balanceakt

heute wieder ein kurzer rückblick auf den galerierundgang in der baumwollspinnerei leipzig. die galeria hilario galguera präsentierte auf dem weg zu den plakativen und teilweise übergroßen werken von damien hirst, zentral gestellt dessen schwarze statue vom heiligen bartholomäus, im frisch selbst gehäuteten zustand, auch weniger auffällige und vor allem hierzulande relativ unbekannte künstler. der ausstellungstitel ‚imperium. chapter 1: que viva mexico!‘ ist übrigens eine hommage an das erhaltene filmfragment ‚que viva mexico‚ (1931/32, unvollendet) des russischen regisseurs sergej m. eisenstein. darin versucht der filmkünstler die widersprüchliche kultur des landes darzustellen, teils dokumentarisch, teils historisch, streckenweise ethnologisch.

über den spanischen künstler francisco larios finden sich nur spärliche informationen im internet (deutsch, englisch – vielleicht wäre es mit spanischkenntnissen einfacher). ich konnte lediglich sein geburtsjahr 1960 herausfinden. er hat noch nicht in allzu vielen großen ausstellungen seine filigranen miniatur-skulpturen präsentieren können.

gleichgewicht

der zwergenhafte angestellte beim balanceakt auf dem beförderungsband. das tempo scheint ihm den bewegten boden unter den füßen wegzuziehen. die aufgespießten vögel im hintergrund konnten noch nie fliegen. sie sind aus einem buch über die fauna von mexiko ausgeschnitten worden und eignen sich – mit nadeln an die wand gebannt – nur wenig als papierdrachen. der unerfüllte traum von der höhe, vom fliegen. der wie bei einem bodenturner durchgebogene rumpf und die entspannte haltung der arme lassen keine eindeutige lesart zu. die figur könnte sich ebenso fallenlassen.

foerderband

die zweite perspektive (ob nun bewußt oder unbewußt von den kuratoren so ausgewählt, sei dahingestellt) zeigt den mit dem gleichgewicht ringenden im vordergrund. in seinem nacken prangt der schriftzug ‚imperium‘. wurde er nun vom weltreich oder von der amtsgewalt bereits am anfang seines weges zum taumeln gebracht? und wenn er es schafft, seinen oberkörper wieder aufzurichten, dann muß er endlos lange auf dem förderband schritt halten, um nicht zu stürzen. oder den absprung schaffen. oder warten, bis jemand die maschine abschaltet. wie weit ist der weg bis zur befreiung aus allen zwängen? diese vollkommene persönliche freiheit kann wohl nur im inneren monolog und in der kunst existieren.

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2 Antworten zu “balanceakt

  1. Das sieht ja wunderschön aus! Einfach klasse! Ich finde die Kunst von Francisco Larios einfach wunderschön! Bravo!

    • ja, das finde ich auch. dieser galerierundgang lohnt sich immer. das nächste event wird zum 125. geburtstag der baumwollspinnerei sein: 20. – 21. juni, dann im september der herbstrundgang.

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