aufreißer

verpackungalso nicht doch! was sie schon wieder denken! der beitrag eröffnet ihnen keine pikanten details aus meinem oder prominentem privatleben, dreht sich nicht um die fernsehserie ’scoop‘ und handelt auch nicht von flotten flirtsprüchen mit hoher trefferquote. obwohl… verpackung… auspacken. ein gewisser jagdtrieb scheint durchaus befriedigt zu werden. nahrungsmittel- und verpackungsindustrie haben sich auf fixe futteraufnahme eingestellt und bieten fertigspeisen in unterschiedlichsten varianten an. in dosen mit und ohne aufreißlasche, in gläsern mit schraubverschluß, in vakuumverpackungen aus plaste und folien, in tuben, bechern und flaschen. wie kommt nun aber die menschenmaus ohne größere verluste an den speck? manche schweißperle ward vergossen und mancher milchtropfen verkleckert. das wußte auch schon mike krüger, als er 1980 mit ‚der nippel‚ die hitparade stürmte.

der intuitive, ungeduldige verzehrer fackelt nicht lange. er bemächtigt sich der verpackung, zerreißt die dünne folie, so daß ihm sämtliche reiswaffeln auf einmal entgegenrollen und in tausend kleine stücke zerbröseln. er krallt sich den karton mit den negerküssen (für politisch korrekte = schaumkuss) und noch während er die frage stellt, wo man die kiste öffnet, hört man pappe reißen. die perforierung am klappdeckel ist vollkommen unberührt, während  seitlich zwölf mal weißer, gezuckerter eischnee mit dunkelbrauner schokolade und waffeln den gesetzen der schwerkraft gehorchen, auf den fußboden platschen und matschen. erschrockene augen gucken dich an. ‚ähm, räusper, hast du mal einen lappen?‘. *** unverständliches grummeln. ruhe bewahren. die wiederverschließbare lasche an der linsentüte hat er im nu zu einem klebrigen klumpen zerknüllt, und wenn alles schief läuft, auch die tüte derart zerfetzt, daß man sich wie aschenputtel vorkommt, nur ist der boden eben keine schüssel. und es gurren bedauerlicherweise auch keine tauben mit helfersyndrom auf  dem fensterbrett.

wer schon immer mal wissen wollte, wie viele reiskörner eine 500-g-verpackung enthält, sollte sich unbedingt von linkischen, ausgehungerten und gierigen bekannten beim kochen helfen lassen. die abgerissene ‚leicht-öffnungs-lasche‘ der erbsendose bewundert der konsument ohne verstand – dafür mit kraft gesegnet, zwischen daumen und zeigefinger. ‚ähm, wo ist denn dein dosenöffner?‘ magen und mund verlautbaren knurrende töne im duett. ein kleines ablenkungsmanöver muß her, um die hinweisignoranten für eine weile zu beschäftigen. ist das subjekt männlich, reiche man ihm eine bierflasche. die öffnet es problemlos mit einem feuerzeug und beginnt glücklich zu gluckern. handelt es sich um ein weibliches wesen, wähle man mit bedacht einen kalorienarmen joghurt und stelle ihn geöffnet vor das entschuldigungen stammelnde etwas. in der mümmelzeit beseitigt man ungestört kollateralschäden. stellen sie aber niemals einem handwerker den joghurt mit der ecke unpräpariert auf den tisch. vor lauter bastelwut beginnt dieser nämlich die plastisch separierten bestandteile mit einem löffel ineinander zu schaufeln, als handele es sich um grundmaterialien für einen betonmischer. natürlich nicht, ohne mit seinen maurerpranken die hälfte auf dem tisch zu verschütten. reagiert man zügig, landet mit einem kinderleichten umknicken der rest aus der kleinen in der größeren ecke, während du anerkennende worte erntest: ‚ach, dafür ist das?‘

der neugierige, geduldige und pedantische verbraucher hält sich sklavisch an die aufgedruckten vorschriften. das dauert zwar etwas länger, macht ihn aber meistens satt. allerdings vermutlich auch krank, wenn er sich nicht im geringsten damit auseinandersetzt, was er da überhaupt schluckt: die eilig auf das toastbrot mit mäusekot gelegten käse- und schinkenscheiben, die geschmacksverstärker, farbstoffe und emulgatoren. das unterscheidet den verstehenden leser vom puren konsumenten. statt gammelfleisch, analogkäse  und schimmelnektarinen mit einem krebserregenden plastikbeigeschmack vergeudet er seine zeit nicht mehr mit horrorlektüre der zu:taten von fertigmischungen, er bummelt an der frischen luft über den wochenmarkt. und wenn er spät genug einkauft, kann er sogar mit dem biohändler über den preis feilschen. die vorteile liegen klar auf der hand. selbst wenn die pestizidbelastung nicht nachweislich geringer ist, spart man den ganzen verpackungsmüll, dessen entsorgung, die werbelügen, mengenmogeleien und das frustrierende gefummel an den schier unzertrennlichen umhüllungen.

ob sie mit der verpackungszerreißtaktik wohl beim anderen geschlecht punkten würden? ‚mausi‘ könnte zur scharfkralligen raubkatze werden, wenn man ihr sündiges wie sündhaft teures victoria’s secret ruiniert. wie eine frühlingsrolle  werden sie aus der rappelkiste gekullert und auf dem blanken boden landen.  vielleicht fühlen sie sich dann nicht so wohlig kopfmassiert wie bei der friseuse, sondern eher massakriert wie in der fritteuse.

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2 Antworten zu “aufreißer

  1. Einfach wieder klasse!

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