frei:t:räume

gso2009vom behördenkrampf und polizeilichen räumungen spricht dieses transparent. es illustriert den frust von  partyorganisatoren und konzertveranstaltern der alternativen szene in leipzig. meist liegen zwar behördliche genehmigungen von bauamt und ordnungsamt für die partys vor, aber oft werden den organisatoren irrsinnige und kaum erfüllbare auflagen erteilt. bei der global space odyssey 2009 von connewitz nach lindenau standen neben der forderung nach einer liberaleren drogenpolitik, die noch von der ursprünglichen und immer noch olfaktorisch wahrnehmbaren entstehung aus einer hanfparade zeugt, deshalb vor allem wieder kulturpolitische und gesellschaftliche forderungen im zentrum.

global-space-odyssey-2009auch das vom alten testament (hosea, kapitel 8, vers 7) abgeleitete sprichwort ‚wer wind sät, wird sturm ernten‚ an diesem wagen weist auf den verschärften kulturkampf hin. alle drei geplanten aftershowpartys in der gieszerstraße, im superkronik und in der damenhandschuhfabrik wurden wegen baumängeln, möglichen lärmstörungen oder fehlenden sondergenehmigungen nicht bewilligt, weshalb als teure alternative das werk II als veranstaltungsort angemietet werden mußte. um nun wieder die kosten für die wagen und musikanlagen zu decken, wird sich das wohl oder übel in den eintrittspreisen niederschlagen. daraus kann man auch schließen, daß die stadt kein interesse an der förderung alternativer kultur hat. dabei werden hier nicht einmal die hände nach geld ausgestreckt, sondern sehr wirksam und massiv die unterstützung bei der vergabe von räumen verweigert. die veranstalter bleiben so in einer grauzone des halblegalen, bloß geduldeten. dabei gibt es in leipzig so viele leerstehende häuser, fabriken und villen, die vor sich hin marodieren. da ließe sich mit sicherheit mit gutem willen ein lösung finden! es muß und kann nicht jeder einer passion für bach, die thomaner oder das gewandhausorchester verfallen sein. an welcher stelle ist denn der lediglich beschworene sinn für die kulturvielfalt auf der strecke geblieben? und wann können die leipziger mit der umsetzung des wohlklingenden rechnen?

gso2009-3auf dem linksmobil prangt unter anderem der spruch ‚hol dir dein leben zurück!‚, womit auch der anschluß aller sozialer schichten an das kulturelle leben der stadt gefordert wird. armut grenzt aus, weil die groschen heute nicht mehr nur zweimal, sondern die centstücke mindestens zehnmal in den fingern gedreht werden müssen. und ja, ein bier oder auch ein nonalkgetränk kosten an einem alternativen veranstaltungsort eben keine 2,50 euro aufwärts. auch der eintritt bleibt meistens im vertretbaren rahmen, weil es sich um soziale treffpunkte handelt und nicht um monetäre zitronenpressen. aber freilich muß so ein tunnel bezahlt sein, auch wenn dafür ein großteil der stadtbewohner weiter im dunklen tappt, vor kaufhallen und in einkaufsstraßen bettelt, in parks und auf balkonen gitarre spielt, weil es kaum öffentliche räume gibt, aus denen ihnen nicht früher oder später der rauswurf droht. und so heißt denn zwangsläufig das gesellschaftskritische motto der diesjährigen gso ‚geld oder leben!?‚. die parade endete in lindenau, einem für nazitreffpunkte bekannten stadtviertel, um gegen die diskriminierung andersdenkender und die no-go-areas zu demonstrieren, in denen es immer wieder zu übergriffen auf ausländer und linke kommt.

gso2009_1es muß wohl hohn sein, daß mir ausgerechnet dieser wagen mit dem spruch ‚überwachung macht nicht mehr sicherheit‚ gegenüber der polizeiwache im peterssteinweg vor die kameralinse fuhr. ich stehe direkt unter einer überwachungskamera, die möglicherweise meine haarspitzen gefilmt hat (*grummel*). und während die teilnehmer der parade gerade platz für ein leben außerhalb der jobwelt begehren, bietet das transparent der immobilienfirma an der fassade ‚raum zum arbeiten‚ feil. offenbar bieten fast nur noch privatgemächer raum für die realisierung von alternativen lebens:t:räumen. und auch da macht der staatsschutz keinen halt vor dem dsl-anschluß, dem ausspionieren des mailverkehrs, von chats, dem mithören von telefonaten. braucht man sich also gar nicht mehr so alleine zu fühlen, denn man hat – zwar unfreiwillig, aber immerhin – zuhörer und mitleser. he, hallo, wenn ihr das lest, dann laßt doch meine wünsche endlich mal in erfüllung gehen! ah, ich sehe schon, ihr seid keine götter, keine guten feen. klar, es gilt gesetze einzuhalten, auch wenn sie noch so menschenfeindlich sind. na so ein mist aber auch!

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