knechtschaft

liebknecht-hauswar am liebknecht-haus schon der herr ruprecht zugange, der nur den braven sklaven lebkuchen bringen will? oder wird hier der teil der bevölkerung verhöhnt, der selbstversagend lebt um zu arbeiten und nicht umgekehrt? dem kapitalisten dürfte der liebe knecht, der nicht revoliert, jedenfalls am nützlichsten sein, denn nur lebend und im vollbesitz seiner arbeitskraft ist so ein lohnsklave rentabel. alles andere kostet und wäre im verruf des sozialen.

wie auch immer das i samt tüpfelchen verloren ging, hier in der braustraße in leipzig lebte von 1867-1881 wilhelm liebknecht, einer der mitbegründer der heute auf selbstfindungskurs schlingernden spd. hier wurde 1871 karl liebknecht geboren, der nach dem spartakusaufstand 1919 erschossen wurde. heute  erinnert eine gedenkstätte an die einstigen sozialistischen bewohner und die linke residiert ebenfalls dort.

hochaktuell erscheint mir hingegen ein zitat aus der festrede von wilhelm liebknecht, in der er den bekannten ausspruch wissen ist macht – macht ist wissen 1872 in dresden referierte:

die schule ist das mächtigste mittel der befreiung, und die schule ist das mächtigste mittel der knechtung — je nach der natur und dem zweck des staats. im freien staat ein mittel der befreiung, ist die schule im unfreien staat ein mittel der knechtung. ‚bildung macht frei‘ — von dem unfreien staat verlangen, daß er das volk bilde, heißt ihm einen selbstmord zumuthen. der moderne klassenstaat bedingt aber seinem wesen nach die unfreiheit. (…). er kann freie männer nicht brauchen, nur gehorsame unterthanen; nicht charaktere, nur bedienten- und sklavenseelen. da ein ‚intelligenter‘ bedienter und sklave brauchbarer ist als ein unintelligenter — schon die römer legten auf sklaven, die etwas gelernt hatten, einen besonderen werth und zahlten entsprechende preise für sie —, sorgt der moderne staat für eine gewisse intelligenz, nämlich für bedienten-intelligenz, die das menschliche werkzeug verfeinert und vervollkommnet, so daß sich besser mit ihm ‚arbeiten‘ läßt. so wird die schule zur dressuranstalt statt zur bildungsanstalt. statt menschen zu erziehen, erzieht sie rekruten, die auf’s kommando in die kaserne, diese menschen-maschinenfabrik, eilen; steuerzahler, die sich nicht mucksen, wird ihnen das fell über die ohren gezogen; lohnsklaven des kapitals, die es in der ordnung finden, daß ihnen das mark aus den knochen gesogen wird (quelle).

zwar haben sich produktionsmittel und arbeitsbedingungen in vielen branchen verbessert, die abhängigkeit ist jedoch nach wie vor eine einseitige. während  arbeitgeber in vielen branchen aus einem heer hoch- bis überqualifizierter arbeitskräfte auswählen können, hängen die knüppelgleichen worte entlassung plus krise plus rationalisierung  plus standortverlagerung ins ausland drohend über denen, die knuffen dürfen. auch die selbstständigen befinden sich in mindestens einer zwickmühle, wenn sie keine auswahl an aufträgen treffen können, sondern den einen, schlecht bezahlten, ethisch unvertretbaren annehmen müssen, um ihr brot hart zu verdienen und auf den piekenden krümeln des nachts alpträumend wund zu liegen.

bleibt uns denn wirklich nur die freiheit in gedanken? und deswegen noch einmal zum nachdenken der schriftzug in nahaufnahme:
liebknechthaus_leipzig

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