lost in links and comments

gestern erschien im spiegel der sehr übersichtliche artikel ‚das internet‘ gibt es nicht von christian stöcker über die derzeitige netzdebatte in den feuilletons von ‚zeit‘ und ’sz‘ , in dem alle relevanten links aufgeführt sind, auf die sich der autor bezieht. die kommentare dazu illustrieren das netzphänomen des öffentlichen debattierklubs, den ursprünglich adam soboczynski mit seinem beitrag das netz als feind ausgelöst hatte, gefolgt von gero von randows gegenworten geistesaristokratie, jens jessens verteidigung des als intellektuell verpönten soboczynskis in das netz trügt, wiederum aufgegriffen in heribert prantls vortrag die zeitung ist wichtiger als die deutsche bank. was alle beiträge eint, ist die verteidigung des qualitätsjournalismus. recht unterschiedliche erfahrungen und umgangsweisen haben alle mit der netzpöbelei. auseinander driften die meinungen zur blogosphäre. datentrash, laienkultur, zwischenstufen und hochkultur prallen aufeinander. alle  befürworten die zeitung als informationsmaterial – unterschiedliche qualität inbegriffen. es  geht um  die existenzberechtigung oder die gelassenheit gegenüber dem untergangsgetöse eines etablierten und von vielen noch geschätzten mediums.

ein wenig könnte man soboczynski einige verallgemeinerungen und metaphern ankreiden, seine angst vor den volkskritikern. es folgte umgehend der vorwurf der weinerlichkeit. denn es ist auch die angelegenheit des klügeren, nicht klein beizugeben, wenn das niveau deutlich unterschritten wird. ruhe bewahren… es war auch nicht hilfreich, die position des sehenden unter lauter vermeintlich blinden und stummen einzunehmen. doch kämpft er an an einer front, an der vorher schon die lehrer, eltern und die gesellschaft versagt haben. ich kenne durchaus intellektuelle, die geborene wissensvermittler sind. das wie entscheidet darüber, ob es als ‚wissen heraushängen lassen‘ oder als klug und anregend empfunden wird. nicht immer ist man dazu in stimmung, alles in einfachsten worten zu schildern. erwartet der traditionelle zeit-leser nicht. nur der, dem der zugang zu dieser ‚elite‘ durch fehlendes wissen verwehrt bleibt. der mault, stänkert, neidet.

ist der intellektuelle nun aber deswegen zur stillen duldung verdammt? vielmehr müßte die debatte zu einer förderung der netzkultur und medienkompetenz führen, zur ausbildung von sprachlicher feinfühligkeit und eben nicht zu gegenseitigen todesverwünschungen oder sonstigen beleidigungen. also im grunde braucht der kommentierende mehr bildung! das erreicht man aber nicht durch geringschätzung, von welcher seite diese auch ausgehen mag. gefährlich ist doch eher der ping-pong-effekt. der ‚geschlossene zirkel‘ (soboczynski) als versteck? für eine atempause schon, für die regeneration, für das links-liegenlassen. ich würde mich auch ungern andauernd anfeindungen ausgesetzt sehen. verständlich, allzumenschlich.

ist zeitung nun aber leid- oder leitmedium? das hängt nach wie vor davon ab, wie sorgfältig journalisten recherchieren und wie sie mit dem zeitdruck des internets und des microbloggings umzugehen lernen. manche on- und offline-journalisten neigen gelegentlich bis häufig zu vorschnellen veröffentlichungen und ebenso zu sachlichen bzw. rechtschreibfehlern. korrigieren erwünscht! fehler machen nicht nur ‚die anderen‘, sartres hölle. konkurrenzdenken (‚ich war erster‘) und erfolgsdruck sind die krankheiten der tagesaktuellen branche. hinzu kommen unseriöse quellen. vielleicht muß die zeit ihren redakteuren wieder mehr zeit für die geisteswissenschaften geben, damit sie eben miteinander und nicht nebeneinander diskutieren, damit sie ihre argumente reifen und sacken lassen (ethos, pathos, logos)? ich weiß zugegeben nichts über den produktionszwang als festangestellter bei der zeit, kann mir aber vorstellen, daß er sich durch die massive verbreitung von meldungen im minutentakt enorm zugespitzt hat.

nicht auf meinem einkaufszettel...

nicht auf meinem einkaufszettel...

zur blogosphäre bleibt mir nur zu sagen: vielfalt – von schlecht kopiert bis möchte ich täglich lesen; die ganze bandbreite, bildungs- und verblödungsmedium zugleich. nischen sind zu entdecken und persönlich als müllhalden empfundenes kann man meiden. unabhängigkeit des schreibens oder anonymität bedeuten nicht automatisch, verantwortungsloser oder nachlässiger zu werden. ich weiß, dadurch führen die klickzahlen mehr in den bereich ‚kellerkind‘. herrje, ich kann gut damit leben. die kommunikation in der realität ist eine andere,  aber auch oft heuchlerische. mir ist die unvermittelte ehrlichkeit manchmal lieber. und die fäuste bitte dann beim boxkampf im ring ballen, da wo der ringrichter einschreiten kann.

ps: ich habe tatsächlich alle bei stöcker verlinkten beiträge gelesen.

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