datenschutzlöcher im web 2.0

ambivalente aussage: ist das die ankündigung von unterstützung oder doch eher eine drohung?

hieße ich hans müller, könnte ich mich vielleicht aufgrund dieses allerweltnamens im web 2.0 etwas mehr in  sicherheit wiegen (googletreffer heute ca. 3.170.000). trügerisch, denn selbst diese aussage unterliegt weiteren einschränkungen: wohne ich in einer großstadt oder in einem dorf mit weniger als hundert einwohnern? hinterlasse ich also zusätzlich noch angaben über wohnort und arbeitgeber im netz, steigt die wahrscheinlichkeit, mit dem namen eine person in verbindung bringen zu können. so www, so schlecht für manchen user, denn  eben jene unbedarftheit führte in diversen fällen (z.b. hier und hier) zu nervigen eskalationen verbaler auseinandersetzungen, zum kleinkrieg mit schimpfkanonaden, zum fallenlassen jeglicher hemmschwellen oder zu abmahnungen. auch die anonymität hat einen nicht unerheblichen anteil an diesen kommunikativen entgleisungen. denn wer weiß, wie er seine identität verschleiert, neigt schneller auch mal (aber nicht in jedem fall) zur gezielten beleidigung, bloßstellung, diffamierung, nach dem motto netiquette?! was ist das denn?, bis hin zu handgreiflichkeiten, wenn man erst einmal die adresse herausgefunden hat und die rachegelüste völlig freidrehen, weil jeglicher appell an die vernunft einfach ignoriert wird. ist denn das virtuelle ich weniger verletztbar als das reale? ich sage nein.

wohl jeder webmaster, foren-moderator, blogger kennt solche schriftlichen äußerungen, die, würde man sie hören können, vermutlich ein erhebliches maß an normaler gesprächslautstärke überschritten. dabei ist klar zu unterscheiden zwischen freier meinungsäußerung, auch konstruktive kritik genannt, rechthaberisch motiviertem streit oder etwa schriftwechsel mit gegenseitigen vorwürfen in der mitmach-arena moderner cyber-stierkämpfer. ein kollege, seines zeichens webmaster, wies mich kürzlich darauf hin, daß es in zahlreichen gästebüchern und virtuellen gemeinschaften tatsächlich  immer noch gebräuchlich ist, zu den realnamen oder nicknames gleich noch den wohnort oder/und die mail-adresse unverschlüsselt zu veröffentlichen. dabei nützt es recht wenig, sich ein pseudonym zuzulegen, wenn in der mailadresse ein klarname auftaucht. es empfiehlt sich  grundsätzlich, mindestens eine alias-adresse  zu benutzen, die keine rückschlüsse zuläßt, aber auch nicht für die rufschädigung anderer personen zweckentfremdet wird.

weil ich das persönlichkeitsrecht respektiere und nicht auch noch computerkriminelle mit der nase darauf stoßen will, überlasse ich die überprüfung dieser aussagen ausnahmsweise dem leser (die rechercheergebnisse teile ich nur auf ausdrücklichen wunsch und bei in meinen augen seriösen anfragen mit, d.h. nicht per blogkommentar). für mich ergibt diese praxis allerdings nur in ausnahmefällen einen sinn (z.b. xing, da aber auch mit abstrichen, vgl. hier der absatz: ratgeber für nutzer), ansonsten sehe ich eher die privatsphäre gefährdet als die glaubwürdigkeit der diskussionsteilnehmer herabgesetzt, denn diese wird vorwiegend per inhalt und wortwahl vermittelt. bei solch datenunsicheren gästebüchern wird leichtfertig vertrauen  gegen den verlust von vertraulichkeit eingetauscht, was ich mehr als fahrlässig finde.

jetzt könnte der kritische oder hämische geist einwenden: die nutzer tragen doch freiwillig ihre daten ein, ergo sind sie selbst schuld. das stimmt zwar, ist aber kein argument für mehr schutz von sensiblen daten im netz, nicht im zeitalter von spamming und sonstigen netzschikanen. denn das „böse“ findet das „arglose“ überall, um es ganz einfach auszudrücken. auch wenn weniger netzaffine vielleicht mal etwas von privatsphäre-einstellungen bei facebook vernommen haben, so fehlen ihnen doch leider zu oft das verständnis für technische raffinessen oder das interesse daran. die frage ist doch eher, ob man nicht mit regulierung der voreinstellungen datenmißbrauch umgehen könnte? also die seite so zu konfigurieren, daß der admin zwar die daten einsehen kann, sie aber nicht öffentlich macht bzw. im falle von mißbrauch notfalls eine möglichkeit der rückverfolgung hat, wenn nicht gerade surfen via proxy oder vpn  die herkunft verdunkeln. welches interesse kann ein homepage-eigentümer daran haben, unerfahrene nutzer erst mal selbst schlechte erfahrungen sammeln zu lassen, bis dieser dann mit dem antrag auf löschung personenbezogener daten zitternd, zeternd und zagend bei ihm vorstellig wird? mit dem löschen auf der jeweiligen internetseite ist das verschwinden aus den suchmaschinen allerdings nicht gleichzusetzen. aus den fängen einer datenkrake wie google muß man sich in zeitraubenden und mühsamen kämpfen entfernen (hier gibt es aber nützliche tips). gegen  internetkra(n)ke sind spuren im schnee vergleichsweise ephemer, schon alleine deshalb, weil es so etwas wie jahreszeiten und temperaturschwankungen gibt.

ein ganz allgemeiner hinweis zur nutzung des internets (auch an mich selbst): erst denken, dann klicken und senden.

Advertisements

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s