frauen im blechkleid oder die extraterrestrische expertensprache

wenn ‚experten‘ im fernsehen reden, empfiehlt es sich angelegentlich wegzuhören. deutschlands autopapst andreas keßler fühlt sich offenbar zu neuen arbeitsgebieten berufen. nachdem er aus dem stegreif fast alle autobastlerfragen beantworten kann, muß es nun die höhere kunst sein: literaturpapst und genialer sprachkenner. in einer nicht näher erwähnenswerten fernsehsendung berichtete keßler von der AMI 2009 in leipzig. frauen-traumautos wurden thematisiert.

raketen? oder worum handelt es sich bei dem begriff frauen-traumautos? dieses sprach- und denkungetüm außer acht lassend wenden wir uns einer wirklich bedeutungsschwangeren satzkonstruktion zu. chic:lich für frauen sei also so ein renault mégane coupé. und nun das sprachholprige zitat: „das ist ein auto, mit dem man auf jeden fall jederzeit gut angezogen ist.“

wie bitte?! und wenn die holde weiblichkeit dann wieder zögerlich vor dem kleiderschrank steht, heißt es: ja, welches blechkleid ziehe ich denn heute an? den knallroten twingo oder doch lieber den kia soul? ein bißchen sperrig heute, ihr kostüm… aber dafür können sie damit navigieren, blinke(r)n und sogar für stimmungsvolle beleuchtung sorgen. und wenn ihr blechkeid ein wenig verknauscht ist, müssen sie es nun nicht mehr in die reinigung bringen, sie können damit in die waschstraße fahren oder sogar noch abwrackprämie kassieren, wenn sie sich ein neues anschaffen.

keßlers fachwissen bleibt unbestritten auf hohem niveau, aber vielleicht sollte man ihm manchmal einen ölfilter in den mund stopfen. das ist ein so mißlungenes wortspiel, wie es nur noch von sportkommentatoren oder fachidioten übertrumpft werden kann. wenn sie sich heute abend ihre stoßstange um den hintern wickeln wollen, rate ich dringend davon ab.

ganz nebenbei passieren journalisten auch häufig solche denkfehler, ob nun livebericht oder nicht – das spielt keine wesentliche rolle. in einem fernsehbeitrag über den gesuchten entführer, erpresser und bankräuber thomas wolf hieß es gestern so schön: er lebte jahrelang unerkannt unter dem synonym david van dyk in westend. autsch! auf der suche nach dem synonym für das pseudonym ins dickicht der fremdwörter geraten. alias wäre es gewesen.

leider darf ich aus beruflichen gründen nicht wegschauen, weghören oder einfach umschalten. schon schade, meistens!

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