bildstörung

hassan_haddaddas triptychon ich lebe, also bin ich?*** des aus dem irak stammenden und in der leipziger baumwollspinnerei lebenden künstlers hassan haddad wirft eingangs mit dem bildtitel die frage nach der erkenntnisfähigkeit in liebesangelegenheiten auf (zweifelsohne auch auf andere lebensbereiche übertragbar). die bildnerische abwandlung von rené descartes cogito, ergo sum birgt nicht weniger ich-zweifel und verzweiflung in sich. in jeder bildfaser scheint ein dazwischen zu liegen, eine passage. türen, treppen, spiegelungen, lichteinfall, an- und ausgekleidet, liegend, stehend, herabschauend – ein mann mit maske im zwielicht zwischen zwei frauen. eine bildstörung in der harmonie. ende und anfang von träumen, räumliche trennungen und körperliche annäherungen, kommen oder gehen, vergangenheit und gegenwart ohne zukunft, zwischen künstler, bild und betrachter. die situation suggeriert einen sprachlosen zustand der leere nach einer täuschung, im moment der entdeckung, der überrumpelung. gesichtslose köpfe mit ausgelöschten oder veränderten identitäten. ein konflikt scheint bedrohlich durch bildflügel und mitteltafel zu schweben. eine heimkehr mit folgen. zerstörte gewissheit. unklare verhältnisse. verletzte gefühle. was wird? höhnisch ragt eine blüte wie ein mikrofon, wie eine aufforderung zum sprechen, zum verhandeln in den rechten flügel. durch das glas der tür erscheint die kissenform wie ein überdimensionaler weiblicher hintern. auf dem sofa im dunklen raum liegt abgewendet eine frau. schläft sie? weint sie? wartet sie? diese simultaneität von ruhe, spannung, verharren und chaos… und nicht mehr die sinnes ermüdende frage, ob ich lebe und bin. federführend ist nicht das bloße sein,  sondern die fragen nach dem: wie lebe ich und mit wem? ein variables, materialistisches lebensdesign mit episodenhaften neuentwürfen.**

***das bild war in der werkschau 2009 in der baumwollspinnerei ausgestellt und ist hier besser, weil frontal zu sehen.
**  nur ein paar gedankenspiele zur zeit, zur individuellen stimmung, zum wunderbaren, melancholie erweckenden bild…
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