plakatpossenparoli

die wilde plakatiererei hat in leipzig schon seit langem ausmaße angenommen, die sich bald nicht mehr in zentimetern übereinander geklebter schichten angeben läßt. im wahlkampf für europawahl und stadtratswahl am kommenden juniwochenende müssen nicht mehr nur die wände und mauern dran glauben, sondern so ziemlich jeder laternenmast und jedes verkehrsschild wurde mit mehr oder weniger gräßlichen, größtenteils populistischen devisen in den höhen von knietief bis himmelhoch behängt. ist das nicht eigentlich verkehrswidrig? zusätzlich finde ich täglich irgendwelche zettelchen mit politikerbildchen in meinem briefkasten. soll ich diese eisige lächeln hübsch finden? die zusammengebissenen zähne gar? oder die familienidylle? gibt es dafür etwa auch schon sammelalben? das ist reine papierverschwendung und wenig umweltfreundlich, auch von den grünen… immerhin habe ich eine papiermülltonne, in der das entsorgt werden kann. dafür muß ich aber die gebühren zahlen, nicht die verursacher.

bereits ende mai wurden die fdp-wahlplakate mit dem slogan „für gentechnik im essen“ verfremdet, wie man hier lesen kann. am samstag habe ich dann am fockeberg die überklebungen auf den plakaten der spd und auch von den grünen entdeckt.

regieren

dabei mußte ich feststellen, daß sich die aufgeklebten sprechblasen auf dem wahlplakat von christopher zenker, der hier mit ‚vielfalt erhalten. vielfalt leben‘ in unpolitische allgemeinplätze geflüchtet ist, einer wesentlich deutlicheren sprache bedienen. ‚hauptsache regiert werden…‘ spielt auf das politische desinteresse an. ‚einer muß ja sagen, wo’s lang geht‘ auf die orientierungslosigkeit im gesamten land. die originalslogans auf den wahlplakaten verbessern den gesellschaftlichen zustand keinesfalls. zenker stapelt sogar noch tief, indem er die vielfalt nicht vergrößern, sondern lediglich stabilsieren möchte.

spd

die manipulation mit den sprechblasen wird sicher den wenigsten auffallen, weil die plakate in der gesamten stadt so omnipräsent sind, daß man schon im spaziergängertempo daran vorbei schlendern muß, um die verfremdung überhaupt wahrzunehmen. danke trotzdem für den versuch, die leipziger mit dem plakatpossenparoli aus ihrer lethargie wachzurütteln. ich frage mich allerdings, warum die wahlpamphlete der linken so seltsam verschont geblieben sind. das lag ganz bestimmt daran, daß der plakatierer hexenschuß hatte und sich nicht so weit herunter bücken konnte.

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