wir basteln uns…

ein männchen. und wir bevorzugen dabei offenbar die holzhammermethode. wir, das sind zwei chiffrierte damen aus dem landkreis stendal, die im generalanzeiger – altmark-ost unverdrossen nach einem herzensbrecher suchen. und dabei sind eisbrecher in der einsamen, ländlichen hölle, in der nachts  das unheimliche in den wänden von wohnung und haus herumspukt, nicht nur willkommen, sondern scheinbar heiße mangelware. je bäriger, desto lieber. auf ihn warten zur reparatur: herzensrisse, seelenwunden, psychedelisch tropfende wasserhähne, vom holzwurm zerfressene holzdielen, summende wespenschwärme auf dem dachboden, tiefwurzler im gartenreich. eine lebensbaustelle für emsige handwerker.

kontakanzeigendazu fiel mir nur ein, die beiden kontaktanzeigen mit dieser werbepostkarte für das trauerspiel miß sara sampson von lessing zu vereinen. nicht, weil ich wie üblich meine schwarzseherbrille aufgesetzt hatte. allerdings ahne ich bei dem bestrickend-einladenden handwerkersprichwort was nicht paßt, wird passend gemacht! einen  anflug von masochismus, einen hang zu unheilvoller hingabe und duldsamkeit, die von dem einzigen wunsch besessen ist, nicht alleine zu altern. seitdem alle moderne heizung haben, sind wahrscheinlich die tratschrunden am warmen ofen hinfällig geworden, bei denen man so geschichten munkelt, daß der heinz die erna mal wieder verdroschen hat, weil das essen nicht wie bei mutti schmeckte. aber die erna behauptet, sie habe sich am küchenschrank gestoßen. die sehnsucht nach jugendlicher lagerfeuerromantik weicht dem wunsch, keine kalten füße mehr zu haben. aber die zeit heilt keinen dekubitus. kompromisse ja, aber die verzweiflung wird nicht mit der holzhammermethode weichgeklopft. wie oft habe ich jetzt in diesem kurzen beitrag das einschränkende aber verwendet? teilen wir doch das doppelbett, koste es, was tetsche male.

(c) 2008 stern.de

(c) 2008 stern.de

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2 Antworten zu “wir basteln uns…

  1. Ich frage mich, ob das wohl die Spät-/ Langzeitfolgen von Schnulzenserien wie Unter Uns, GZSZ, Lindenstraße, Marienhof und Co sind. Keine Ahnung warum so viele Menschen so ein schräges und unrealistisches Bild von Liebe am Leben halten. Vielleicht sollte man „Jeder hat ein Recht auf Unglück“ erweitern zu „Jeder hat ein Recht sich immer wieder selbst unglücklich zu machen.“ Wahlweise ergänzt durch „…zu hohe Ansprüche“ oder „…falschverstandenem Zwang zur Zweisamkeit“ etc. Ich glaube das Konstrukt der Ehe und dümmliche Rollenbilder sind an allem Schuld. 😉

    • ich denke, daß es maßgeblich die angst vor einsamkeit und zusätzlich gesellschaftszwänge sind, die solche wünsche wecken. allerdings erschreckt mich dieses werkstattdenken ungemein. wie kann man etwas unpassendes passend machen? mit korsett und luft abdrücken? das verbiegen kann nicht gut ausgehen, wenn nur einer anpassungsfähig ist. der anspruch an ein ‚erfülltes‘ leben und an die sog. ’selbstverwirlichung‘ liegt bei manchen auf einer unerreichbaren meßlatte. und die selbstlüge macht dich blind dafür. viele wissen in ihrer freizeit nichts mit sich anzufangen. langeweile kann sehr zermürbend sein, noch dazu wenn sie mit soaps totgeschlagen wird. dann kann ich auch gleich schwülstige arzt- und liebesromane lesen. alles wird gut, weil man die verantwortung für ein glückliches leben an andere überträgt? für mich nicht…

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