblume kämpft gegen nervöse zuneigungen (liebestöter?), wohingegen baldrian das entsetzen der sorgen vermindern soll. nach allem, was ich las, ruft das doch eher unheimliche assoziationen in mir hervor, und ich würde dem benutzungsrat nur unter zwang folgen. zu unerwünschten nebenbedeutungen fragen sie ihren dolmetscher oder übersetzer.

übersetzung ähnelt dem versuch, wolken in koffer zu packen. manchmal folgt ein eloquenter erguß, im vertrauen auf die automatisierung garantiert eine verbale, unsinnliche katastrophe. die computerprogramme sind leider noch meilenweit von der dolmetscherleistung eines babelfischs entfernt und  nur als hilfsmittel zu gebrauchen. das kauderwelsch zahlreicher gebrauchsanleitungen und internetseiten spricht bände. und deshalb funktioniert tränenlachen ganz ohne und über china balm. in menschlichen und maschinellen fehlern, so lästig, überflüssig, vermeidbar und unverständlich sie manchmal erscheinen, blitzt dennoch immer auch die möglichkeit für manch wundervolle neuschöpfung auf.

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