hobbypsychologie

normalerweise scheue ich solche themen wie traumdeutung und das übersinnliche. umweht sie doch ein hauch des  irrationalen, unerklärlichen, von eigener verirrung, wenn nicht  gar deutungswahn und naja, ganz klar mangelt es mir an fachlicher kompetenz (statt koryphäe eher krähe). da täuschen auch die paar bücher von freud und adler nicht darüber hinweg, die ich vor jahren mal gelesen habe. aber manchmal werde ich mir selbst unheimlich. und meine freunde erschrecken ebenso. ich würde aber, um es vorwegzunehmen, von einem zufallstreffer sprechen und intuitivem denken, weil mir das rationaler erscheint. folgendes trug sich also zu: ich plauderte mit freunden  und bekannten über  ihre und meine alpträume nach narkosen, die an sich wohl relativ normale nebenwirkungen sind, wie mir ein anästhesist beteuerte. dann kam eine frau, von der ich so gut wie nichts außer den namen kannte, auf ihre kindheitsträume zu sprechen. sie schilderte ihre nächtliche angst davor, erdrückt zu werden. ich fragte, ohne groß nachzudenken und halb im scherz, ob sie denn zufällig ein zwillingskind sei und vielleicht einfach zu wenig platz im bauch war, so kurz vor der geburt. sie und ihr begleiter starrten mich völlig perplex an. ich war mir keiner schuld bewußt, schließlich war es ja nur eine frage und keine verabsolutierung. als beide nach einigen schrecksekunden wieder zur sprache zurückgefunden hatten, antwortete die frau: ‚ja, ich habe eine zwillingsschwester. und jetzt habe ich auch eine deutung für den ursprung der träume.‘ ihr freund sagte: ‚aber davon habe ich dir doch nie etwas erzählt! woher kannst du so etwas wissen?‘. Ich grübelte, fand keine erklärung. gedankenübertragung kann es schließlich nicht gewesen sein. und ich wußte es auch nicht, denn ich mutmaßte schlicht und ergreifend laut vor mich hin.

ich hätte da noch ein paar beispiele in petto, aber ich denke, daß ich diese lieber für mich behalten sollte, damit mich niemand für einen totalen spinner hält. das wort ‚ahnung‘ sagt eigentlich schon alles. es ist eben nicht wissen. und was weiß man schon genau? vieles kann man fühlen, spüren, vermuten. das heute noch unerklärliche muß es in 100 jahren nicht mehr sein. andererseits finde ich geheimnisse auch faszinierend. propheten verdrießen mich. und doch habe ich vorahnungen und träume gehabt, die sich erfüllten. vieles scheint sich in meinem unterbewußtsein abzuspielen, aber nicht ohne meine ratio als entscheidungsinstanz. dennoch verwundern mich die verbindungen, die mein geist zieht, ohne daß ich mich in irgend einer form am denkprozeß beteiligt fühle. es ist, als ob unsichtbare fäden gesponnen würden, die ich selbst nicht verfolgen kann. mein hirn, mein labyrinth. mein gelegentlich verweigerndes gedächtnis (namen, zahlen), meine große sorge vor dem totalausfall. manchmal geht es dort drinnen bestimmt zu wie in einer recyclingfirma. dann wieder wie in einer bibliothek. nach überbeanspruchung wie in einem fauligen weiher. nach optischem overkill wirkt der kopf schwer und gleichsam leer, die augen brennen und fühlen sich winzig an. so viel wurde von denkern über das denken geschrieben, aber es bleibt in weiten teilen unfassbar. da helfen auch noch keine durchleutenden maschinen.

aber stellen sie sich doch einmal vor, wie schrecklich eintönig ihr leben wäre, wenn man die gedanken lesen könnte?! dann wäre sprache plötzlich völlig überflüssig. dann wären die gedanken vielleicht schon strafbar. keiner hätte mehr schöne oder finstere geheimnisse. man stünde unter dauerkontrolle! überraschungen wären unmöglich. jeder wunsch würde von den augen abgelesen. alles wäre berechenbar. die welt eine große berechenmaschine. oder doch nur ein einziger brechreiz. mich öden ja schon filme an, in denen der dramaturg nur ans schlichte unterhaltungsgemüt denkt und in denen die musik das ganze nur noch vorhersehbarer macht. da muß ich mir nicht mal mehr ängstlich die hände vor die augen halten oder auf das unausweichliche ‚die guten gewinnen immer‘ warten. ich will nur noch den kinosaal verlassen. so sähe es aus, das vorhersehbare. blutleer. lebensfeindlich. fade…

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