outdoor-kleidung: herr oder frau frostbeule?

die werber der bagel brüder balzen grotesk und umweltsündig um die gunst der raucher: gemütlich bei minusgraden im strandkorb herumlungern, am heizpilz klamme finger grillen und heiße bagels vertilgen. das bild erinnert an angela merkels grönlandreise, wo sie in roter outdoor-jacke vor gletschern posierte und medienwirksam neben atemhauch vor allem heiße luft produzierte.

draußen hat wieder jemand die tür von der gefriertruhe offen gelassen. und mir ist so kkkkkkalt, daß die zähne aufeinander klappern und die popel in der nase gefrieren. meine schlankheit bringt mir bei frost eigentlich nur nachteile ein, und auch sonst fühle ich mich permanent essensaufnötigungen ausgesetzt, da kann der wanst noch so vollgefressen sein, für die dickeren unter uns war das nie genug. die allgemeinheit sitzt immer wieder dem klischee auf, daß menschen mit modelmaßen zwangsläufig unter eßstörungen leiden. noch nie habe ich auf einem in cola getränkten wattebausch genagt, wie das in diversen anorektischen foren propagiert wird, um die knochen noch sichtbarer zu machen.  im gegenteil, wer mal ernsthaft versucht zuzunehmen, wird beinahe aussschließlich mit sahne, fett, schokolade, fastfood und anderen widerlichen dickmachern drangsaliert, was unweigerlich zu einem cholesterinkoller führen muß. bis heute habe ich da noch keine wirklich wirkungsvollen ernährungstips entdeckt, die auch irgendwie gesund sind. wohingegen gefühlt eine million verschiedene diäten angepriesen werden, wovon mindestens die hälfte ebenso krank macht. der markt der problemzonen und ihrer vermeintlichen korrektur ist schier unerschöpflich und so dehnbar wie manche magenwände. als kind war ich mal zur freßkur. in vier wochen habe ich ein halbes kilo zugenommen… sagenhaft und absoluter hüftgold-negativrekord, obwohl ich alles aufgegessen und drinbehalten habe! ich mußte akzeptieren, daß mein körper ein faß ohne boden ist, eine durchdrehende energieschleuder, die nicht zu fettschichten neigt. womit sich der kreislauf zum bibbern wieder schließt, denn bekanntlich schützt vor allem ausgeprägtes unterhautfettgewebe vor schneller auskühlung.

seit jahren praktiziere ich deswegen winter für winter das zwiebelschichtenprinzip. einpellen und auspellen dauert eine ewigkeit. schnell sieht man dann selbst mal aus wie eine schneewalze. aber ich will ja raus, im knirschenden schnee stapfen – nur eben nicht selbst zum eiszapfen erstarren. für die hersteller von hochpreisiger outdoor-kleidung bin ich also das beinah perfekte opfer, nur plane ich eben in der kleidung keine abenteuerreisen  in extreme klimatische zonen, sondern würde eine mitteleuropäisch-großstadttaugliche variante bevorzugen, in der ich mir nicht wie ein yeti vorkomme oder wie frachtgut aussehe. diese wünsche erfüllen nur die wenigsten hersteller. man betrete einen beliebigen outdoor-laden und suche mal nach warmer, weiblich wirkender kleidung. man kann meistens nur zwischen tailliert und viel zu dünn (sprich für mich ungeeignet) oder geschlechtslos und dafür warm wählen (gibt es das auch in weniger häßlich?). meistens sehen pärchen in funktionskleidung auch aus, als wären sie einem katalog für partnerlook entsprungen. ich habe schon einiges getestet: daunenmantel von nordgesicht – das teil ist mitnichten winddicht und wärmend. an den ärmeln fehlen bündchen, am hals rutscht der schal über den viel zu niedrigen kragen. die durchaus akzeptablen öko-daunenmäntel von patagonia sind immer bereits ausverkauft, wenn ich mal an winter denke, sehen aber zumindest etwas femininer aus. die wolfsfelle fallen aus moralischen gründen aus dem raster, weil ich abmahnenden markentatzlern lieber die augen auskratzen würde, als mich in derartiger kleidung einzumummeln.

als das thermometer dann im februar auf minus 25 grad abzurutschen drohte, habe ich mich frostbeulig und ohne zu zögern für eine virile parka-variante des schwedischen polarfuchses (nur eine übersetzung des markennamens, kein echter pelz!) entschieden. ich sehe darin aus, wie ein strichmännchen mit übergestülpter litfaßsäule. was soll’s! es heißt ja auch funktionskleidung, aber warum muß die form immer eine so  maskuline sein? mit den entsprechenden logos auf der unmodischen winterjacke kann man sich eigentlich gleich auch noch ein schild umhängen, auf dem steht: ich bin out(door), aber  dafür ist mir warm. naja, jedenfalls bin ich thermotechnisch für das schneegstöber da draußen vor der tür mit einem kleiderofen ausgestattet. noch ein bissiger kommentar über meine unisexyness, und ich verschwinde unter meiner kapuze mit kunstpelzkragen. ihr lästermäuler, friert mal hübsch weiter…

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