tag am see

cospudener-seeje tiefer der sonnenstand, um so leerer der strand am cospudener see bei leipzig, einem gefluteten tagebaurestloch. je höher der sonnenstand, desto gedrängter die anordnung der badelustigen und desto weniger chancen bestehen, wider willens einblicke in die intimsphäre verhaltensauffälliger nachbarn aufgenötigt zu bekommen. neben demophobie könnte man unversehens eine neue erscheinungsform der kontaktallergie ausbilden, die nicht auf stofflicher reizung basiert, sondern visuelle und akustische auslöser hat. oder zum sozialphobiker mutieren, allein weil zu viel öffentliche und blamable zurschaustellung einem gewissen ekel nicht gerade entgegenwirken. einerseits hat man schnell das gefühl, sich auf einer raststättentoilette ohne sichtschützende trennwände zu befinden, andererseits in einem container ohne fernsehkameras. und das ohne beachtung von körperlicher blöße oder den unterschiedlichsten staturen. es ist, als würden mit der kleidung auch die manieren in den staub sacken. mehr als ein auftritt am abtritt.

little sister will not watching and hearing you! nur wenn sie sich schwimmend weit genug vom ufer fortwagt, kann sie die leichtigkeit des körpers im wasser genießen und mit dem veränderten körpergefühl das fiebrige mütchen auf wassertemperatur abkühlen. nicht ohne angst vor surf-, kite und segelanfängern im hinterkopf. aus dem toten mann im see sollte keine reale tote frau werden. und notgedrungen folgt mit erschöpften muskeln die gleitende rückkehr an das überbevölkerte, glitschige ufer.

wenn der letzte wassertropfen auf der haut verdunstet ist, verfolgt man zwischen lauter fkk-anhängern nahezu amüsiert die beengten umkleideversuche hinter einem umgewickelten badehandtuch. ein balanceakt mit einbeinigem hüpfen, aufgewirbeltem staub und garantiert mehr beobachtern als ohne die halbgewalkte umkleidekabine. abseits vom geschehen bilden sich unentspannte badehosenzelte, die vor lauter voyeurismus in nachgeschmack an den schiefen reichenturm von bautzen leider nicht als sandskulptur errichtet worden sind. nein, mann dreht sich nicht auf den bauch, mann präsentiert. es ist zum wegdrehen, um dann andere primaten beim lausen im freigehege des strandaffenzoos zu sehen. hirnverbrannte betreiben ausgiebige körperverunstaltung auf dem ebenso roten kreuz. die substanz, die sich dort beim drücken auf den rücken erbricht, dürfte auf der haut weniger pflegende wirkung als sonnencreme haben. jede kosmetikerin und jeder dermatologe würde über so viel selbstvergessenheit zu einem vortrag über grundlegende hygienemaßnahmen ansetzen; vorher aber nach luft schnappen, als hätte man sie sekundenlang gewaltsam unter wasser gedrückt und am atmen gehindert.

auf der flucht vor dem animalischen begleitete uns das bereits seit einer viertelstunde anhaltende, angsterfüllte weinen eines kindes, das mit wasserflügeln von einem feinfühligen elternteil daran gehindert wurde, das ach so erquickende naß zu verlassen. alle menschen mögen das planschen im wasser. was?! du nicht?! dir werde ich den lauten ungehorsam austreiben, badelust und nässesucht eintrichtern. neurosen? ist das eine florale neuzüchtung dorniger wege? in solchen momenten  wünsche ich mir die genehmigung vom jugendamt, umgehend die erziehungsberechtigung zu entziehen. oder ein seeungeheuer zu sein, das geschlechtsreifen kinderverziehern das gründeln in langen unterwasserlektionen lehrt. oder mit kurt schwitters: o, wenn ich das fischlein baden könnte.

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