todestanz mit prothesen und high-heels

schild_spinnereijährlich im frühjahr und herbst veranstalten die galeristen in der baumwollspinnerei leipzig die stets gut besuchten rundgänge, in diesem jahr vom 30.april bis zum 2. mai. zugpferd waren bisher meistens die kunstwerke der neuen leipziger schule, wie die surrealistischen bildwelten voller querverweise von dem lokalmatadoren neo rauch.

werke von kunstszenestar damien hirst waren in diesem jahr das lockmittel, wenn auch vom besucher ein wenig umschwärmtes. die werke von hirst,  vor allem seine ätzend demonstrative statue ‚saint bartholomew‚, waberten düster in der lichtdurchfluteten ausstellungshalle 12. offensichtlich hatte er sich des themas ‚körperwelten‘ von leichenfledderer gunther von hagens angenommen. das morbide und der tod sind gerade trend in der kunstszene. auffällig viele totenköpfe, schwarz, ruinen als kulissen für fotos waren zu sehen. irgendwie hatte ich angesichts des schönen wetters und des blütenmeeres vor den hallen keine richtige motivation, mich auf memento mori einzulassen. 

die faszinierendsten werke entdeckte ich im dogenhaus, in der märzgalerie (demnächst mehr) und in der werkschau der mexikanischen galeria hilaro galguera mit dem titel ‚imperium. chapter 1: que viva méxico!‘. da war zum beispiel die installation ‚danza della morta‘ (totentanz) des griechischen künstlers jannis kounellis ausgestellt. kounellis ist ein vertreter der arte povera, dessen rauminstallationen für gewöhnlich mit alltagsgegenständen inszeniert werden.

gehweisen2

 

leider hat die installation aus keiner perspektive ganz auf das foto gepaßt, darum noch eins von der anderen seite:

gehhilfen

die installation besteht aus mehreren paaren high-heels, die von gitterstäben durchbohrt und wie in einem schuhregal aufgereiht worden sind sowie einer an die wand gelehnten sammlung von beinprothesen, einer kriegstrommel, einer trompete und einem paar schwarzer herrenschuhe. der vergleich von knochenbrüchen infolge unpassenden schuhwerks mit beinamputationen hinkt im ersten moment. wie kann es sein, daß schönheitsideale/mode mit verstümmelung beispielsweise durch granatenexplosioen gleichgesetzt wird?

gehen wir von einer zivilgesellschaft aus, die sich nicht im kriegszustand befindet, besteht die wehrpflicht für männer vom 18. bis zum 45. lebensjahr für neun monate, im krisenfall unbefristet. kriegsdienstverweigerung bzw. zivildienst sind grundsätzlich möglich, aber durchaus mit größeren problemen behaftet. dennoch besteht für männer die wahlmöglichkeit.

und das ist der springende punkt: jeder entscheidet freiwillig, welches risiko er mit welcher handlung eingeht. freiwillig breche ich mir nicht die beine auf historischem pflaster beim stadtrundgang. pazifizismus im kopf und am fuß. stilettos können aber auch prima als weibliche waffen dienen. im kampf auf dem singlemarkt und zum schachmattsetzen von unliebsamen verehrern.

oder doch nur die moderne variante von: männer und frauen passen nicht zusammen und gehören paarweise in geschlossene abteilungen, vereinzelt sind sie aber seelenkrüppel???

für weitere interpretationsversuche ihrerseits: siehe kommentarfunktion.

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2 Antworten zu “todestanz mit prothesen und high-heels

  1. DDR Produktion alle die Heels auf den Pics?

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