sprachwunden

während meiner jüngsten berlinreise sausten wir im auto durch die kantstraße, als meine blicke einen selbstgeschriebenen werbezettel im schaufenster eines betten-discounters entdecken, der die gesamte kurzreise über noch für wiederkehrende belustigung sorgte. darauf wurde ein halswirbelsäulen-schonendes nackenkissen mit den worten ‚gegen aua-nacken‚ beworben. bis zu diesem zeitpunkt war mir mitnichten bewußt, wie viele erwachsene sich bei körperlichen leiden in die babysprache flüchten, um das zerrende reißen auszudrücken und die leidensfähigkeit durch das sprachliche verkindlichen zu erhöhen. googelt man diese naive wortkombination, spuckt die suchmaschine immerhin 5730 treffer aus, bei aua-kopf über 81.000. bloß, warum merkt man nur so selten, daß leute kopfarbeit leisten? die meisten deutschen scheinen jedoch unter höllischen schmerzen in den händen zu leiden. offenbar ist die manuelle leistungskraft in deutschland stark eingeschränkt.  vielleicht mal weniger glückslose rubbeln? hände weg vom besten stück, wenn sie es schon bis zum priapismus gebracht haben! da würde ich doch lieber den dottore ranlassen…

wenn der inhaber von ‚matratzen harry‘ (auch eher eine namenswahl, bei der ich an einen zuhälter mit pornobalken aus dem horizontalgewerbe denke) nun mal aber nicht an die geistige aufnahmefähigkeit seiner kunden in charlottenburg glaubt? es muß unglaublich schmerzhaft sein, sich unter einem begriff wie nackenschmerzen etwas reales vorstellen zu können! oder grenzenlose anbetungswürdigkeit fordern, wenn ein mensch den fachbegriff cervicobrachialsyndrom ohne zu stottern sprechen oder ohne zu stocken aufschreiben kann. oooh, kniefall ihr weißgekleideten göttlichen sprachretter. jetzt aber mal im ernst: diese schmerzsprache ist doch schon ein bißchen debil. oder ich bin krank… aua-kopf! plemplem? aber ich halte auch nicht meinen kopf wie ein mobile über kinderwagen und grabsche mit meinen händen nach schnullern und lasse der ganzen welt unverständliche gutturallaute ertönen. nun ja, die klicksprache der san ist wieder ein anderes thema. ich übe schon mal das zungenschnalzen.

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