betütert und beknackt

einen klassischen fall von beduselten wortfindungsstörungen erlebte ich gestern abend, als wir zum weihnachtsbraten einen italienischen rotwein tranken. ich nahm einen winzigen schluck. zusehends verhedderte sich allerdings die zunge meines gastes infolge alkoholischer wirkungsmacht. ein blick auf das flaschenetikett ließ meine stimmung endgültig in lachsalven umschlagen: primitivo – eine rebsorte aus apulien. selbst schlichteste wortwahl führte allerdings zur zungenakrobatik. zwar ebbte das lallen nach reichlicher nahrungsaufnahme und verdünnung mit wasser recht schnell wieder ab, nicht jedoch unser heiterkeitspegel. und so sollte ich mir zu fortgeschrittener stunde ein neues werbevideo anschauen. gesagt, getan (hier).

nun haftet dem mafioso ein recht rüder ruf an, den man im werbespot noch mal so richtig schön anschaulich plattwalzt. aber es kann dem werten betrachter schon mächtig auf die nüsse gehen (hätte er welche), wenn die off-stimme des sprechers den nußknackenden mafiosi ein umgangssprachliches s anhängt, um den falschen, fremdsprachlichen plural inflationär via webvideo zu verbreiten. der überflüssige buchstabe trägt definitiv nicht zum mehrwert der werbung bei. immerhin ist die mehrzahl in der sprechblase richtig geschrieben. man könnte also von einem (ver)sprecher ausgehen, der glaubte, eine zeile des einprägsamen textes nicht ablesen zu müssen, sondern locker aus dem mund zu schütteln. wer weiß? vielleicht wurde aber auch nur die peinliche textblase nachträglich korrigiert, um die kosten für die aufpolierung des imageschadens durch postpostproduktion (sic!) zu sparen. papperlapapp, so ein flüchtigkeitsfehler fällt ohnehin nicht ins gewicht. korrektur hat man wohl nicht nötig, wenn man auf preisdekorationen und namhafte konzernkundschaft verweisen kann. die zuständige kreativagentur verspricht auf ihrer homepage ja auch lediglich:

wir planen, gestalten und realisieren interaktive kommunikation auf einem hohen visuellen und technischen niveau (quelle).

sprachlich darf es also bedenkenlos unterirdisch zugehen. schließlich haben scheinwelten nicht viel mit der realität gemein.

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Eine Antwort zu “betütert und beknackt

  1. Pingback: böse sprachfallen | VEB wortfeile

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