utopische tagträumerei

the-bankumgeben von einer ganzen reihe natürlicher und unnatürlicher feinde, finde ich im moment nur wenig raum für die muße. gegen die unnatürlichen schreibe ich an. die da wären motorisierte heckenschneider und rasenmäher – morgens um 7.30 uhr im schallenden hinterhofduett. können die lärmschutzgesetze nicht endlich für spätaufsteher umgeschrieben werden? es gilt schließlich als wissenschaftlich erwiesen, daß spätaktive wesen nur zur höchstform auflaufen können, wenn ihnen ebenso ihre hinreichende schlafportion gegönnt wird. warum muß ich meinen biorhythmus derart an äußere umstände anpassen? selbst meine arbeitgeber gewähren mir gleitzeit, wenn auch im moment kaum freizeit. es gibt phasen im leben eines selbstständigen, da reicht die arbeit für zwei, nur das geld nie oder nur, wenn man zusätzlich noch den staat schröpft. aber abhängig vom amt? dann lieber arbeiten und manchmal maulen.

allerdings bringen mich diese sklavischen phasen immer wieder zu der überlegung, warum es nicht möglich sein sollte, die arbeit und das geld gleichmäßig zu verteilen? was wohl an einem grundeinkommen so falsch ist? letztlich wird es in gesellschaften immer leistungswillige und -fähige, träge, kranke sowie schwache geben. das wegfallende soziale gefälle, würde die von mir verabscheuten und abgeschlagenen gefälligkeiten minimieren und den sozialneid, die gesellschaftskrankheit schlechthin, obendrein. und wie groß wäre der nutzen, wenn sich nicht die arbeitenden völlig verausgaben müßten, sondern ihre arbeit abgeben, mehr zeit zum wissenserwerb bliebe, zum reisen, zum innehalten? solche zivilisationskrankheiten wie burnout, herzinfarkt, rückenschmerzen, migräne usw. dürften dann drastisch zurückgehen, die krankenkassen hätten weniger ausgaben. im moment wirkt die welt in ihrem zerfledderten krisenkostüm wie ein weit aufgerissener schlund. in das dunkle kann man nicht sehen, trotzdem werden von propheten lichter am ende des tunnels entzündet oder ausgeblasen. nichts ist sicher, außer die notwendige veränderung. ich träume, am regenverhangenen tag, der von sonnenflecken zerrissen wird. ich blicke indigniert zurück auf die realität und sehe in der ferne, wie die hirten ihre schafe ins trockene geleiten. die blöken blöde und freuen sich über den trockenen platz und das trockene heu.

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6 Antworten zu “utopische tagträumerei

  1. Sehr schöne Gedanken… An einen Grundeinkommen ist nichts verkehrt. Dann wären wir endlich all die zweitklassigen Zeitgenossen los, die nur zur Arbeit dackeln, weil sie müssen. Endlich hätten wir kreative, kompetente Arbeitnehmer auf gleicher Augenhöhe mit den Arbeitgebern. Niemand mehr, der aus Angst um seinen Job, das Maul hält. Ich fürchte allerdings, dass sich das Großkapital die Abhängigkeit der Massen von eben diesem Kapital nicht so einfach nehmen lassen wird. Also wird es wohl vorerst eine Utopie bleiben.

    • ja, deswegen habe ich es auch gleich so tituliert :-(. außerdem gibt es zu viele lobbyisten, denen die politiker zu gewogen sind. diese knoten kann man nur schwer entwirren. sie sind in etwa so wie die im schnürsenkel, wenn man es eilig hat.

  2. Oder wie die Kabelage hinterm Fernseher. 😉 Ich denke die Zeiten für solche Ideen waren nie besser als heute.

  3. hamburgerjung

    Ich glaube wir werden an der Idee eines Grundeinkommens für alle nicht vorbei kommen. So oder so! Irgendwann kippt das Verhältniss zwischen arbeitender Bevölkerung und Sozialleistungsempfängern. Und dann wird es richtig ungemütlich.
    Zudem ist es heute schon nicht mehr erklärbar, warum es inzwischen so viele Menschen gibt, die arbeiten und trotzdem auf den Staat angewiesen sind. Man sollte einfach anerkennen, dass es nicht genügend Arbeit für alle gibt. Vollbeschäftigung gibt es nur in einem Szenario, in dem der größte Teil der arbeitenden Bevölkerung nur noch Minilöhne bekommt und zusätzlich am Staatstropf hängt, aber das kann doch niemand ernsthaft flächendeckend wollen. Die ewige Wachstumsdoktrien der Wirtschaft ist eine Riesenillusion, wie wir ja gerade erleben. Deshalb halte ich das bedingungslose Grundeinkommen für einen Schritt in die richtige Richtung, und die Diskussion darüber für unabdingbar.
    Beste Grüße aus Hamburg.

    • das problem ist auch der begriff der vollbeschäftigung. wenn man darunter eine 60-h-woche versteht, klar – dann reicht die arbeit wirklich nicht aus. und genügend arbeit gibt es, für die aber nichts bezahlt wird. nehmen wir die ehrenämter. wie wären solche projekte wie z.b. hospize sonst überhaupt realisierbar. und ich denke, in der pflege und in den bildungsbereichen gibt es mehr arbeit, als derzeit bewältigt wird. die sozialen bereiche werden leider nicht als etwas betrachtet, was entlohnenswert ist. dabei ist noch nicht einmal die trennung von handarbeit und kopfarbeit anerkannt… (siehe geisteswissenschaften). aber wenn der bohrer tiefer in richtung wurzel vorstößt, kommt es wohl zwangsläufig zum aufschrei, so ganz ohne narkose… vielen dank für den kommentar. mal schauen, ob sich jetzt noch mehr auf die diskussion einlassen und das ganze nicht ausschließlich als linke utopie abgetan wird.

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