(k)eine (m)ahnung

beflügelt schwang sich horst köhler auf der festveranstaltung 60 jahre bundespressekonferenz zum botschafter des qualitätsjournalismus auf. sicher ist die laberbranche auch ein auffangbecken für quereinsteiger, dilettanten und schreiberlinge, die information mit meinung gleichsetzen. die twitteritis bringt den  meinungsbrei, der vorher mehrfach durch die flotte lotte gedreht und püriert wurde, wohl alsbald zum überkochen. noch bevor die meldungen verifizierbar werden, verbreiten sie sich wie ein lauffeuer über das netz und die ticker. die leitungen glühen leider schon, bevor aus den spekulationen fakten werden. der neuigkeitendruck führt immer häufiger zum verlust journalistischer glaubwürdigkeit.

ach ja, und dieser elende klatsch und tratsch in den boulevardmedien. unterhaltung mit einem wahrheitsquotienten bei gefühlten null bis fünf prozent. ganz erschröcklich wie private vergehen von politikern zum politikum hochstilisiert werden, wo doch der wert an ihren staatstragenden fähigkeiten bemessen werden sollte. peinliche dienstwagenaffäre kontra ‚genial‘ krachen gehender gesundheitsfonds. mäuler und löcher stopfen, so stellt sich der mondän quäkende politiker das recht auf information und freie meinungsäußerung wohl vor.

allerdings sollte, wer auf journalistische sorgfaltspflicht pocht, selbst ein wenig besser auf die wortwahl achten. in der ndr-zapp-sendung (durchgezappt) vom 14.10.2009 hört man den sichtlich echauffierten horst dann eifrig rüffeln: haltung haben – es ist ein ziemlich altes wort, aber ich finde, es könnte mal wieder in mode kommen. genau wie ein anderes, viel schlichteres wort – ahnung haben. genau genommen handelt es sich ja in beiden fällen nicht nur um ein wort, sondern um zwei (*oooch, ist die heute wieder pingelig). überdies gibt es eine vielzahl von haltungen, die aber offensichtlich nicht köhlerkonform sind. derweil hapert es an konkretisierung, da in einer demokratie die denkrichtung nicht vorgegeben werden kann. horst tritt also gleichzeitig gaspedal und bremse, um auf diese weise durch die fahrprüfung durchzurauschen. kommen wir nun zur ahnung. unumstritten, journalisten brauchen einen guten spürsinn. ahnung alleine reicht jedoch nicht aus, um etwas wie qualitätsjournalismus hervorzubringen. neben der vorwissenschaftlichen, irrationalen ahnung gehören eine gute allgemeinbildung, kritisches denkvermögen, recherche, kontakte und hartnäckigkeit zum handwerkszeug eines journalisten, sonst trällern die vögel aus dem blattwerk irgendwann nur noch das unkende nachtigall, ick hör dir trapsen. information steht aber auf einem andern erkenntnisblatt als ahnung. oder züchtet die regierung nun vogelstimmenimitatoren?

schenkt dem mann doch endlich mal das buch sag es treffender!

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