geländegängig

jaguarals beobachterin liebe ich diese großen selbstinszenierten auftritte vor publikum im showroom straße, obwohl ich selbst eher um unauffälligkeit bemüht bin. der freisitz vorm cafe grundmann in leipzig ist so ein ort, an dem am herbstsonniglichen sonntag ein buntes spektrum geboten wurde. der menschliche inhalt der beiden vorführwagen entsprach allen gängigen klischees, die man so von männlichen suv-fahrern und weiblichen jaguar-cabriolet-fahrerinnen hat – bis auf die haarfarbe blond und das kopftuch. aber stroh kann sich schließlich auch braun färben, wenn es ins stadium der verwesung übergeht. sehen wir das also mal nicht so eng.

die beiden jaguarbienchen hatten ein klitzekleines einparkproblem und waren offenbar technisch weniger kundig, was die benutzung der serienmäßigen elektronischen einparkhilfe für vorne und hinten betrifft.  in einem akt der verzweiflung infolge eines falschen einparkwinkels rettete sich lady zwei auf die rückenlehne und erteilte von oben herab alles überschauende anweisungen. viel gekurbel und wirbel mit nur mäßigem erfolg. der hintere chrombefelgte breitreifen schwebte weiterhin im ungesund kurzlebigen winkel halb über dem asphalt. manche frauen schaffen das mit dem räumlichen orientieren eben auch im pipimarschdoppelpack nicht. vom flotten feger mit großem tamtam zum platten profil. applaus, applaus, applaus!

aus dem suv kletterten zwei schwammige, weniger gemütlich wirkende jogginghosenträger. ich fühlte mich schlagartig wie in neukölln auf dem hermannplatz. machohafter ghetto-gangsta-style mit basecaps, fetten gliederketten, ringen und einem schlüsselbund, mit dessen klimpernden anhängseln man als briefträger sehr wahrscheinlich die haustüren seines ganzen reviers öffnen könnte. am rückspiegel baumelte ein undefinierbares etwas, das wie eine mischung aus traumfänger und skalps von nicht überlebenden opfern des drogenkampfes oder der schutzgelderpressung aussah. wahrscheinlich war das großstadtwild zuvor mit dem frontschutzbügel auf offener straße erlegt worden. oder wozu sollte man sonst solche fahrzeuge in der leipziger tiefebene nutzen? so flott es ihnen ihr breitbeiniger, potenzprotzender, unsportlicher und überlegenheitszentrierter gang irgend erlaubte, schleppten sich die beiden spoilergestalten mit schwankenden schultern und rasiermesserachseln über die straße und verschwanden mit dem besitzer in einem tabakladen. nach einem erfolgreichen deal kehrten die beiden bückfaulen einsteiger zurück zu ihrem wagen. sie hievten ihre feisten körper in den benzinverballernden boliden und rauschten ab.

ja, der hausgemachte kuchen war wie immer lecker! nur hatte ich dabei dieses intuitive großkotzgefühl im magenhirn.

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Kurt Wolff Stiftung zur Förderung einer vielfältigen Verlags- und LiteraturszeneGerichtsweg 28
04103 Leipzig
Tel./ Fax: 0341 / 9 62 71 87www.kurt-wolff-stiftung.deSkype: kurt_wolff

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