datenkra:n:ke

die musikalischen/sozialen rebellenseelen unter uns erinnern sich wahrscheinlich noch an das album ‚the battle of los angeles‘ von ‚rage against the machine‘, eine hommage an george orwells roman ‚1984‘. auf dem cover ist ein menschlicher umriß zu sehen, der von dem künstler joey krebs gesprayt wurde. der abgescannte, gefilmte, totalüberwachte seelenlose hat sich in einer leipziger straße ins blickfeld gedrängt. gleich dreifach.

safe

wie sicher fühlen wir uns durch öffentliche überwachung? auf der straße? wohl eher hinter den gittern? trügerisch, aus- und einbrecher beweisen das gegenteil. die schlupflöcher werden lediglich enger, nicht unüberwindlich. viele wiegen sich eingelullt in sicherheit, bis sie gewaltsam in die realität zurückgerissen werden.

shot1 manche haben bis heute nicht registriert, daß sie an allen möglichen orten gesehen werden können. als ich vor kurzem im spätshop einkaufen war, konnte ich am monitor über dem verkaufstresen studien über handgriffe verfolgen, die man im allgemeinem im alter von drei bis vier jahren aberzogen bekommt (freud). kurzer kontrollblick über die schulter nach hinten, aber nicht an die decke. natürlich muß der zwickende spaltenrutscher trotzdem in eine erträgliche position gezogen werden. wissen wir ja. wollen wir es aber sehen? also ich könnte durchaus auf den oktroyierten voyeurismus verzichten… und muß für mich konstatieren, daß norbert elias recht hatte, als er die zivilisatorischen schamschwellen stetig ansteigen sah. es gibt dennoch genügend menschen, denen das wort blamage fern liegt, die alles als erfolg deuten, was aufmerksamkeit, provokation erregt. gefolgt von doppelmoral, dem klassischen rollenspiel. ich sehne mich oft nach mehr schutz des privaten, vermummung, anstelle der vollkommenen nacktheit. die transparenz, die versucht, die phantasie klein zu halten; die klarheit vorgibt, aber keine erschaffen kann.

ragegesichtslos, wie peter licht (meinrad jungblut) oder kraftwerk und doch nicht ohne identität. so wie meine rückseite aussieht (nicht wie auf diesen fotos), so sehen einige andere ihr  ähnlich. nichts besonderes. würden sie gerne erkannt werden wollen, nur weil sie nichts zu verbergen haben? eben! wozu die datenkra:n:ken auch noch füttern? die angst vor deren aussterben  ist gänzlich unbegründet.

Advertisements

3 Antworten zu “datenkra:n:ke

  1. Schöner Beitrag. Ich glaube allerdings, die Schlupflöcher werden durch diese Art der Überwachung eher größer als kleiner, jedenfalls so lange bis wirklich überall Kameras stehen inklusive der eigenen Wohnung. Da wo Kameras sind, muss man ja nun nicht mehr ganz so genau schauen. Wir überlassen alles unreflektiert der Technik! Und wer soll das ganze aufgenommene Material sichten? 1-Euro Jobber?
    Was passiert, wenn die Tapes im Internet landen? Und wir wissen ja, wie schnell solche Daten irgendwo auftauchen, wo man sie am wenigsten vermutet. Und was ist mit Manipulation von Kameras und Tapes oder wenn die Tapes einfach „verschwinden“, weil das Aufgenommene irgendwelchen Stellen nicht in den Kram passt? Schon allein die reine Technikgläubigkeit untergräbt die Effektivität der Maßnahmen massiv.
    Sind 20 Kameras eigentlich effektiver als 2 Polizisten auf Streife? Billiger sind sie auf lange Sicht auf jeden Fall. Ein Schelm, wer böses dabei denkt. Hinzu kommt der Effekt der Gewöhnung an Kameras und Co. Das gerade Leipzig in Punkto Überwachung so weit vorn ist in Deutschland, ist höchstbefremdlich. Schöne neue Welt… besonders für Spanner!
    Wir müssen einfach erkennen, das es keine 100% Sicherheit gibt. Das ist ein genauso subjektives Gefühl wie Liebe oder Hass. Mit Angst lässt sich aber prima Politik machen. Es werden jedoch viele neue Probleme geschaffen, die in der Summe wahrscheinlich schwerer wiegen als der Fahrraddiebstahl, den man damit verhindert hat. Vielleicht kannst Du mal einen Beitrag zum Thema „Warum Menschen nicht aus Ihren Fehlern lernen“ machen.

    • vielen dank, daß du dir so viel zeit genommen hast! mit fassbinder: angst essen seele auf. das tragische ist, daß sich durch diese sicherheitstechnik nicht viel an der anzahl der straftaten ändert, allenfalls kann man die täter schneller enttarnen. das hatte in leipzig auch schon einmal erfolg, als ein kind entführt und getötet wurde. damit kann man freilich schön weitere kamerainstallationen begründen. und wie ich letztens schon schrieb, die polizei kommt nicht, wenn sie straftaten verhindern soll, sondern erst dann wenn sie bereits nicht mehr rückgängig zu machen sind. über die fehlervermeidung denke ich lieber noch eine weile nach…

  2. joey krebs the phantom street artist and the great band rage against the machine influenced media generationalist MBW fairey phoney and bansky..

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s