blindgänger

sleep-escapistvor etwas mehr als 25 jahren wurde in deutschland die erste mail verschickt. spätestents seit der jahrhundertwende hat fast jeder in den ländern der ersten und zweiten welt mindestens eine mailadresse. je inflationärer sich der elektronische nachrichtenversand entwickelt, desto hanebüchener ist der umgang mit fremden adressen. das datenmüllaufkommen erhöhen menschen, die zwar an ihrem eigenem hausbriefkasten den aufkleber ‚keine werbung‘ anpappen, aber offensichtlich keinen blassen schimmer davon haben, warum ihr elektronisches postfach von spammern bombardiert wird. immerhin sind einige spamfilter schon ziemlich perfekt geeicht, was allerdings keinen aufruf beinhaltet, sie über gebühr zu strapazieren.

ein paar sicherheitstechnisch-verschlafene beglücken mich hin und wieder sowohl beruflich als auch privat mit rundmails. aus gründen der zeitersparnis ist daran nichts zu monieren. erschreckend ist allerdings, daß die absender dabei immer wieder adressenhändlern, würmern, viren und anderen ungetümen tür und tor öffnen und zwar indem sie kopflos einfach alle mailempfänger ins cc (carbon copy = weitere empfänger) schreiben. in nullkommanix sieht man im header plötzlich unmengen von privatadressen oder geschäftsadressen, als hätte der absender noch nie etwas von dubiosen geschäftspraktiken gehört. cc mag  dann sinnvoll  erscheinen, wenn es sich um einen kleinen kreis von lesern handelt, der ohnehin untereinander vernetzt ist.

mißtraut man aber den netzspähern und phishern nicht ganz grundlos, weil es in letzter zeit genügend datenskandale und -diebstahl gegeben hat, sollte man lieber auf das bcc (blind carbon copy – blindkopie) ausweichen. und für den DAU  (ausnahmsweise in versalien) als anschauungsobjekt noch den passenden screenshot.

Bild 2eigentlich sollte die blindkopie mittlerweile erste wahl und selbstverständlich sein. ich mühe mich nur deswegen mit der webnachhilfe ab, weil die absender nicht etwa den grauen panthern zuzurechnen sind, sondern im gegenteil der internetaffinen generation zwischen 20 und 35 anzugehören glauben. sie verwenden die mails als alltägliches nachrichtenmedium, verschicken pressemitteilungen, jobangebote, interessante links, blödelbilder und partyeinladungen. spricht man sie auf ihre leichtfertigkeit an, antworten sie: ‚ich wußte nicht, wie man das macht‘. hallo? da steckt keinerlei hokuspokus oder gar technische raffinesse dahinter. bei ‚an‘ wird die eigene adresse angegeben. ins ‚bcc‘ gehören die empfänger. ausgesprochen unkompliziert det janze, wa?

abgesehen von der datensicherheit spielt aber ein weiterer aspekt eine große rolle. nach wie vor möchte ich selbst entscheiden können, wer welche meiner erreichbarkeiten kennt. nicht jeder, der meine handynummer gespeichert hat, soll mich zusätzlich mit schriftlicher konversation (chat, mail, postanschrift) enervieren. ohnehin hat es den augenschein, daß menschen zusehends maulfauler werden und dafür die tastatur klappern lassen. ich frage mich nur, ob das eher an kontaktscheu liegt oder doch eher an den attraktiven gratiskommunikationsangeboten? indes ist das meiste am telefon schneller und begreiflicher besprochen, wenn man sich schon nicht direkt in die augen sieht. auf die dahingeschmetterten sms von bumm-dumm-becker will ich gar nicht erst näher eingehen. das ist die neue, feige leichtigkeit des abfertigens. mein stichwort. ich mach‘ für heute schluß, weil ich sein will.

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