adams fall (evas auch)

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das bild ‚adam‘ stammt aus dem zyklus ‚verführung und sünde‘ des ukrainischen malers alexander karawanskij, der seit zehn jahren in leipzig lebt und wurde bei der werkschau in der baumwollspinnerei ausgestellt. adam als der biblische stammvater aller menschen lebt den sündenfall immer und immer wieder. das symbolistische bild zeigt ihn als einen psycho, ob seiner wahnvorstellungen in eine zwangsjacke gesteckt. sein alter ego wird als schatten mit einer krone auf dem roten quadrat umrissen. das rote viereck ist eine anspielung auf kasimir malewitschs abstraktes gemälde, der sich damals in seinem manifest von der kunst mit naturabbildungscharakter abkehrte. adam erhält mit den geschminkten roten quadraten um die augen einerseits einen clownesken ausdruck, obendrein aber auch etwas von einem borderliner. die dreifache darstellung des roten quadrates könnte ebenso einen bezug zum medienwahn darstellen. adams blick wirkt zugleich weltabgewandt, arrogant, verhöhnend; nach dem motto ich bin eure erbmasse, seht, was ich erschaffen haben. um das rote quadrat scheint sich eine eislandschaft zu bilden. einen besonderen rahmen bildete die wandmalerei im stil von street art, die mich sehr an die milieustudien von george grosz erinnerte, vor allem an die darstellung der bordellexzesse in ‚eva‘ mit seinen typischen großstadtszenen.

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leider war ich da säumig bei der recherche, bitte das zu verzeihen. wenn jemand weiß, von wem das  wandbild stammt, bitte unbedingt mitteilen. dann trage ich das nach. zu sehen ist eine bildcollage, die man kurz und knapp mit sex, crime and many drugs bezeichnen kann. das reicht von einer gefangenenszene kurz vor einer exekution, über verschiedene sexuelle spielformen, den dualshock-controller einer playstation, der mit einem sensenmann gekoppelt wurde, bis hin zu  den gesichtern von fans in kollektiver massenekstase bei konzerten.

die verführungsmittel mögen sich in der zwischenzeit durch mediale vernetzung verfielfacht und verändert haben. meistens bekommt man nach dauerberieselung allerdings den eindruck, das leben bestünde nur noch aus orgien, skandalen und allgemeiner verrohung. der moment für den großen auftritt der sittenwächter, deren leben von reinster un:schuld blitzeblank funkelt. da sind wir wieder bei schwarz und weiß und den graustufen angekommen. die medien zeigen größtenteils nur noch die aus:schnitte der welt, die verkäuflich sind an uns wa:h:renmenschen. der einschalter bestimmt das programm in gewisser weise mit durch die quote. wenn ein großteil nur zuschaut, um sich hinterher köstlich die kleidung mit dem lästerblut zu besabbern, welchen sinn macht dann die fernbedienung? oder der on-off-modus? ich bin dann mal offline und hoffe, daß ich morgen wieder nachrichtenseiten aufrufen kann, auf denen nicht die fotos der schönheitschirurgisch entstellten visage des popidols m.j. prange:r:n. nur der tod kennt keinen unterschied zwischen prominent und unbekannt. so viel gerechtigkeit muß sein.

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9 Antworten zu “adams fall (evas auch)

  1. Es ist einfach schlimm, daß der Autor dieser kranken Zeilen anonym bleiben will und die Konfrontation mit Kunstliebhabern scheut. Es ist erschreckend, was sein verwundendes Gehirn in dieses hervorragende Gemälde, das sowohl Aussagen über den Maler, als auch über seine Umwelt enthält, hineininterpretiert.
    Vermutlich hat er zuviel Berichte über Michael Jackson gelesen und kann nun Kunst und „künstlich“ nicht mehr diversifizieren.
    Solche „Kunstkritiken“ kann man nicht ernstnehmen, es ist schade über jedes Wort darüber.
    Noch mehr Schaden fügt diese „Kritik“ einem absolut talentiertem Künstler zu, der vielseitig ist wie kaum jemand, der sich in seinem Werk viele Gedanken über das Leben und seine Umwelt gemacht hat. Karawanskij wird damit großes Unrecht getan, er hat das nicht verdient.
    Gerald Fetz

  2. Norbert Günther

    Danke für diese sehr gelungene Rezension. Ich mag dieses Bild von Karawanskij sehr. Leider hatte ich (noch) nicht die Gelegenheit, die Ausstellung in Leipzig zu sehen. Ihr Beitrag macht aber Lust darauf!
    Ich sehe in dem ‚Adam‘ von Karawanskij im übrigen auch einen Mephisto, den ewigen Verführer, den Faust’schen „Geist, der stets verneint…“, und die Krone im Schatten seines Hauptes haben mich sofort an Hamlet denken lassen. Gewissermaßen enthält dieser ‚Adam‘ das männliche an sich.

    Lieber Gerald Fetz: Darf ich Sie für den „offiziellen“ Karawanskij Experten halten? Ich habe selten – und ich beschäftige mich mit Kunst länger, als Sie vermutlich leben – eine solche Engstirnigkeit erlebt. Als Künstler gibt es wohl wenig, was einen mehr erfreut, als wenn das eigene Werk den Betrachter zum Denken, Nachdenken und Assoziieren animiert. Ich bin immer wieder erstaunt, dass es so viele Jahre, nachdem es Menschen gab, die Kunst versuchten zu kategorisieren (in entartet und, nun ja, „völkisch“), immer noch Leute gibt, die meinen Ihre Sicht der Dinge wäre allgemeingültig. Schade dass ich in meinem Alter wieder so etwas erleben muss!
    Norbert Günther

    • Naja, eine gelungene Rezension würde ich dies nicht unbedingt nennen, eher vielleicht eine persönliche Interprätation.
      Z.B. Das Quadrat von Malewitsch, das ja eigentlich immer schwarz ist, halte ich für sehr weit hergeholt. Auch die Hängung des Bildes auf dem graffittiartigen Untergrund ist nicht bewusst gewählt und vom Maler bestimmt nicht gewollt.
      Auch wäre vielleicht richtig zu stellen, dass der Künstler seit 1997 auf dem Spinnereigelände arbeitet, aber schon wesentlich länger in Leipzig lebt.

      Die Werkschau 2009 ist noch bis zum 20. Juli von Dienstag bis Samstag von 11.00 bis 18.00 zu sehen.

      Schade, daß auch keine Namensnennung des Autors erfolgt, denn ich würde gerne den Kontakt zwischen Herrn Karawanskij und dem Autor herstellen, da die Sichtweisen doch ziemlich unterschiedlich sind.

      Lieber Herr Günther, es ist nicht notwendig solche Verbalattacken gegen einen Kritiker eines Artikels loszulassen, Herr Fetz vertritt ja auch nur seine Meinung.

      • hallo an alle,

        ich möchte doch noch zwei – drei dinge klarstellen. ich würde mir nie anmaßen, den beitrag als eine rezension oder gar kunstkritik zu bezeichnen. es ist lediglich meine persönliche interpretation. und bildbetrachtungen sind nun mal bei jedem menschen anders, da jeder mensch auch einen unterschiedlichen bildungsgrad besitzt und auch noch sonst einige faktoren eine große rolle spielen.
        ich betone hier an dieser stelle auch ausdücklich, wie außerordentlich gelungen ich das bild finde. das habe ich im text nicht gemacht, wie mir bei nochmaligem lesen auffiel. ich dachte dummerweise, dies würde sich von selbst erschließen, anstatt es als verriß zu deuten. manchmal bin ich eben gefangen in meinem denken.
        ich bin auch der meinung, daß herr fetz den artikel nicht ganz verstanden hat. ich habe mich noch nie für popidole jedweder couleur interessiert… und auch er hat sich im ton vergriffen. niemand ist krank, weil er dinge anders sieht.
        ich sehe es auch nicht als notwendig an, meine identität zu nennen. ich wollte niemandem schaden zufügen. eher das gegenteil war der fall. ich werde in zukunft noch vorsichtiger und genauer beim formulieren sein. und nochmal: das bild ist phantastisch, herrlich, wunderschön!

      • ach so, hab ich vergessen: es gibt das schwarze quadrat von malewitsch und das rote quadrat (beide 1915 entstanden). das habe ich sicher nicht aus der luft gegriffen.

  3. Hallo an alle,

    eine kurze Information von meiner Seite: das Wandbild stammt von Hans Eichinger, der in einer vergangenen Werkschau sein Gemälde direkt an die Wand gebracht hat. Aus Respekt und Gefallen gegenüber diesem Kunstwerk traute sich bisher niemand es zu übermalen oder ähnliche Schritte vorzunehmen. Dementsprechend würde ich mich der Annahme anschließen, dass man diese beiden Werke nicht unbedingt in Relation setzen sollte – ein schlüssiger Interpretationsansatz kann dennoch recht spannend sein.

    • vielen dank für den nachtrag dieser nicht unwesentlichen information. der zweite teil des textes unter dem wandbild bezieht sich auch nur auf das wandbild und meine assoziationen. deswegen habe ich doch das bild über den text gesetzt. nun geht es mir nicht anders als jedem anderen, der etwas in die welt gelassen hat. mal so, mal so ;-).

  4. Ich muss mich nochmal korrigieren, da sich ein kleiner Schreibfehler ergeben hat: der Künstler heißt natürlich Hans Aichinger.

    • stimmt, die lautschrift ist manchmal hinterhältig. der erste wäre arzt, rennfahrer oder volksmusikant gewesen (google suchergebnisse von der ersten seite), während der jetzige nun tatsächlich maler ist. danke für die genauigkeit.

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